2011

Aktivator

Die erste international wahrgenommene, “funktionskieferorthopädische” Zahnspange, Publikation 1935 durch V. Andresen. Der herausnehmbare Aktivator umfasst beide Zahnbögen gleichzeitig und wird so hergestellt, dass er den Unterkiefer verlagert. Lange Zeit glaubten viele Kieferorthopäden, mit einer solchen Zahnspange dass Wachstum des Unterkiefers steuern zu können. Eine bleibende Beeinflussung des Wachstums ist jedoch, wie man heute weiß, kaum in der Größenordnung eines Millimeters möglich. Die Therapieeffekte des Aktivators sind daher letzten Endes nicht von denen festsitzender Zahnspangen zu unterscheiden. Da der Aktivator stark beim Sprechen hindert und deshalb sozial sehr belastend ist, tragen die meisten Patienten diese Zahnspange nicht ausreichend, so dass 30-50% der Behandlungen mit Misserfolg enden. Auch wenn Andresens Hypothesen sich damit als Trugschluss erwiesen haben, ist der Aktivator in Deutschland immer noch eine der beliebtesten Zahnspangen – zumindest bei den Kieferorthopäden, weniger bei ihren jungen Patienten.

In den 50er und 60er Jahren hat jeder deutsche Kieferorthopäde, der etwas auf sich hielt, eine eigene Doppel-Zahnspange unter seinem Namen vorgestellt, die doch nur alle Variationen des Aktivators ohne wirkliche Wirkungsunterschiede waren. Hierzu zählen der Bionator nach Balters, der ein etwas verkleinerter Aktivator ist, der elastisch-offene Aktivator nach Klammt und der Gebissformer nach Bimler (beides skelettierte Aktivatoren mit vielen Drahtelementen) und der U-Bügel-Aktivator nach Karwetzky, ein zweigeteilter, durch einen U-förmigen Draht verbundener Aktivator (die Liste solcher Zahnspangen ließe sich beliebig fortsetzen und ist mehr ein Jahrmarkt persönlicher Eitelkeit als eine Bereicherung der kieferorthopädischen Behandlung). Ein Außenseiter ist in dieser Reihe der Funktionsregler nach Fränkel, der nur noch aus Drähten und Plastikschilden im Mundvorhof besteht. Dieser vereint besondere Lästigkeit mit höchster Ineffizienz, hat unter Kieferorthopäden gleichwohl seine Fans.

Während alle vorgenannten Zahnspangen veraltet sind und Kindern nicht mehr zugemutet werden sollten, ist die große Ausnahme die Kombination des Aktivators mit einem Headgear. Wieder haben verschiedene Autoren ihre eigenen Aktivator-Headgear Kombinationen publiziert (Teuscher-Aktivator, Van Beek-Aktivator, Bass-Apparatur, Hansaplatte usw. usf.) Diese Apparate haben durch den Hochzug-Headgear ein zusätzliches Wirkprinzip und sind so effizient, dass selbst mit nur nächtlichem Tragen fast jeder Rückbiss mit vernünftiger Behandlungszeit korrigiert werden kann.

Ebenso eine auch heute noch vertretbare Doppel-Zahnspange ist der Twinblock, der allerdings den ganzen Tag getragen werden muss, dann aber zu sehr kurzen Behandlungszeiten führt.


Aktivator

Der Aktivator ist die erste international wahrgenommene, “funktionskieferorthopädische” Zahnspange, erstmals publiziert 1935 durch Viggo Andresen. Der herausnehmbare Aktivator ist eine Zahnspange, die beide Zahnbögen gleichzeitig umfasst (Doppelspange). Er wird so hergestellt, dass er den Unterkiefer durch den Einbiss verlagert. Lange Zeit glaubten viele Kieferorthopäden, mit einer solchen Zahnspange die Funktion der Muskeln und damit das Wachstum des Unterkiefers steuern zu können. Eine therapeutische Veränderung der Muskelfunktion durch eine Zahnspange gehört jedoch eher ins Reich der Legenden, und eine bleibende Beeinflussung des Wachstums ist, wie man heute weiß, kaum in der Größenordnung eines Millimeters möglich. Die Therapieeffekte des Aktivators gehen daher letzten Endes nicht über die der festsitzenden Zahnspangen hinaus, aber die Behandlung dauert wesentlich länger und die Ergebnisse sind ohne anschliessende feste Zahnspange meistens nicht vorzeigbar. Da der Aktivator stark beim Sprechen hindert und deshalb sozial sehr belastend ist, tragen die meisten Patienten diese Zahnspange nicht ausreichend, so dass 30-50% der Behandlungen mit Misserfolg enden. Auch wenn Andresens Hypothesen sich damit als Trugschlüsse erwiesen haben, ist der Aktivator in Deutschland immer noch eine der beliebtesten Zahnspangen zumindest bei den Kieferorthopäden, weniger bei ihren jungen Patienten. Diese wehren sich auf ihre Weise gegen das lästige Gerät und tragen den Aktivator nur nachts, womit in der Regel kaum Effekte zu erreichen sind.

Weiterlesen


Aktive Platte

In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts erdachte, später von A.M. Schwarz verbesserte, herausnehmbare Zahnspange für einen Kiefer. Besteht aus einem Plastikkörper, Halteelementen aus Draht und aktiven Elementen wie Federn und Schrauben. Die aktive Platte ist eine grundsätzlich veraltete Zahnspange, da alle Behandlungsaufgaben mit festsitzenden Teilapparaturen besser, schneller und für die Patienten komfortabler ausgeführt werden können. Die Verwendung der aktiven Platte erfordert vom Arzt wenig Wissen und handwerkliches Geschick. Aus diesem Grund und da die Kieferorthopäden unter dem deutschen Honorarsystem mit herausnehmbaren Zahnspangen mehr Gewinn erwirtschaften können als mit festsitzenden, sind die aktiven Platten bei den Behandlern sehr beliebt, während die Begeisterung der kleinen Patienten in der Regel nur etwa 1-2 Monate anhält. Danach wird die Platte in der Regel nur noch in der Hosentasche getragen.


Aktive Platte (Einzelzahnspange)

Von Charles Nord 1929 publizierte, später von A.M. Schwarz verbesserte, herausnehmbare Zahnspange für einen Kiefer. Besteht aus einem Plastikkörper, Halteelementen aus Draht und aktiven Elementen wie Federn und Schrauben. Sie wird wegen der unvermeidlichen Sprachbehinderung fast stets nur nachts getragen, so dass die Zahnbewegungen nicht zuverlässig erzeugt werden und 30-50% der Behandlungen mit Misserfolgen enden. Selbst wenn die aktive Platte wie gefordert 16 Stunden getragen würde, wären körperliche Zahnbewegungen, Verlängerungen und Verkürzung von Zähnen praktisch gar nicht erreichbar, Drehungen von Zähnen nur mit Einschränkungen und auch nur bei Schneidezähnen, nicht dagegen bei Seitenzähnen. All diese Zahnbewegungen sind dagegen mit einer festsitzenden Zahnspange leicht durchzuführen.

Weiterlesen


Angle-Klassifikation

Von E-H. Angle erdachte Klassifikation der kieferorthopädischen Abweichungen nach der Stellung der ersten Molaren: bei Angle-Klasse I besteht eine Neutralokklusion (Normalbiss), bei Angle-Klasse II eine Distalokklusion (Rückbiss), und bei Angle-Klasse III eine Mesialokklusion (Vorbiss) der unteren Molaren. Es handelt sich um eine sehr grobe Klassifikation, die sich trotzdem fast weltweit als Standard durchgesetzt hat.


Ankylose

Das Verwachsen einer Zahnwurzel mit dem Knochen, das in der Wachstumsphase dazu führt, dass der betroffene Zahn das Höhenwachstum des Kiefers nicht mehr mitmacht und langsam im Kiefer zu verschwinden scheint (Infraokklusion). Bei Erwachsenen findet man Ankylosen vor allem bei im Knochen retinierten, funktionslosen Zähnen, die sich dann nicht mehr mit kieferorthopädischen Maßnahmen einordnen lassen, und bei durch Unfall geschädigten Zähnen. Ankylosierte Zähne in richtigen Positionen sind meist unproblematisch und können in der Regel belassen werden, während ankylosierte Zähne in Infraokklusion und Retention oft entfernt werden müssen.


Approximale Schmelzreduktion

Methode zu Verschmälerung von Zähnen durch Entfernung einiger Zehntelmillimeter Zahnschmelz im Zahnzwischenraum. Richtig ausgeführt ist es ein sicheres und unschädliches Verfahren, das zur Platzgewinnung oder zum Ausgleich von unterschiedlichen Zahngrößen (Bolton-Diskrepanzen) angewendet wird. In Deutschland leider eher ein seltenes Verfahren, weil es weder in der gesetzlichen noch in der privaten Krankenversicherung ausreichend abgerechnet werden kann.


Artikulator

Scharniergestell zum Einbau von Kiefermodellen und Simulation der Kieferfunktion. Galt in den vergangenen Hochzeiten der – Gnathologie als unabdingbar zur Funktionsdiagnostik, wofür das Gerät tatsächlich meistens überflüssig ist. Ebenso überflüssig, aber mit Zusatzkosten verbunden, ist der Einsatz von Artikulatoren in der Kieferorthopädie. Wirklich notwendig sind Artikulatoren allerdings zur Herstellung von Zahnersatz im zahntechnischen Labor.


Aufbisschiene

Herausnehmbarer Plastiküberzug meist der oberen Zähne, der zum Trennen der Zahnreihen beim Zubiss dient. Die Okklusionsschienen werden meistens nachts getragen, um zu verhindern, dass der Patient mit den Zähnen knirscht oder presst. Einsatzgebiet sind Kiefergelenks- oder Kaumuskelschmerzen und der Schutz des Abrasionsgebisses. Okklusionsschienen bringen im günstigen Fall eingefahrene Bewegungsmuster durcheinander und führen dadurch zu einem unspezifischen Entspannungseffekt. Es sind unzählige verschiedene Formen von Okklusionsschienen entwickelt worden, die jedoch grundsätzlich alle gleich wirken. Aus diesem Grund sollten stets einfache, kostengünstige und langfristig sicher zu tragende Designs bevorzugt werden. Dies erfüllt weitgehend die sogenannte Michigan-Schiene.


Aufbissplatte

Kleine, herausnehmbare Zahnspange, bestehend aus einem kleinen Plastikkörper und einigen Drahthalteelementen. Wird hinter die oberen Schneidezähne geklipst, um einen tiefen Einbiss der unteren Schneidezähne zu verbessern oder den Biss der Seitenzähne aufzuheben. Wenn sie getragen wird, können deutliche Wirkungen entstehen, wie bei fast allen herausnehmbaren Zahnspangen ist wegen der Sprachbehinderung jedoch in der Regel nur für wenige Wochen mit Mitarbeit zu rechnen.


