Dysgnathiechirurgie
Bei ausgeprägten Stellungsabweichungen der Kiefer, z.B. dem extremen Rückbiss des Unterkiefers mit fliehendem Kinn und schlechtem Mundschluss, reicht eine übliche kieferorthopädische Behandlung mit einer Zahnspange nicht aus. In diesen Fällen wird die kieferorthopädische Behandlung von einem kieferchirurgischen Eingriff ergänzt, bei dem ein oder beide Kiefer gelöst und versetzt werden. Diese Eingriffe sind bereits vor Jahrzehnten entwickelt und seitdem ständig verbessert worden. Kieferorthopäden, die hauptsächlich Kinder mit herausnehmbaren Plastik-Zahnspangen versorgen, sind bei diesen anspruchsvollen, kombinierten Behandlungen überfordert. In unserer Praxis herrscht große Routine bei diesen Behandlungen, die besonders gute Aufklärung und Behandlungsplanung und besondres Geschick im Umgang mit der festen Zahnspange verlangen. Wir betreuen stets mindestens zehn erwachsene Patienten in Vor- oder Nachbereitung zu diesen kieferchirurgischen Eingriffen in unserer Praxis. Die Zusammenarbeit mit den drei von uns bevorzugten Zentren (Dr. Barth in Mannheim, Uniklinik Heidelberg und Marienhospital Stuttgart) klappt reibungslos, und wir sind in allen diesen Zentren ein respektierter Partner. Das verhält sich leider nicht immer und überall so, und eine schlechte Zusammenarbeit zwischen Kieferorthopäde und Kieferchirurg ist bei diesen Behandlungen nachteilig für Behandlungsverlauf und -ergebnis. Wir bieten Ihnen die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche interdisziplinäre Behandlung.
Ein wichtiger Schritt in der Behandlungsplanung ist stets die vorherige Simulation der Behandlungsergebnisse. Dafür werden zunächst auf dem Bildschirm Überlagerungen der Röntgenbefunde und der seitlichen Portraitfotos gemacht. In Sekundenschnelle können dann die seitlichen Portraitfotos verändert werden zur Simulation verschiedener Behandlungsmöglichkeiten. Dabei kann man gut vergleichen, ob ein Eingriff in einem oder in beiden Kiefern ein schöneres Resultat ergibt, oder ob ein Kiefer besser mehr oder weniger nach oben oder nach vorn verlagert werden sollte. Da es hier um Ästhetik geht, ist es entscheidend, dass die Patienten intensiv einbezogen werden: sie müssen später mit dem Resultat leben, und ihnen soll das angestrebte Ergebnis gefallen. Sehr gut ist auch, Lebenspartner oder nahe Angehörige zur Beratung mitzunehmen, die die Patienten oft bei der Entscheidungsfindung gut unterstützen können. Die Behandlungssimulation ermöglicht uns die weltweit führende kieferorthopädische Software Quick Ceph, die von einem in den USA arbeitenden deutschen Kieferorthopäden entwickelt wurde.
Risiken
Wie alle chirurgischen Eingriffe hat die Dysgnathiechirurgie allgemeine Risiken wie Nachblutungen, Entzündungen und das Narkoserisiko. Verlagerungen des Oberkiefers haben darüber hinaus keine speziellen Risiken, die zu bedenken wären. Dagegen bestehen bei Verlagerungen des Unterkiefers durchaus spezielle Risiken: einerseits kommt es öfters zu Schädigungen des Unterkiefernerven, der die Zähne, die Unterlippe und einen Teil des Kinns mit Gefühl versorgt, andererseits auch gelegentlich zu Schädigungen der Kiefergelenke. Größere Schädigungen mit Beeinträchtigung der Lebensqualität sind jedoch in beiden Fällen eher selten und im unteren, einstelligen Prozentbereich. Die Risiken tragen weder der Kieferchirurg noch der Kieferorthopäde, sondern nach erfolgter Aufklärung allein der Patient. Wir drängen bei diesen sehr umfassenden Behandlungen nie, sondern sehen uns mehr als Vermittler. Nur wer wirklich will, soll solche Behandlungen anfangen.
Gesamtbewertung
Es gibt keine andere Behandlungsform in der Kieferorthopädie, die regelmäßig so stark positive Veränderungen liefert, wie die Kombination mit der Dysgnathiechirurgie. Da die Behandlungen fast immer mit einer festsitzenden Zahnspange erfolegn und die größte Bewegung durch den Chirurgen erfogt, sind die Behandlungszeiten oft erstaunlich kurz. Der ästhetische, oft auch der funktionelle Aspekt können in einzelnen Fällen überwältigend sein, zumal oft auch die Atmung, die Schlafqualität und der Mundschluss wesentlich verbessert werden. Am Ende stellen wir allen diesen Patienten die entscheidende Frage: Würden Sie es wieder tun? Diese Frage wird von den meisten unserer Patienten entschieden mit ja beantwortet.
Dieser Post ist auch verfügbar auf: Englisch