Ausbildung zum Kieferorthopäden in Deutschland
Kieferorthopäden sind auf Kieferorthopädie spezialisierte Zahnärzte. In Deutschland führen sie leider zwei verschiedene Berufsbezeichnungen: entweder “Kieferorthopäde/in” oder “Zahnarzt/Zahnärztin für Kieferorthopädie”. Kieferorthopäden absolvieren in Deutschland zunächst ein normales Studium der Zahnmedizin, das fünfeinhalb Jahre dauert. Danach und vor Beginn der speziellen Weiterbildung ist in den meisten Bundesländern ein Jahr allgemein zahnärztlicher Tätigkeit vorgeschrieben. Die folgende spezielle Weiterbildung dauert drei Jahre. Die drei Jahre können komplett an der kieferorthopädischen Abteilung einer Universitäts-Zahnklinik verbracht werden, meistens entfallen jedoch zwei der drei Jahre auf Ausbildung in einer kieferorthopädischen Praxis mit Weiterbildungsberechtigung. Die universitäre Ausbildung reduziert sich daher oft auf ein sogenanntes “Klinikjahr”. In den meisten Ländern ist dies anders, denn in der Regel werden Kieferorthopäden drei Jahren an Universitätskliniken ausgebildet. Da die weiterbildenden Praxen kaum einer Qualitätskontrolle unterliegen und etliche deutsche Universitätskliniken nur unsystematisch ausbilden oder zu wenig Patienten haben, ist die deutsche Ausbildung im internationalen Vergleich eher als schwach zu bewerten. Wer es im deutschen Ausbildungssystem also zu einem hohen Niveau als Kieferorthopäde bringen will, muß viel Geld und Zeit in Kurse, Kongresse und Literaturstudium investieren. Noch schwerer wiegt, dass einige Bundesländer sogar dazu übergehen, mit dem “Klinikjahr” auch noch den letzten Rest universitärer Ausbildung abzuschaffen. Der Ausbildungsstand der nur in Praxen ausgebildeten jungen Kollegen kann darunter nur leiden.
Master of Science Kieferorthopädie
Durch den überstürzt eingeführten Bologna-Prozess – eine Vereinheitlichung der Studiengänge und -abschlüsse in Europa – wurde es möglich, dass verschiedene Privatuniversitäten aus dem Ausland in Deutschland die Ausbildung zum Master of Science (M.Sc.) Kieferorthopädie anbieten. Diesen Titel können Zahnärzte in ein bis zwei Jahren mit einigen Wochenenden Lehrveranstaltungen und einer kleinen Abschlussarbeit erwerben. Im Unterschied dazu sind es drei Jahre Vollzeitausbildung beim Kieferorthopäden – also ein Zeitunterschied um das zehnfache, von der unterschiedlichen Qualität ganz zu schweigen! Während es an der Ausbildung der deutschen Kieferorthopäden einiges zu bemängeln gibt, bleibt die Ausbildung zum M.Sc. Kieferorthopädie also noch weit hinter diesem Stand zurück. So sehr es zu begrüßen ist, dass Zahnärzte systematisch etwas über Kieferorthopädie lernen, ist dadurch leider eine Situation entstanden, in der Patienten die äußerst unterschiedlichen Qualifikationen Kieferorthopäde und M.Sc. Kieferorthopädie nicht mehr unterscheiden können.
Zahnarzt mit Schwerpunkt Kieferorthopädie
Jeder Zahnarzt darf auch kieferorthopädische Leistungen anbieten, gleich ob dafür spezielle Qualifikationen erworben wurden, oder nicht. Nach einigen Wochenendkursen und wenig kieferorthopädischen Behandlungen darf ein Zahnarzt den Schwerpunkt “Kieferorthopädie” führen. Leider verwechseln Patienten auch diesen leicht mit der Fachbezeichnung Kieferorthopäde, die erst nach drei Jahren Ausbildung in Vollzeit erworben werden kann. Nur der Kieferorthopäde hat diese Ausbildung und kann auf die in langen Jahren erworbenen Kenntnisse in Diagnostik und Therapie zurückgreifen. Ein Zahnarzt, für den die Kieferorthopädie nur ein kleines Zubrot zu seiner allgemein zahnärztlichen Tätigkeit ist, kann ein hohes Niveau in diesem Spezialfach normalerweise nicht erreichen. Die Verwirrung wird komplett, wenn ein Kieferorthopäde sich “Zahnarzt für Kieferorthopädie” nennt, der benachbarte Zahnarzt aber “Zahnarzt Schwerpunkt Kieferorthopädie” auf dem Praxisschild stehen hat. Es besteht nur ein einziges Wörtchen Unterschied! Wer weiß hier sicher zu sagen, wer von den beiden drei Jahre Fachausbildung hat, und wer nur einige Wochenendkurse belegt hat?
Ausbildung zum Kieferor
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