Band

In der Kieferorthopädie ein dünner Metallring, der auf Zähne zementiert wird, um kieferorthopädische Drähte oder Hilfsteile wie Gaumenbügel, Lingualbügel oder Headgears aufzunehmen. In historischen Zeiten war das bebändern von Zähnen die einzige Möglichkeit, um mit festsitzenden Zahnspangen zu arbeiten. Das Setzen von Bändern ist jedoch aufwändig, oft schmerzhaft und die Bänder sind im sichtbaren Bereich extrem unästhetisch. Aus diesen Gründen sind Bänder weitgehend durch die geklebten Brackets verdrängt worden.


Bass-Apparatur

Eine Art Aktivator-Headgear Kombination. Ein sehr effektives Gerät, das sogar bei nur nächtlichem Tragen meist zu erfolgreichen Behandlungen von Rückbissen des Unterkiefers eingesetzt wird. Welche Aktivator-Headgear Kombination von einem Kieferorthopäden bevorzugt wird, ist letzten Endes ziemlich unerheblich, da das entscheidende Wirkprinzip ohnehin der Hochzug ist.


Begg-Technik

Festsitzende Zahnspange, die um 1960 in Australien von P.R. Begg erdacht wurde. Hatte einige Beliebtheit, ist aber inzwischen fast vollkommen verschwunden. Man möchte beinahe sagen: zu Recht, denn die Technik ist mit vielen zusätzlichen Drahtelementen und anderen mechanischen Nachteilen verbunden. Der Geist der Begg-Technik lebt weiter in ihrem Nachfolger, der – Tip-Edge Technik, die eine bescheidene Randexistenz in der kieferorthopädischen Welt fristet. Mit beiden Techniken, auch der uralten Begg-Technik (stone age man’s appliance), können geschickte Behandler zweifellos gute Ergebnisse erzielen. Eine besondere Bereicherung stellen beide gleichwohl nicht dar, da es einfachere und zuverlässigere Techniken gibt.


Bionator

Der Bionator nach Balters, entwickelt in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts, ist nichts weiter als ein etwas verkleinerter – Aktivator, also eine herausnehmbare Zahnspange, die beide Kiefer umfasst und zur Bissverschiebung diesen soll. Er hat genau das selbe Wirkungsspektrum wie der Aktivator, ist also eine wenig effiziente Apparatur. Der Bionator ist ausschließlich an den Zähnen verankert, so dass er besonders starke dentale Wirkung hat, dafür ist um so weniger skelettale Wirkung zu erwarten.

Balters war ein mit dem Älterwerden zunehmend mystisierender Autor, der beeindruckende, “ganzheitliche” Theorien für seinen Bionator lieferte, für diese aber keine wissenschaftlichen Belege vorlegte. Balters Hypothesen über die Wirkungsweise des Bionators als ,,Strömungs- und Schwingungswandler”, Lymphstromregulator usw. gehören ins Reich der Legende. Genau diese Legenden- und Sagenwelt, die den Bionator umrankt, ist die Grundlage für seine Beliebtheit in alternativ geprägten, meist akademisch gebildeten Kreisen. Die Vorliebe der Eltern für schlecht begründete kieferorthopädische Behandlungsverfahren bezahlen die betroffenen kleinen Patienten mit überlanger Behandlungszeit, hoher sozialer Beeinträchtigung und 30-50% Misserfolgen.


Bionator

Der Bionator nach Wilhelm Balters, entwickelt in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts, wurde im Jahr 1964 erstmals publiziert. Er ist nichts weiter als ein etwas verkleinerter Aktivator, also eine herausnehmbare Zahnspange, die beide Kiefer umfasst (Doppelspange) und zur Bissverschiebung diesen soll. Er hat genau das selbe Wirkungsspektrum wie der Aktivator, ist also eine wenig effiziente Apparatur. Er ähnelt dem Aktivator so stark, dass eigentlich nicht einmal von einer eigenständigen Zahnspange gesprochen werden kann. Der Bionator ist ausschließlich an den Zähnen verankert, so dass er besonders starke dentale Wirkung hat, also einfach die Zähne durch den Knochen kippt. Aus diesem Grund ist vom Bionator auch um so weniger skelettale Wirkung, also Beeinflussung des Wachstums zu erwarten. An dieser leicht verkleinerten Aktivatorversion hängt wegen ihres Namens (Bionator kann am Besten mit “Lebenserwecker” übersetzt werden) der Glaube, allerlei besondere Wunderwirkungen zu haben, für die selbstverständlich niemals in klinischen Studien Beweise gefunden wurde.

Weiterlesen


Bolton-Diskrepanz

Von W. Bolton 1958 beschriebener, häufig vorkommender Größenunterschied der Zähne von Ober- und Unterkiefer. Ab einem gewissen Ausmaß von Bolton-Diskrepanz ist eine Einstellung der Zähne in den Normalbiss nicht mehr möglich. In solchen Fällen ist eine – approximale Schmelzreduktion (Verschmälerung) der zu groß geratenen oder eine Verbreiterung der zu klein geratenen Zähne das Mittel der Wahl. Bolton-Diskrepanzen werden in Deutschland in der Regel unbehandelt gelassen, weil die Schmelzreduktion nicht abgerechnet werden kann und die meisten Kieferorthopäden meistens kein Interesse daran haben, mit einer schwierigen Präzisionsbehandlung einem Zahnarzt zuzuarbeiten, der anschließend Veneers oder Eckenaufbauten machen kann.


Bracket

Auf die Zähne aufklebbares, kleines Schloss, mit dem die Kraft kieferorthopädischer Drähte auf die Zähne übertragen wird. Brackets sind das universelle Arbeitsmittel in der festsitzenden Kieferorthopädie. Geklebte Brackets werden in der Kieferorthopädie seit 1970 verwendet und haben seitdem die vorher verwendeten – Bänder weitgehend verdrängt. Die ständig weiter entwickelten Brackets nehmen dem Behandler heute viel Arbeit ab z.B. durch Verwendung von speziellen Brackets für jeden einzelnen Zahn (Programmierung, Straight-Wire Technik) und auch durch Selbstligierung, wodurch die aufwändige Fixierung der kieferorthopädischen Drähte mit Elastik- oder Drahtligaturen entfällt. Trotzdem ist ein gewisses handwerkliches Geschick Voraussetzung, um mit Brackets erfolgreich arbeiten zu können.


Ceph

Abgekürzte Bezeichnung von Cephalogramm, dem seitlichen Röntgenbild des Schädels. Auf deutsch meistens unglücklicherweise als Fernröntgenbild seitlich (FRS) bezeichnet, was international unverständlich ist. Das Ceph war enorm wichtig, um das Schädel- und Gesichtswachstum und die Behandlungseffekte kieferorthopädischer Apparate zu studieren. Aus dem letzten Grund spielt es auch in der Ausbildung von Kieferorthopäden eine große Rolle, denn mit dem Ceph können angehende Kieferorthopäden detailliert die Wirkung ihrer Behandlungen überprüfen. Für den erfahrenen Kieferorthopäden ist das Ceph allerdings in den meisten Fällen bedeutungslos und sollte daher schon aus Gründen des Strahlenschutzes weggelassen werden. Leider ist es wider alle Vernunft vielerorts noch üblich, für jede Behandlung auch einfachster Art mindestens ein Ceph anzufertigen. Das Sammeln zahlloser Daten ist jedoch nicht mit Sorgfalt zu verwechseln: wirklich interessant sind nur solche Daten, die die therapeutischen Entscheidungen beeinflussen. Das ist für das Ceph jedoch in der Regel nicht der Fall, wie in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen werden konnte.


CMD

Abkürzung von craniomandibuläre Dysfunktion, ein zusammenfassender Begriff für meist schmerzhafte Erkrankungen der Kaumuskeln und der Kiefergelenke. Es handelt sich bei etwa 75% um Muskelschmerzen und nur 25% Kiefergelenksschmerzen. CMD gehören wie die häufigeren Nacken-, Schulter und Rückenschmerzen in die Gruppe der muskuloskelettalen Schmerzen. Betroffen sind überwiegend Frauen im fruchtbaren Alter bis zur Menopause, weniger Männer. Auftreten bei Kindern selten, in der Pubertät und Adoleszenz zunehmend bis zu einem Altersgipfel mit etwa 40 Jahren, danach abnehmend. Neben Alter und Geschlecht sind vor allem zahlreiche psychische Faktoren als risikoerhöhend für CMD erkannt worden (Angst, Depression, posttraumatische Belastungsstörung u.a.) Zu einem gegebenen Zeitpunkt kann man bei 3-10% der Bevölkerung Symptome einer CMD feststellen, die jedoch meistens nicht behandlungsbedürftig sind. Der Behandlungsbedarf richtet sich ausschließlich nach der persönlichen Einschätzung der Betroffenen.

Symptome: Im Vordergrund stehen Schmerzen im Bereich der Wangen, Schläfen und des Gesichts. Muskelschmerzen äußern sich eher dumpf und schlecht lokalisierbar, während Kiefergelenksschmerzen in der Regel einen hellen, stechenden Charakter haben und gut lokalisierbar vor dem (oder im) Ohr empfunden werden. Zweitwichtigstes Symptom können Einschränkungen der Beweglichkeit des Unterkiefers sein. Früher oft überschätzt wurden die Gelenkgeräusche (Knacken, Reiben), die für sich genommen eher diagnostische Zeichen als eine eigene Erkrankung darstellen und kein Anlass für diagnostische oder therapeutische Bemühungen sein sollten.

Diagnostik: wichtigster Teil der Diagnostik ist die Erhebung einer ausführlichen, schmerzbezogenen Krankengeschichte, gefolgt von einer kurzen klinischen Untersuchung und einem Panoramaröntgenbild. Bei Hinweisen auf psychische Belastungsfaktoren sollte immer eine orientierende Untersuchung mit geeigneten psychometrischen Fragebögen erfolgen. – Artikulatormontage, Computerdiagnostik und – Magnetresonanztomogramme sind in der Regel überflüssig, teuer und für den Patienten belastend und beunruhigend.

Therapie: CMD verschwinden bei den meisten Betroffenen auch ohne Therapie. Aus diesem Grund sollte die Therapie nur dazu dienen, den Patienten über den Berg zu helfen. Für fast alle therapeutischen Ansätze können Erfolge verzeichnet werden: um so mehr man anstellt, um so mehr Effekt kann verzeichnet werden. Die Therapie sollte daher nicht-invasiv, reversibel und möglichst einfacher und kostengünstiger Art sein. Diesen Ansprüchen genügen Aufklärung, Anleitung zur Selbsthilfe (Massage, Wärmeanwendung, spezifische und unspezifische Entspannungsverfahren), Physiotherapie, Aufbisschiene und geeignete Medikamente. Eine psychologische Schmerztherapie kann hinzukommen und hat sich als ebenso leistungsfähig oder besser erwiesen als mancher andere Therapieansatz. Grundsätzlich sind bei CMD größere Eingriffe an den Zähnen wie Erneuerung von Zahnersatz oder kieferorthopädische Behandlung keine geeigneten Therapieverfahren, sondern belasten die Patienten nur mit hohen Kosten und Risiken.

Prognose: CMD sind eine gutartige und selbstbegrenzende Erkrankung, die in der Regel ohne Therapie verschwindet. Betroffene sollten nicht beunruhigt sein und optimistisch auf die Selbstheilung vertrauen. In den seltenen Fällen von Chronifizierung sollte ein Schmerztherapeut oder ein mit Schmerztherapie vertrauter Arzt/Zahnarzt hinzugezogen werden.


Craniomandibulaere Dysfunktion

Abkürzung von craniomandibuläre Dysfunktion, ein zusammenfassender Begriff für meist schmerzhafte Erkrankungen der Kaumuskeln und der Kiefergelenke. Es handelt sich bei etwa 75% um Muskelschmerzen und nur 25% Kiefergelenksschmerzen. CMD gehören wie die häufigeren Nacken-, Schulter und Rückenschmerzen in die Gruppe der muskuloskelettalen Schmerzen. Betroffen sind überwiegend Frauen im fruchtbaren Alter bis zur Menopause, weniger Männer. Auftreten bei Kindern selten, in der Pubertät und Adoleszenz zunehmend bis zu einem Altersgipfel mit etwa 40 Jahren, danach abnehmend. Neben Alter und Geschlecht sind vor allem zahlreiche psychische Faktoren als risikoerhöhend für CMD erkannt worden (Angst, Depression, posttraumatische Belastungsstörung u.a.) Zu einem gegebenen Zeitpunkt kann man bei 3-10% der Bevölkerung Symptome einer CMD feststellen, die jedoch meistens nicht behandlungsbedürftig sind. Der Behandlungsbedarf richtet sich ausschließlich nach der persönlichen Einschätzung der Betroffenen.

Symptome: Im Vordergrund stehen Schmerzen im Bereich der Wangen, Schläfen und des Gesichts. Muskelschmerzen äußern sich eher dumpf und schlecht lokalisierbar, während Kiefergelenksschmerzen in der Regel einen hellen, stechenden Charakter haben und gut lokalisierbar vor dem (oder im) Ohr empfunden werden. Zweitwichtigstes Symptom können Einschränkungen der Beweglichkeit des Unterkiefers sein. Früher oft überschätzt wurden die Gelenkgeräusche (Knacken, Reiben), die für sich genommen eher diagnostische Zeichen als eine eigene Erkrankung darstellen und kein Anlass für diagnostische oder therapeutische Bemühungen sein sollten.

Diagnostik: wichtigster Teil der Diagnostik ist die Erhebung einer ausführlichen, schmerzbezogenen Krankengeschichte, gefolgt von einer kurzen klinischen Untersuchung und einem Panoramaröntgenbild. Bei Hinweisen auf psychische Belastungsfaktoren sollte immer eine orientierende Untersuchung mit geeigneten psychometrischen Fragebögen erfolgen. – Artikulatormontage, Computerdiagnostik und – Magnetresonanztomogramme sind in der Regel überflüssig, teuer und für den Patienten belastend und beunruhigend.

Therapie: CMD verschwinden bei den meisten Betroffenen auch ohne Therapie. Aus diesem Grund sollte die Therapie nur dazu dienen, den Patienten über den Berg zu helfen. Für fast alle therapeutischen Ansätze können Erfolge verzeichnet werden: um so mehr man anstellt, um so mehr Effekt kann verzeichnet werden. Die Therapie sollte daher nicht-invasiv, reversibel und möglichst einfacher und kostengünstiger Art sein. Diesen Ansprüchen genügen Aufklärung, Anleitung zur Selbsthilfe (Massage, Wärmeanwendung, spezifische und unspezifische Entspannungsverfahren), Physiotherapie, Aufbisschiene und geeignete Medikamente. Eine psychologische Schmerztherapie kann hinzukommen und hat sich als ebenso leistungsfähig oder besser erwiesen als mancher andere Therapieansatz. Grundsätzlich sind bei CMD größere Eingriffe an den Zähnen wie Erneuerung von Zahnersatz oder kieferorthopädische Behandlung keine geeigneten Therapieverfahren, sondern belasten die Patienten nur mit hohen Kosten und Risiken.

Prognose: CMD sind eine gutartige und selbstbegrenzende Erkrankung, die in der Regel ohne Therapie verschwindet. Betroffene sollten nicht beunruhigt sein und optimistisch auf die Selbstheilung vertrauen. In den seltenen Fällen von Chronifizierung sollte ein Schmerztherapeut oder ein mit Schmerztherapie vertrauter Arzt/Zahnarzt hinzugezogen werden.


Crozat

von G. Crozat um 1900 entwickelte, ausschließlich aus gelöteten Drahtelementen bestehende, herausnehmbare Zahnspange. Die Drahtteile befinden sich vor allem auf der Innenseite der Zähne. Da das Crozat-Gerät keine voluminösen Plastikteile hat, behindert es die Sprache nicht so stark wie die aktive Platte und wird deshalb auch Erwachsenen angeboten. Wie alle herausnehmbaren Geräte kann das Crozat-Gerät nur einfache, kippende Zahnbewegungen bewirken, während körperliche Zahnbewegungen, Rotationen von Eckzähnen und Backenzähnen sowie Zahnverlängerungen und Verkürzungen unmöglich sind. Aus diesem Grund ist Crozat nur für einfache Behandlungsaufgaben einzusetzen. Da die Ergebnisse in der Regel eher bescheiden sind, ist Crozat in der Regel nur bei Patienten mit geringen Ansprüchen an das Endergebnis sinnvoll. Durch das Auftauchen des – Invisalign-Verfahrens ist das Crozat-Gerät endgültig als obsolet einzustufen.


Damon Bracket

Ein selbstligierendes Bracket der Firma Ormco. Dieser Hersteller hat das Bracket mit einem bisher unbekannten Werbeaufwand und zahlreichen, wunderbaren Verheißungen in den Markt gedrückt. Kurz zusammengefasst soll es mit dem Damon Bracket nicht mehr notwendig sein, bei starkem Platzmangel bleibende Zähne zu opfern, sondern es könnten all diese Probleme durch Expansion der Zahnbögen gelöst werden. Die Behandlungen gingen deutlich schneller als mit anderen Brackets und seien weniger schmerzhaft, und es müssten dank Damon weder – Gaumennahterweiterungen noch – Headgears eingesetzt werden. Keine einzige dieser Behauptungen ist bis jetzt wissenschaftlich belegt worden, doch werden sie gleichwohl von bekennenden Damon-Jüngern immer wieder vorgetragen. In den letzten zwei Jahren ist darüber hinaus durch mehrere Studien nachgewiesen worden, dass die Behandlungen mit diesen Brackets weder schneller gehen noch weniger schmerzhaft sind, jedoch werden diese Ergebnisse von der Gemeinde der Anhänger nicht zur Kenntnis genommen. Um den Hype um das Produkt weiter zu steigern, wurde in Deutschland sogar eine eigene ,,wissenschaftliche”Damon-Gesellschaft gegründet, auf deren weitere Zukunft man gespannt sein darf.


Deckbiss

Veraltete, nur in Deutschland übliche Bezeichnung für die ausgeprägte – Angle-Klasse II/2. Gekennzeichnet durch Rückbiss des Unterkiefers, großen Oberkiefer, steil nach innen gekippte obere Frontzähne und einen tiefen Überbiss der Schneidezähne.


Delaire-Maske

Von J. Delaire und H. Petit in Frankreich entwickeltes, extraorales Gerät zur Behandlung der – Progenie (Unterkiefer-Vorbiss) bei Kindern und – eingeschränkt – Jugendlichen. Besteht aus zwei auf der Stirn und dem Kinn aufliegenden Pelotten, die durch kräftige Drähte verbunden sind. Von diesen werden starke Elastikzüge auf eine im oberen Zahnbogen fest eingesetzte Verankerungsapparatur gehängt, die den Oberkiefer und die oberen Zähne nach vorne bewegen. Gleichzeitig wird das Wachstum des Unterkiefers etwas gehemmt. Das Gerät sieht gewöhnungsbedürftig aus, wird aber nur zu Hause getragen und von Kindern meist recht gut akzeptiert. Es ist das effektivste Behandlungsmittel bei der Progenie und hat keine echten Alternativen.


Distraktionsosteogenese

Das langsame Auseinanderbewegen von vorher getrennten Teilen des Knochens mit sogenannten Distraktoren, bei dem in der entstehenden Spalte die beschleunigte Bildung von neuem Knochen angeregt wird. Ursprünglich von Ilizarov zur Verlängerung von Röhrenknochen der Extremitäten entwickelt, wird die Distraktionsosteogenese heute auch erfolgreich in der Kieferchirurgie eingesetzt. Einsatzgebiete reichen von der Verschiebung kleiner, zahntragender Kieferteile bis zur Verlagerung kompletter Kiefer. Hier konkurriert die Distraktionsosteogenese mit den klassischen Kieferverlagerungen der Dysgnathiechirurgie.


Dysgnathiechirurgie

Ein Teil der Kieferchirurgie, der sich mit der chirurgischen Verlagerung ganzer Kiefer oder Kieferteile bei ausgeprägten Abweichungen der Kieferstellung befasst. Der häufigste Eingriff ist die Verlagerung des Unterkiefers nach vorne, hinten oder zur Seite, die heute meistens als bisagittale Splitosteotomie durchgeführt wird (BSSO). Bei der BSSO wird der Unterkiefer beidseits im aufsteigenden Ast durchtrennt, worauf das zahntragende Mittelteil verlagert werden kann. Die drei Fragmente werden dann mit chirurgischen Schrauben oder Platten wieder fixiert. In der Nachsorge werden die Kiefer oft mit Drähten oder starken Elastics zueinander fixiert. Während einige Kieferchirurgen dies überhaupt nicht mehr machen, kann die Zeit der sogenannten Verschnürung bei anderen von einer bis zwei Wochen andauern. Neben allen allgemeinen Operationsrisiken hat die BSSO zwei spezielle Risiken: die Schädigung des Unterkiefernerven (dritter Ast des N. trigeminus) und die Schädigung des Kiefergelenks. Der Unterkiefernerv innerviert die Zähne, die Unterlippe und einen Teil des Kinns, nicht aber die Muskulatur, die durch den Gesichtsnerven versorgt wird und nie geschädigt wird. Kommt es zu einer Schädigung, äußert sich das meist durch verringertes Gefühl oder Taubheit der Unterlippe, meist einseitig. Diese Erscheinung bildet sich im ersten Jahr nach der Operation meistens zurück. Geringfügige Beeinträchtigungen sind vielleicht bei einem Viertel der Patienten zu verzeichnen, während schwere Beeinträchtigungen sehr selten sind. Am Kiefergelenk kommt es anschließend nicht selten zu leicht eingeschränkter Beweglichkeit, gelegentlich auch zu Schmerzen und Knacken. Der zweithäufigste Eingriff ist die LeFort-I-Osteotomie im Oberkiefer. Dabei wird der Oberkiefer in Höhe des Nasenbodens vorsichtig vom Schädel gelöst. Verbunden bleibt der Oberkiefer nur über das Weichgewebe des Gaumens, durch das auch die Nervenbahnen und die Blutversorgung ziehen. Nach Ablösung kann der Oberkiefer prinzipiell in alle Raumrichtungen versetzt oder gedreht werden, um danach gleich wieder mit chirurgischen Platten fixiert zu werden. Anders als bei der BSSO im Unterkiefer bestehen hier keine speziellen Risiken. BSSO und LeFort-I-Osteotomie werden auch häufig auf einmal durchgeführt, weil damit oft bessere Ergebnisse zu erreichen sind als mit den Eingriffen in nur einem Kiefer. Beide Eingriffe sind seit ihrer Einführung ständig verbessert worden und inzwischen seit Jahrzehnten Routine. Wichtig für die Abwägung von Risiken, Belastungen und möglichem Nutzen ist, dass es sich in aller Regel um Wahleingriffe handelt, für die keine zwingende Indikation vorliegt. Patienten sollten also stets gut aufgeklärt selbst ihre persönliche Entscheidung treffen, ob sie einen dysgnathiechierugischen Eingriff wünschen.


Feste Spange

Die festsitzende Zahnspange, bestehend aus aufgeklebten – Brackets und gelegentlich auch zementierten – Bändern. Die MB-Apparatur ist das kieferorthopädische Gerät per se, mit dem sich die meisten kieferorthopädischen Behandlungen in minimaler Zeit, mit minimaler Belastung der Patienten und mit den besten Ergebnissen lösen lassen. Vorurteile gegen die MB-Apparatur bestehen vor allem in Deutschland aus der dunklen Zeit der – Funktionskieferorthopädie, als man glaubte, dass herausnehmbare Geräte “irgendwie” gesünder, ganzheitlicher oder menschenfreundlicher wären. Die MB-Apparatur gibt es seit etwa 1900, und sie ist stetig weiterentwickelt worden. Moderne MB-Apparaturen sind komfortabler, hygienischer und in ihrer Wirkungsweise sanfter als die frühen Apparaturen. Trotzdem können bei schlechter Zahnpflege Entkalkungen des Zahnschmelzes und unvermeidlich gelegentlich auch – Wurzelresorptionen durch die Behandlung entstehen. Die letzten Entwicklungen sind die Einführung des vollprogrammierten Brackets, das dem Behandler viel Handarbeit erspart, und die Entwicklung der sogenannten selbstligierenden Brackets (- Speed, – Damon, In-Ovation etc.) Sicher ist, dass diese Brackets die Zeit erheblich verkürzen, die der Patient auf dem Zahnarztstuhl verbringen muss. Darüber hinaus gehende Effekte wie Beschleunigung der Behandlungen und weniger Schmerzen konnten bisher in Studien nicht bestätigt werden, sind aber stets beliebte Verkaufsargumente für selbstligierende Brackets.


FRS

Abgekürzte Bezeichnung von Cephalogramm, dem seitlichen Röntgenbild des Schädels. Auf deutsch meistens unglücklicherweise als Fernröntgenbild seitlich (FRS) bezeichnet, was international unverständlich ist. Das Ceph war enorm wichtig, um das Schädel- und Gesichtswachstum und die Behandlungseffekte kieferorthopädischer Apparate zu studieren. Aus dem letzten Grund spielt es auch in der Ausbildung von Kieferorthopäden eine große Rolle, denn mit dem Ceph können angehende Kieferorthopäden detailliert die Wirkung ihrer Behandlungen überprüfen. Für den erfahrenen Kieferorthopäden ist das Ceph allerdings in den meisten Fällen bedeutungslos und sollte daher schon aus Gründen des Strahlenschutzes weggelassen werden. Leider ist es wider alle Vernunft vielerorts noch üblich, für jede Behandlung auch einfachster Art mindestens ein Ceph anzufertigen. Das Sammeln zahlloser Daten ist jedoch nicht mit Sorgfalt zu verwechseln: wirklich interessant sind nur solche Daten, die die therapeutischen Entscheidungen beeinflussen. Das ist für das Ceph jedoch in der Regel nicht der Fall, wie in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen werden konnte.


Funktionskieferorthopaedie

Ursprünglich die von V. Andresen 1935 publizierte Behandlung mit dem Aktivator, die später um eine unüberschaubare Zahl von Aktivator-Klonen (- Bionator, -Gebissformer, – Kinetor, – Funktionsregler etc.) erweitert wurde. Grundprinzip ist, dass eine beide Kiefer umfassende, herausnehmbare Doppelspange eingesetzt wird, mit der der Unterkiefer verschoben wird, in der Regel nach vorn zur Behandlung des Rückbisses (Distalokklusion, Angle-Klasse II). Andresen glaubte, ein fundamental neues, “biologisches” Wirkprinzip gefunden zu haben. Anders als bei den bis dahin üblichen Zahnspangen, die stets mechanische Wirkprinzipien hatten, sollte bei der Funktionskieferorthopädie der Einsatz von körpereigenen Kräften zu einer Art ganzheitlicher Gesundung führen. Darüber hinaus glaubte er wie seine Nachfolger, dass mit Funktionskieferorthopädie das Wachstum des Untergesichts, besonders des Unterkiefers beeinflusst werden könne. Im nationalsozialistischen Deutschland fielen Andresens Hypothesen auf fruchtbaren Boden, weil sie gut in die Bemühungen des Staates passten, eine “Neue Deutsche Heilkunde” der wissenschaftlichen Medizin gegenüberzustellen. In der Sprache dieser Zeit forderte Andresen, die althergebrachte “Orthodontie” auszurotten und durch die Funktionskieferorthopädie zu ersetzen. Die Funktionskieferorthopädie dominierte daraufhin für fast 50 Jahre die Kieferorthopädie in Deutschland und einigen europäischen Nachbarländern und führte zu einer vollkommenen Spaltung mit der Kieferorthopädie z.B. in den USA. Leider hat sich inzwischen gezeigt, dass Andresens Hypothesen durch die Bank falsch sind: der Aktivator wirkt über eine mechanische Verblockung der Zahnreihen auf Kiefergelenke und Zähne ein. Beiden Strukturen ist gemeinsam, dass sie nicht unterscheiden können, ob diese Einwirkung von einer Maschine aus Metall oder einem Plastikklotz erzeugt wird. Ein besonders, neues Prinzip ist die Funktionskieferorthopädie also keineswegs. Noch enttäuschender ist, dass die Beeinflussung des Unterkieferwachstums mit Aktivatoren und ähnlichen Geräten nur temporär möglich ist, die Effekte auf lange Sicht aber wieder verschwinden. Das ist ein äußerst bedeutender Befund, denn die Idee der Wachstumsbeeinflussung war überhaupt der Anlass, den älteren Begriff “Orthodontie” durch den jüngeren Begriff “Kieferorthopädie” ersetzen. Inzwischen wissen wir, dass der Begriff Kieferorthopädie, der mit der Funktionskieferorthopädie eingeführt wurde, irreführend und falsch ist. Er sollte wieder durch den korrekten Begriff Orthodontie ersetzt werden.


Funktionsregler

Unter den zahllosen herausnehmbaren Zahnspangen, die mit dem Wirkprinzip des – Aktivators arbeiten, ist der Funktionsregler eine Besonderheit, weil er nur aus Plastikschilden im Mundvorhof und Drahtelementen besteht. Die erste Publikation erfolgte im Jahr 1962. Der allgemein hoch respektierte und äußerst redliche Erfinder Rolf Fränkel ist der einzige unter den großen alten Männern der deutschen Kieferorthopädie, der sich die Mühe gemacht hat, Englisch zu lernen und mit seinen Studien regelmäßig auf europäischen und amerikanischen Kongressen aufzutreten. Dies ist um so höher zu bewerten, als dass Fränkel in der damaligen DDR residierte, keinen Universitätsposten hatte und von den dortigen Machthabern nicht gerade Unterstützung erfuhr.

Weiterlesen


Funktionsregler nach Fraenkel

Unter den zahllosen herausnehmbaren Zahnspangen, die mit dem Wirkprinzip des – Aktivators arbeiten, ist der Funktionsregler eine Besonderheit, weil er nur aus Plastikschilden im Mundvorhof und Drahtelementen besteht. Der allgemein hoch respektierte und äußerst redliche Erfinder R. Fränkel ist der einzige unter den großen alten Männern der deutschen Kieferorthopädie, der sich die Mühe gemacht hat, Englisch zu lernen und mit seinen Studien regelmäßig auf europäischen und amerikanischen Kongressen aufzutreten. Dies ist um so höher zu bewerten, als dass Fränkel in der damaligen DDR residierte und von den dortigen Machthabern nicht gerade Unterstützung erfuhr. Die auffallend guten Ergebnisse seiner Studien erklären sich jedoch durch die bewusste Auswahl besonders guter Fälle, wie es bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts in der Kieferorthopädie durchaus üblich war. Aus diesem Grund konnten diese Ergebnisse bei zahlreichen späteren Studien anderer Autoren auch nicht reproduziert werden. Insgesamt kann vom Funktionsregler nichts anderes gesagt werden als vom Aktivator: es ist ein hochgradig beeinträchtigendes, schwach effektives Gerät. Behandlungen mit dem Funktionsregler dauern ein Vielfaches üblicher kieferorthopädischer Behandlungszeiten, ohne dass ein besonderer Mehrnutzen nachgewiesen werden kann. Der Funktionsregler muss daher als veraltet bezeichnet werden und sollte heute keinem Kind mehr zugemutet werden.


Gaumenbuegel

Auch Transpalatal Arch (TPA), ein die 1. Molaren im Oberkiefer über den Gaumen verbindendes Drahtelement. Der Gaumenbügel wird meistens aus 0,9mm starkem Stahldraht gefertigt und an speziellen Schlössern befestigt, die auf Bänder geschweißt sind. Mit dem Gaumenbügel können die 1. Molaren rotiert, gekippt, körperlich nach außen und in beschränktem Umfang auch nach hinten oder vorn bewegt werden. Der Gaumenbügel ist ein sehr effizientes Gerät, das seine Aufgaben erfüllt, ohne Ansprüche an die Mitarbeit zu stellen oder das tägliche Leben besonders zu beeinträchtigen.


Gaumennahterweiterung

Festsitzende Apparatur zur skelettalen Verbreiterung des Oberkiefers, Erstpublikation 1877 durch Angell in den USA. Der Autor wurde jedoch nicht ernst genommen, die Möglichkeit der Gaumennahterweiterung (GNE) wurde bestritten und das Verfahren erst einmal für Jahrzehnte vergessen. Nach 1945 durch Haas, Timms, Derichsweiler wieder entdeckt, hat sich die GNE inzwischen im Fach ihren unersetzlichen Platz gesichert. Der Apparat wird meistens an Bändern an den 1. Molaren und den 1. Prämolaren befestigt, seit neuestem auch an alle Seitenzähnen umfassenden Plastikschienen. Die sehr steife Apparatur ist mit einer Dehnschraube in der Mitte versehen, mit der die beiden Hälften des Oberkiefers in zwei bis acht Wochen bis zu 10 Millimeter auseinandergedrückt werden können. In der Mitte bildet sich dann zuverlässig neuer Knochen, so dass die GNE vielleicht das einzige wirklich orthopädische Gerät in der Kieferorthopädie ist. Der Einsatz der GNE ist sehr oft sinnvoll, weil viele Patienten in der Kieferorthopädie einen zu schmalen Oberkiefer aufweisen. Die mit der GNE erzielte Verbreiterung ist skelettal, also durch neu gebildeten Knochen bewirkt, während die mit herausnehmbaren Zahnspangen erzielte Wirkung meist nur eine Außenkippung der Seitenzähne ist, die nicht stabil bleiben kann. Die GNE hat viele gesundheitliche Nebeneffekte, die alle auf der Verbesserung der Nasenatmung beruhen: weniger Erkältung/Kieferhöhlenprobleme, Verbesserung der Belüftung des Innenohrs über die Eustachische Röhre mit Besserung von Ohrsymptomen, Verbesserung der Schlafqualität, Verbesserung des Bettnässens. Es gibt keine andere kieferorthopädische Apparatur mit einer derartig “ganzheitlichen” Wirkung und keine zweite, die ein derartig gutes Verhältnis von Aufwand und Nutzen hat.


Gesichtsmaske

Von J. Delaire und H. Petit in Frankreich entwickeltes, extraorales Gerät zur Behandlung der – Progenie (Unterkiefer-Vorbiss) bei Kindern und – eingeschränkt – Jugendlichen. Besteht aus zwei auf der Stirn und dem Kinn aufliegenden Pelotten, die durch kräftige Drähte verbunden sind. Von diesen werden starke Elastikzüge auf eine im oberen Zahnbogen fest eingesetzte Verankerungsapparatur gehängt, die den Oberkiefer und die oberen Zähne nach vorne bewegen. Gleichzeitig wird das Wachstum des Unterkiefers etwas gehemmt. Das Gerät sieht gewöhnungsbedürftig aus, wird aber nur zu Hause getragen und von Kindern meist recht gut akzeptiert. Es ist das effektivste Behandlungsmittel bei der Progenie und hat keine echten Alternativen.


Gnathologie

In der Wortbedeutung Lehre vom Kiefer, Teil der Zahnmedizin, der sich mit der Funktion und Dysfunktion des stomatognathen Systems befasst, also mit Zähnen, Parodontium, Kiefern, Kaumuskulatur und Kiefergelenken. So gesehen ist die gesamte Zahnmedizin Gnathologie. Historisch steht Gnathologie jedoch auch für eine Welle stark technisch und mechanistisch ausgerichteter Zahnmedizin, die viele unsinnige, aufwändige und teure Konzepte in die Zahnmedizin gebracht hat. Dieser Spuk begann etwa um 1960 in den USA, verbreitete sich weltweit und erreichte seinen Höhepunkt im Lauf der 70er Jahre. Seitdem ist die Euphorie um diesen schillernden Begriff jedoch stark abgeebbt. Auch heute noch behaupten einige Zahnärzte von sich, Gnathologen zu sein, wobei oft nicht recht klar ist, was damit eigentlich gemeint sein soll. Hier sollte genau nachgefragt werden.


Headgear

An den Zähnen verankerter, herausnehmbarer Außenbogen, der mit einem Nackenzug oder einer Kopfkappe verbunden wird, um Kraft auf den Oberkiefer und die oberen Zähne zu übertragen. Der Headgear zieht die oberen Zähne nach hinten und schafft damit einerseits Platz im Kiefer für eng stehende Frontzähne, andererseits wird damit gleichzeitig eine Wachstumshemmung des Oberkiefers erreicht, was bei der – Distalokklusion (Rückbiss, Angle-Klasse II) erwünscht ist. Es ist ein ebenso altes wie wirksames Gerät, wenn es denn getragen wird. Leider ist es bei Patienten nicht unbedingt beliebt und teilt damit einige Schwächen herausnehmbarer Geräte: Abhängigkeit von der Mitarbeit, Nichteinhalten der Tragezeit und darauf folgende Misserfolge.


Herbst-Scharnier

Von E. Herbst 1934 publiziertes, festsitzendes Gerät zur Bissverschiebung bei der – Distalokklusion (Rückbiss, Angle-Klasse II), bestehend aus Metallverankerungen in beiden Zahnbögen, die durch stabile Teleskope verbunden sind. Das Herbst-Scharnier wurde nach der Erstpublikation für Jahrzehnte vergessen und erst in den 1970er Jahren durch H. Pancherz wiederentdeckt. Durch seine Studien, inzwischen aber auch die zahlreicher anderer Autoren, ist das Herbst-Scharnier eines der am besten untersuchten Zahnspangen überhaupt und weltweit verbreitet. Durch die Teleskope des Scharniers wird der Unterkiefer 5-7mm nach vorn gezwungen, was eine Zahnbewegungen in beiden Kiefern, eine leichte Hemmung des Oberkieferwachstums und eine leichte Beschleunigung des Unterkieferwachstums auslöst. Eine dauerhafte Veränderung von Größe und Lage der Kiefer ist mit dem Herbst-Scharnier genauso wenig möglich wie mit dem – Aktivator. Das Scharnier bleibt normalerweise zwischen 6 und 12 Monaten im Mund. Anschließend muss in aller Regel die Verzahnung mit einer – MB-Apparatur (feste Spange mit – Brackets) korrekt eingestellt werden. Sehr effektive Apparatur und Vorbild einer ganzen Serie von Nachahmerentwicklungen (Herbst-Klonen). Einige dieser Herbst-Klone sind noch effizienter als das Herbst-Scharnier, weil sie gemeinsam mit der MB-Apparatur benutzt werden können und damit für noch kürzere Behandlungszeiten sorgen.


Invisalign

Von der Firma Align Technologies, USA, Ende der 1990er Jahre eingeführtes kieferorthopädisches Behandlungsverfahren mit transparenten, herausnehmbaren Zahnspangen. Diese sind auch beim Sprechen nur wenig sichtbar und behindern die Sprache in der Regel nicht, so dass sie für die ästhetische Erwachsenenbehandlung angeboten werden. Wie alle herausnehmbaren Spangen haben sie jedoch begrenzte Wirkungen und sind nur für leichte bis mittelschwere Behandlungsaufgaben geeignet. Seit der Markteinführung in Deutschland im Jahr 2001 auch hier verbreitet und bei richtigem Einsatz ein vernünftiges und bewährtes Behandlungsverfahren. Inzwischen sogar durch die 2004 überarbeitete Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Kieferorthopädie als taugliches Behandlungsmittel anerkannt, wird es in der gesetzlichen Krankenkasse überhaupt nicht und in der privaten oft nur unter Murren erstattet.


Invisalign Teen

Besonderes Produkt der Firma Align Technologies für jugendliche Patienten. Es ist grundsätzlich das selbe wie das übliche Invisalign-Verfahren. Unterschiede sind mechanische Verstärkungen im Bereich der Frontzähne, ein Tragezeitmesser und erleichterte Möglichkeiten für den Ersatz verlorener Aligner.


Jasper-Jumper

Einer der zahllosen Herbst-Klone, also mechanisch dem Herbst-Scharnier verwandt. Besteht aus einer plastikummantelten Spiralfeder, die an die festsitzende Spange angeklipst wird, um die – Distalokklusion (Rückbiss, Angle-Klasse II) zu behandeln. Bricht leider gelegentlich, bewirkt auch ab und zu Defekte an der festsitzenden Zahnspange, an der der Jumper befestigt ist, ist aber sonst ein bewährtes und relativ gut akzeptiertes Behandlungsmittel. Die Behandlungszeiten sind bei richtigem Einsatz kürzer als bei der Kombination des Original Herbst-Scharniers und einer nachfolgenden – MB-Apparatur (feste Zahnspange mit – Brackets).


Kiefergelenkdiagnostik

Die häufigsten Erkrankungen des Kiefergelenks sind in der Regel mit einfachen, kostengünstigen Mitteln wie ausführliche Erhebung der Krankengeschichte, zahnärztlicher Untersuchung und kurzer spezieller Untersuchung der Gelenke zu diagnostizieren. Ergänzt werden diese in der Regel durch ein Panoramaröntgenbild. Besonderer Einsatz von technischen Mitteln wie Computern oder weitergehende Bilddiagnostik mit Computertomogrammen (CT), Volumentomogrammen (DVT) oder – Magnetresonanztomogrammen sind dafür in aller Regel überflüssig. Hauptdiagnosen sind Arthralgie (Gelenkschmerz), Arthritis (Gelenkentzündung) und aktivierte Arthrose. Dazu kommen die verschiedenen Formen der Diskusverlagerung, die allerdings für sich keinen Krankheitswert haben, so lange sie nicht mit Bewegungseinschränkungen verbunden sind. Leider wird vielerorts jeder Kiefergelenksbefund zum Anlass einer Reihe von teuren Hightech-Untersuchungen genommen, die die Patienten in der Regel nur stark verunsichern, ohne dass ihre Ergebnisse die nachfolgende Therapie verbessern würden.


Kieferorthopäde

Ein auf die Korrektur von abweichenden Zahn- und Kieferstellungen spezialisierter Fachzahnarzt. Die Ausbildung besteht aus einem normalen Studium der Zahnmedizin, in den meisten Bundesländern gefolgt von einem Jahr allgemein zahnmedizinischer Tätigkeit und drei Jahren Fachweiterbildung. Die Fachweiterbildung muss in den meisten Bundesländern mindestens ein Jahr an einer Universitätszahnklinik stattfinden, während die anderen zwei Jahre auch in kieferorthopädischen Praxen mit Weiterbildungsberechtigung stattfinden dürfen. In den meisten anderen Ländern ist die Weiterbildung ebenfalls dreijährig, aber nur auf Universitäten beschränkt. Nachteil des deutschen Systems ist die oft fehlende und kaum kontrollierte Qualität der Weiterbildung in Praxen, wo der Weiterbildungsassistent gelegentlich als billige Arbeitskraft missbraucht wird, ohne profunde Kenntnisse zu erwerben. Das Publikum verwechselt den Kieferorthopäden, der ein spezialisierter Facharzt ist, leicht mit dem Zahnarzt mit Schwerpunkt Kieferorthopädie. So darf sich jeder Zahnarzt nennen, der ein paar Wochenendkurse über Kieferorthopädie genommen hat, einige Behandlungen mit Zahnspangen durchführt und den Schwerpunkt bei seiner Zahnärztekammer beantragt. Der große Unterschied der Qualifikation verbirgt sich auf dem Praxisschild nur hinter wenigen Buchstaben, so dass Verwechslung durch verunsicherte Patienten häufig vorkommt. Nur Kieferorthopäden oder Zahnärzte für Kieferorthopädie (bedeutet beides das selbe) haben jedoch die vierjährige Weiterbildung in Vollzeit, nicht aber der Zahnarzt mit Schwerpunkt Kieferorthopädie. In jüngster Zeit wird die Verwirrung komplettiert durch das Auftauchen eines dritten Titels, des Master of Science (MSc) Kieferorthopädie. Der MSc Kieferorthopädie ist in seiner Ausbildung etwas über dem Zahnarzt mit Schwerpunkt anzusiedeln, steht aber weit hinter dem Kieferorthopäden zurück.


Kieferorthopädie

Teilgebiet der Zahnmedizin, das sich mit der Diagnostik und Behandlung von abweichenden Zahn- und Kieferstellungen befasst. Anders als die anderen Teilgebiete der Zahnmedizin, die in der Regel klare Erkrankungen behandeln, ist dies bei der Kieferorthopädie weniger eindeutig. Während lange Jahre angenommen wurde, dass Zahn- und Kieferfehlstellungen Krankheiten oder doch zumindestens mit potentiellen Krankheitsfolgen verbunden wären, ist durch Studien der letzten Jahrzehnte deutlich geworden, dass die meisten Abweichungen nicht als gesundheitliche Störung zu bewerten sind. Dies wird die Nachfrage nach kieferorthopädischer Behandlung jedoch wahrscheinlich kaum vermindern, weil die Patienten aus ästhetischen Gründen ungeachtet gesundheitlicher Fragen kieferorthopädische Behandlungen wünschen. In den meisten Ländern wird das Fach als – Orthodontie bezeichnet, was mit Zahnkorrektur übersetzt werden kann. Der Begriff Kieferorthopädie geht auf den Glauben zurück, mit herausnehmbaren Zahnspangen vom Typ des – Aktivators das Wachstum von Schädel und Kiefern kontrollieren zu können (sog. Funktionskieferorthopädie). Diese alten Glaubenssätze sind inzwischen längst widerlegt worden, so dass es Zeit würde, den irreführenden Begriff Kieferorthopädie wieder durch den korrekten Begriff Orthodontie zu ersetzen.


Kieferorthopädische Indikationsgruppen

Die Kieferorthopädischen Indikationsgruppen (KIG) sind ein 2002 in Deutschland eingeführtes System zur Bewertung des Behandlungsbedarfs in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Sie basieren auf dem praktisch unverändert übernommenen IOTN, einem Bewertungsindex, der in Großbritannien angewendet wird. Ziel war es, die ganz leichten und wenig umfangreichen Behandlungen aus der Leistungspflicht der GKV auszugrenzen und damit Kosten zu sparen. Typische KIG-Grenzwerte sind zum Beispiel 6mm Überbiss der Schneidezähne und 3mm Abweichung bei Platzmangel und eng stehenden Zähnen. Grundsätzlich ist die Anwendung eines solchen Bewertungsmaßstabes auch wünschenswert, damit nicht die Versicherungsbeiträge für jeden ästhetischen Sonderwunsch verbraucht werden. Andererseits werden manchmal durchaus gesundheitlich relevante oder sehr unästhetische Befunde durch die KIG ausgegrenzt, während durchaus nicht alle höheren KIG-Einstufungen mit gesundheitlicher Beeinträchtigung verbunden sind. Trotzdem sind die KIG ein einigermaßen gerechtes System, mit dem sich durchaus leben lässt.


KIG

Die Kieferorthopädischen Indikationsgruppen (KIG) sind ein 2002 in Deutschland eingeführtes System zur Bewertung des Behandlungsbedarfs in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Sie basieren auf dem praktisch unverändert übernommenen IOTN, einem Bewertungsindex, der in Großbritannien angewendet wird. Ziel war es, die ganz leichten und wenig umfangreichen Behandlungen aus der Leistungspflicht der GKV auszugrenzen und damit Kosten zu sparen. Typische KIG-Grenzwerte sind zum Beispiel 6mm Überbiss der Schneidezähne und 3mm Abweichung bei Platzmangel und eng stehenden Zähnen. Grundsätzlich ist die Anwendung eines solchen Bewertungsmaßstabes auch wünschenswert, damit nicht die Versicherungsbeiträge für jeden ästhetischen Sonderwunsch verbraucht werden. Andererseits werden manchmal durchaus gesundheitlich relevante oder sehr unästhetische Befunde durch die KIG ausgegrenzt, während durchaus nicht alle höheren KIG-Einstufungen mit gesundheitlicher Beeinträchtigung verbunden sind. Trotzdem sind die KIG ein einigermaßen gerechtes System, mit dem sich durchaus leben lässt.


Kinetor

Eine von Hugo Stockfisch aus dem Aktivator entwickelte, herausnehmbare Doppelspange, deren Oberkiefer- und Unterkieferteil durch zwei elastische Schläuche verbunden sind. Die Erstpublikation im Rahmen eines eigenen Lehrbuchs erfolgte 1966. Stockfisch ist damit einer der prominenten Autoren der sogenannten “Funktionskieferorthopädie”, einer untergegangenen Dogmenlehre des letzten Jahrhunderts. Stockfisch meinte durch den Aufbiss auf die elastischen Schläuche in besonderer Weise die Muskelkräfte zur Korrektur der – Distalokklusion (Rückbiss, Angle-Klasse II) nutzen zu können. Er entwickelte auch eine Reihe von Fertigteilen, um die Herstellung des Kinetors im Labor zu vereinfachen. Irgendwelche besonderen Vorteile gegenüber den Monoblöcken (- Aktivator, – Bionator) sind jedoch nie nachgewiesen worden, während das Gerät trotz Fertigteilen aufwändiger herzustellen ist, leichter Defekte bekommt und hygienisch problematisch ist. Es handelt sich um eine veraltete Apparatur, deren Einsatz heute nicht mehr gerechtfertigt werden kann.

Weiterlesen


Kinetor nach Stockfisch

Eine aus dem – Aktivator entwickelte, herausnehmbare Doppelspange, deren Oberkiefer- und Unterkieferteil durch zwei elastische Schläuche verbunden sind. Der Erfinder H. Stockfisch meinte durch den Aufbiss auf die elastischen Schläuche in besonderer Weise die Muskelkräfte zur Korrektur der – Distalokklusion (Rückbiss, Angle-Klasse II) nutzen zu können. Irgendwelche besonderen Vorteile gegenüber den Monoblöcken (- Aktivator, – Bionator) sind jedoch nie nachgewiesen worden, während das Gerät aufwändiger herzustellen ist, leichter Defekte bekommt und hygienisch problematisch ist. Obsolete Apparatur.


Kinnplastik

Kinnplastik

Kieferchirurgischer Eingriff am knöchernen Kinn, bei dem das Kinn verlängert, verkürzt, höher oder tiefer gesetzt werden kann. Auch Seitverschiebungen sind möglich. Spezielle Risiken wie Nerv- oder Gelenkschädigungen bestehen bei der Kinnplastik nicht, jedoch kann der Heilungsprozess durchaus beeinträchtigend sein. Eignet sich gut für ästhetisch motivierte, geringfügige bis mittelgradige Eingriffe am Kinn, während größere Abweichungen nur durch die Verlagerung des gesamten Unterkiefers erreicht werden können (- Dysgnathiechirurgie).


Kopf-Kinn-Kappe

Behandlungsmittel zur Behandlung des Vorbisses des Unterkiefers (- Mesialokklusion, Angle-Klasse III). Besteht aus einer gepolsterten Pelotte am Kinn, einer Kopfkappe am Hinterkopf und kräftigen Elastikzügen, die diese Teile verbinden. Durch die Kopf-Kinn-Kappe soll das Wachstum des Unterkiefers gehemmt werden. Tatsächlich ist eine Wachstumshemmung mit diesem Gerät nicht möglich, sondern nur eine Rotation des Unterkiefers nach hinten. Da die Kopf-Kinn-Kappe anders als moderne – Gesichtsmasken die Mundöffnung einschränkt, ist sie einerseits gesteigert lästig, andererseits gleichzeitig weniger effektiv als diese. Aus diesen Gründen sollte die Kopf-Kinn-Kappe in der Regel nicht mehr eingesetzt werden.


Kortikotomie

Oralchirurgisches Verfahren, bei dem das Zahnfleisch vom Kiefer abgehoben wird, um in den Kieferknochen Rillen und Löcher einzufräsen. Das Zahnfleisch wird anschließend wieder zugenäht. Mit dieser Maßnahme können kieferorthopädische Behandlungen für etwa 6 Monate erheblich beschleunigt und manche Zahnbewegungen erheblich erleichtert werden. Ob bei diesem zweifellos effektiven Eingriff ein günstiges Verhältnis von Aufwand und Nutzen besteht, sollte der gut aufgeklärte Patient selbst entscheiden.


Kreuzbiss

Der verkehrte Überbiss von Zähnen. Normalerweise ist der obere Zahnbogen überall größer als der untere, so dass sowohl die Front- als auch die Seitenzähne überall über die unteren Zähne beißen. Beim Kreuzbiss überragen dagegen die unteren Zähne die oberen. Ein frontaler Kreuzbiss kann manchmal ein Zeichen einer – Progenie sein, ein seitlicher Kreuzbiss ist meistens ein Zeichen für einen zu schmalen Oberkiefer.


Lingualtechnik

Kieferorthopädische Behandlung mit einer festsitzenden Zahnspange, die von außen unsichtbar auf der Innenseite der Zähne angebracht ist. Die linguale Zahnspange ist die einzige wirklich unsichtbare Behandlungsmethode, denn die herausnehmbaren Aligner sind nicht komplett unsichtbar. Um auch ästhetisch sehr anspruchsvollen Patienten kieferorthopädische Behandlung zu ermöglichen, fingen einige Kieferorthopäden in den USA etwa 1975 an, von außen vollständig unsichtbare, auf der Innenseite der Zähne angebrachte – Brackets zu verwenden. Die Resultate waren damals nicht immer ermutigend, da die Apparaturen nicht ausgereift waren und es vor allem an guter Ausbildung mit der nicht einfachen Technik fehlte. Seit etwa 2000 sind jedoch immer mehr ausgereifte Lingualsysteme auf den Markt gekommen. Seit 2004 steht die neue, extrem flache und komfortable Incognito-Apparatur zur Verfügung. Durch diese Zahnspange sind fast alle Probleme der älteren lingualen Zahnspangen gelöst. Mit der Lingualtechnik können heute fast alle Zahnfehlstellungen mit exzellenten Resultaten behandelt werden. Technische Einschränkungen wie bei dem – Invisalign-Verfahren gibt es praktisch nicht. Die Komforteinschränkung ist gegenüber der normalen, außen angebrachten Zahnspange geringfügig erhöht, aber nach einer Adaptationsphase von einigen Wochen haben Erwachsene in der Regel keine nennenswerten Probleme mit der lingualen Zahnspange. Die Behandlungszeiten oft etwas länger als mit normalen sichtbaren Brackets, die Resultate sind dafür qualitativ gleich gut. Ein Nachteil bleibt jedoch der im Vergleich zur Standardapparatur erheblich höhere Preis.


Lip Bumper

Zahnspange meist für den unteren Zahnbogen, die an – Bändern auf den 1. Molaren (den ersten großen Backenzähnen) befestigt wird. Der Lip Bumper ist sowohl herausnehmbar als auch festsitzend einsetzbar. Mit dem Lip Bumper können die 1. Molaren nach hinten gekippt und die Zahnbögen etwas verbreitert werden. Der Lip Bumper ist ein ebenso zuverlässiges wie gut akzeptiertes Gerät und damit jeder – aktiven Platte überlegen.


MARA

Mandibular repositioning appliance, ein von J. Eckhart und D. Toll erdachtes, festsitzendes Gerät zur Bissverschiebung des Unterkiefers nach vorne beim Rückbiss (- Distalokklusion, Angle Klasse II). Erste Studien zeigen ähnlich gute Ergebnisse wie beim – Herbstscharnier, allerdings ist der Patientenkomfort bei dem Gerät schlechter als bei den meisten anderen Non-Compliance-Apparaten zur Bissverschiebung.


MB-Apparatur

Die festsitzende Zahnspange, bestehend aus aufgeklebten – Brackets und gelegentlich auch zementierten – Bändern. Die MB-Apparatur ist das kieferorthopädische Gerät per se, mit dem sich die meisten kieferorthopädischen Behandlungen in minimaler Zeit, mit minimaler Belastung der Patienten und mit den besten Ergebnissen lösen lassen. Vorurteile gegen die MB-Apparatur bestehen vor allem in Deutschland aus der dunklen Zeit der – Funktionskieferorthopädie, als man glaubte, dass herausnehmbare Geräte “irgendwie” gesünder, ganzheitlicher oder menschenfreundlicher wären. Die MB-Apparatur gibt es seit etwa 1900, und sie ist stetig weiterentwickelt worden. Moderne MB-Apparaturen sind komfortabler, hygienischer und in ihrer Wirkungsweise sanfter als die frühen Apparaturen. Trotzdem können bei schlechter Zahnpflege Entkalkungen des Zahnschmelzes und unvermeidlich gelegentlich auch – Wurzelresorptionen durch die Behandlung entstehen. Die letzten Entwicklungen sind die Einführung des vollprogrammierten Brackets, das dem Behandler viel Handarbeit erspart, und die Entwicklung der sogenannten selbstligierenden Brackets (- Speed, – Damon, In-Ovation etc.) Sicher ist, dass diese Brackets die Zeit erheblich verkürzen, die der Patient auf dem Zahnarztstuhl verbringen muss. Darüber hinaus gehende Effekte wie Beschleunigung der Behandlungen und weniger Schmerzen konnten bisher in Studien nicht bestätigt werden, sind aber stets beliebte Verkaufsargumente für selbstligierende Brackets.


MEAW

Vollständig Multiloop Edgewise Archwire (MEAW-Technik), von Kim in Korea erdachte Technik der Behandlung mit festsitzenden Zahnspangen, verbreitet und propagiert durch S. Sato aus Japan. Während normalerweise die – Brackets der festsitzenden Zahnspange durch einen geraden, bogenförmigen Draht verbunden sind, mit dem die Zähne bewegt werden, wird bei der Multilooptechnik zwischen alle Seitenzähne eine zusätzliche Drahtschlaufe eingebogen, ein so genannter Loop. Solche Loops musste man in alten Zeiten sehr oft biegen, weil lange Zeit nur ziemlich steife Stahldrähte gebräuchlich waren. Loops waren daher notwendig, um die Kraft zwischen den Zähnen zu reduzieren. Durch die Einführung neuer Drahtmaterialien wie – NiTi oder – TMA ist das Biegen von Loops jedoch heute im Regelfall überflüssig geworden. Das ist auch gut so, denn Loops biegen kostet viel Arbeitszeit, die irgendjemand bezahlen muß (im Zweifelsfall stets der Patient), und Loops erhöhen den Diskomfort und die Hygieneschwierigkeiten festsitzender Spangen stark. Sato und Kim zeigen oft spektakuläre Fälle von Behandlungen des Vorbisses und des offenen Bisses, die beeindruckend sind, aber immer mit ganz konventionellen, allen Kieferorthopäden bekannten Mitteln wie Elastiks oder dem Einbiegen von Sweep behandelt sind. Unglücklicherweise behaupten diese Autoren, diese Behandlungseffekte wären auf die – mechanisch komplett überflüssigen – Loops zurückzuführen. Da viele Kieferorthopäden kein gutes Verständnis von mechanischen Grundprinzipien haben, konnte Sato in vielen Ländern eine gewisse Anhängerschaft um sich scharen. Beweise für eine besondere Wirkung seiner Multilooptechnik ist Sato allerdings bis heute schuldig geblieben, so dass der Technik die wissenschaftliche Anerkennung versagt geblieben ist. Gleichwohl ist eine eigene ,,wissenschaftliche” Gesellschaft für die Anhänger der MEAW-Technik gegründet worden, die vor allem in Ostasien wirkt.


Mesiodens

Überzähliger Zahn in der Mitte des Oberkiefers. Während früher gelehrt wurde, dass Mesiodentes unbedingt entfernt werden müssten, herrscht heute eine gelassenere Beurteilung vor. So lange diese Zähne keinen Kontakt zur Mundhöhle haben, keine Zyste ausbilden und einer kieferorthopädischen Behandlung nicht im Wege stehe, können sie belassen werden. Eine periodische Kontrolle mit einem Panoramaröntgenbild kann dagegen gerechtfertigt werden.


Mini-Implantate

Seit den 1990er Jahren eingeführte Methode, während kieferorthopädischer Behandlungen mit Hilfe von kleinen Titanschrauben einzelne Zähne oder Zahngruppen fest und unbeweglich im Knochen zu verankern. Risiken und Belastungen durch die Mini-Implantate sind denkbar gering. Ihr Einsatz hat die Kieferorthopädie verändert und wird das weiterhin tun, da mit diesen kleinen Schrauben auf einmal Behandlungsmöglichkeiten bestehen, an die man früher nicht einmal zu denken wagte. Ein häufiger Einsatzbereich ist nach dem Verlust eines Seitenzahns die Verankerung der vor der Lücke stehenden Zähne, um durch Vorbewegung der Seitenzähne die Lücke zu schließen. Inzwischen sind zahlreiche Lehrbücher zu den Mini-Implantaten erschienen und es werden viele Fortbildungskurse angeboten. Die Mini-Implantate haben das therapeutische Spektrum sehr erweitert und sind wahrscheinlich die wichtigste Innovation der letzten Jahre.


MRT

Magnetresonanztomogramm, ein bildgebendes Verfahren, das mit starken Magnetfeldern arbeitet. Anders als bei den Röntgenuntersuchungen sind beim MRT bis heute keine nachweisbaren Schäden nachgewiesen worden, so dass es als unschädliches Diagnostikverfahren gelten kann. Als großer Vorteil gegenüber dem Röntgen, dass überwiegend Knochen darstellt, können mit dem MRT sehr gut auch Weichgewebe dargestellt werden (Muskeln, Bänder, Gelenkkapseln, Diski etc.). Aus diesem Grund waren in der Orthopädie große Hoffnungen mit der Einführung des MRT verbunden. Auch wenn die Weichgewebsdarstellung gelegentlich hilfreich ist, haben sich diese Hoffnungen jedoch sehr reduziert, denn die zahllosen MRT-Befunde sind oft reinen Zufallsbefunde und erklären meistens nicht, warum ein Patient Schmerzen hat.


MRT Kiefergelenke

In der Zahnmedizin ist es da und dort Mode geworden, Magnetresonanztomogramme (MRTs) der Kiefergelenke anfertigen zu lassen. Dabei finden sich in großer Zahl irgendwelche Abweichungen, die jedoch meistens weder zu anderen Therapien führen noch prognostische Bedeutung haben. Es handelt sich also in der Regel um sinnlose Diagnostik, mit der die Patienten beunruhigt und mit hohen Kosten belastet werden. Indikationen für ein MRT sind schwere Schmerzzustände, die über Monate anhalten und nicht auf normale Therapie reagieren, und die Abklärung vor geplanten chirurgischen Eingriffen am Kiefergelenk.


MSA

Manuelle Strukturanalyse (MSA) nach A. Bumann, eine Reihe von aus der manuellen Medizin entlehnten Untersuchungstechniken zur Untersuchung von Kiefergelenken und Kaumuskulatur. Derartige Untersuchungstechniken sind vor allem in den Niederlanden, aber auch an vielen anderen Orten in der Welt entwickelt worden und sind in zahlreichen, leicht variierenden Formen sehr verbreitet in der Zahnmedizin. Das Problem ist, dass einige dieser Untersuchungstechniken nicht gut untersucht sind und oft der Nachweis fehlt, was man mit ihnen eigentlich genau untersucht. Die MSA lehnt sich mit der enthaltenen Diagnostik des Kiefergelenkknackens und deren Unterteilung in vier Typen besonders weit aus dem Fenster. Dieser Teil der MSA wird nirgendwo in der Welt wissenschaftlich anerkannt, sofern sie überhaupt außerhalb des deutschen Sprachraums zur Kenntnis genommen wird. Da der Autor Bumann in Deutschland einer der ersten war, der manuelle Untersuchungstechniken systematisiert und in zahllosen Kursen gelehrt hat, ist die MSA in Deutschland sehr verbreitet. Den deutschen Anwendern ist dabei meist nicht bewusst, dass es sich um eine Mischung aus einigen validierten, aber auch zahlreichen wenig oder gar nicht validierten Untersuchungen handelt, die international in dieser Form nicht wissenschaftlich anerkannt ist.


Multibracket-Apparatur

Die festsitzende Zahnspange, bestehend aus aufgeklebten – Brackets und gelegentlich auch zementierten – Bändern. Die MB-Apparatur ist das kieferorthopädische Gerät per se, mit dem sich die meisten kieferorthopädischen Behandlungen in minimaler Zeit, mit minimaler Belastung der Patienten und mit den besten Ergebnissen lösen lassen. Vorurteile gegen die MB-Apparatur bestehen vor allem in Deutschland aus der dunklen Zeit der – Funktionskieferorthopädie, als man glaubte, dass herausnehmbare Geräte -irgendwie- gesünder, ganzheitlicher oder menschenfreundlicher wären. Die MB-Apparatur gibt es seit etwa 1900, und sie ist stetig weiterentwickelt worden. Moderne MB-Apparaturen sind komfortabler, hygienischer und in ihrer Wirkungsweise sanfter als die frühen Apparaturen. Trotzdem können bei schlechter Zahnpflege Entkalkungen des Zahnschmelzes und unvermeidlich gelegentlich auch – Wurzelresorptionen durch die Behandlung entstehen. Die letzten Entwicklungen sind die Einführung des vollprogrammierten Brackets, das dem Behandler viel Handarbeit erspart, und die Entwicklung der sogenannten selbstligierenden Brackets (- Speed, – Damon, In-Ovation etc.) Sicher ist, dass diese Brackets die Zeit erheblich verkürzen, die der Patient auf dem Zahnarztstuhl verbringen muss. Darüber hinaus gehende Effekte wie Beschleunigung der Behandlungen und weniger Schmerzen konnten bisher in Studien nicht bestätigt werden, sind aber stets beliebte Verkaufsargumente für selbstligierende Brackets.


Multiloop

Vollständig Multiloop Edgewise Archwire (MEAW-Technik), von Kim in Korea erdachte Technik der Behandlung mit festsitzenden Zahnspangen, verbreitet und propagiert durch S. Sato aus Japan. Während normalerweise die – Brackets der festsitzenden Zahnspange durch einen geraden, bogenförmigen Draht verbunden sind, mit dem die Zähne bewegt werden, wird bei der Multilooptechnik zwischen alle Seitenzähne eine zusätzliche Drahtschlaufe eingebogen, ein so genannter Loop. Solche Loops musste man in alten Zeiten sehr oft biegen, weil lange Zeit nur ziemlich steife Stahldrähte gebräuchlich waren. Loops waren daher notwendig, um die Kraft zwischen den Zähnen zu reduzieren. Durch die Einführung neuer Drahtmaterialien wie – NiTi oder – TMA ist das Biegen von Loops jedoch heute im Regelfall überflüssig geworden. Das ist auch gut so, denn Loops biegen kostet viel Arbeitszeit, die irgendjemand bezahlen muß (im Zweifelsfall stets der Patient), und Loops erhöhen den Diskomfort und die Hygieneschwierigkeiten festsitzender Spangen stark. Sato und Kim zeigen oft spektakuläre Fälle von Behandlungen des Vorbisses und des offenen Bisses, die beeindruckend sind, aber immer mit ganz konventionellen, allen Kieferorthopäden bekannten Mitteln wie Elastiks oder dem Einbiegen von Sweep behandelt sind. Unglücklicherweise behaupten diese Autoren, diese Behandlungseffekte wären auf die – mechanisch komplett überflüssigen – Loops zurückzuführen. Da viele Kieferorthopäden kein gutes Verständnis von mechanischen Grundprinzipien haben, konnte Sato in vielen Ländern eine gewisse Anhängerschaft um sich scharen. Beweise für eine besondere Wirkung seiner Multilooptechnik ist Sato allerdings bis heute schuldig geblieben, so dass der Technik die wissenschaftliche Anerkennung versagt geblieben ist. Gleichwohl ist eine eigene “wissenschaftliche” Gesellschaft für die Anhänger der MEAW-Technik gegründet worden, die vor allem in Ostasien wirkt.


Mundvorhofplatte

Einfache und kostengünstige herausnehmbare Zahnspange, die einem Schnuller ähnelt, aber nur aus einer einfachen Silikon- oder Plastikplatte besteht, die sich im Mundvorhof zwischen den Lippen und den Schneidezähnen befindet. Daran befindet sich meistens ein Griff, der zwischen die Lippen ragt. Die Mundvorhofplatte (MVP) wird gerne in der Frühbehandlung von Kindern vor dem Grundschulalter verwendet, um einen offenen Biss zu schließen oder den Mundschluss zu verbessern. Auch wenn in einzelnen, günstigen Fällen gute Erfolge mit der MVP beobachtet werden können, ist ihr Einsatz nicht besonders gut wissenschaftlich begründet. Studien über Behandlungserfolg und Misserfolg, über Langzeitnutzen und über die Kosteneffizienz solcher Maßnahmen fehlen leider fast völlig. Unabhängig davon sind Kleinkinder nur schwer zum disziplinierten Tragen der MVP zu motivieren, womit sich die MVP-Frage meistens von alleine erledigt. Da die MVP billig ist, ist der Versuch zumindestens eine unschuldige Maßnahme.


Nance

Das Nance-Knöpfchen oder Nance holding arch ist ein am Gaumen hinter den oberen Schneidezähnen aufliegendes Plastikknöpfchen, das über stabile Stahldrähte mit – Bändern auf den 1. Molaren verbunden ist. Der Nance dient dazu, das Vorwandern der 1. Molaren zu verhindern, um den Platz für alle durchbrechenden, bleibenden Zähne zu halten. Eingesetzt wird er häufig, nachdem die 1. Molaren nach hinten bewegt (distalisiert) worden sind, z.B. mit einem – Headgear oder einer – Pendelapparatur. Der Nance ist eine sinnvolle Apparatur mit geringer Beeinträchtigung, stellt aber keine absolute Verankerung dar. Mit etwas Verlust der erreichten Distalisierung muss trotz Einsatz eines Nance gerechnet werden.


Neutralokklusion

Die häufigste und funktionell günstigste Verzahnung von oberer und unterer Zahnreihe. Bei der Neutralokkusion stehen die unteren 1. Molaren 3-4mm vor den oberen, so dass eine ideale Höcker-Fossa Beziehung entsteht. Gleichzeitig besteht bei der Neurtalokklusion in der Regel ein normaler horizontaler und vertikaler Schneidezahnüberbiss von 2-4mm.


Nickeltitan

Nickeltitan (NiTi) ist eine Legierung aus den Metallen Nickel und Titan, die seit den 1980er Jahren zunehmend in der Kieferorthopädie eingesetzt wird, vor allem zur Herstellung von orthodontischen Drähten, aber auch für den Verschlussclip des – Speed-Brackets. Die meisten NiTi-Drähte sind ungefähr ein Viertel so steif, wie es ein Stahldraht entsprechender Dicke wäre. NiTi-Drähte werden deshalb häufig als erster und zweiter Draht bei festsitzenden Zahnspangen eingesetzt, um die Zähne zunächst zu begradigen, bevor Stahldrähte eingesetzt werden können. Trotz ihres hohen Nickelgehalts haben sich NiTi-Drähte als gut verträglich erwiesen. Ihr Einsatz ermöglicht eine Reduktion der Kräfte in der ersten Behandlungsphase, und dadurch gleichzeitig vermutlich eine Beschleunigung der Behandlung im Vergleich zu älteren Materialien.


NiTi

Nickeltitan (NiTi) ist eine Legierung aus den Metallen Nickel und Titan, die seit den 1980er Jahren zunehmend in der Kieferorthopädie eingesetzt wird, vor allem zur Herstellung von orthodontischen Drähten, aber auch für den Verschlussclip des – Speed-Brackets. Die meisten NiTi-Drähte sind ungefähr ein Viertel so steif, wie es ein Stahldraht entsprechender Dicke wäre. NiTi-Drähte werden deshalb häufig als erster und zweiter Draht bei festsitzenden Zahnspangen eingesetzt, um die Zähne zunächst zu begradigen, bevor Stahldrähte eingesetzt werden können. Trotz ihres hohen Nickelgehalts haben sich NiTi-Drähte als gut verträglich erwiesen. Ihr Einsatz ermöglicht eine Reduktion der Kräfte in der ersten Behandlungsphase, und dadurch gleichzeitig vermutlich eine Beschleunigung der Behandlung im Vergleich zu älteren Materialien.


Nonokklusion

Der vollständige Vorbeibiss von Backenzähnen, bei dem die Kauflächen antagonistischer Zähne sich überhaupt nicht berühren. Die Nonokklusion sollte in der Regel behandelt werden, weil sie zu zunehmenden Zahnkippungen und schließlich zum Einbiss in das Zahnfleisch führen kann. In einigen Fällen können einzelne Zähne aber auch in Nonokklusion lebenslang stabil bleiben.


Okklusionsschiene

Herausnehmbarer Plastiküberzug meist der oberen Zähne, der zum Trennen der Zahnreihen beim Zubiss dient. Die Okklusionsschienen werden meistens nachts getragen, um zu verhindern, dass der Patient mit den Zähnen knirscht oder presst. Einsatzgebiet sind Kiefergelenks- oder Kaumuskelschmerzen und der Schutz des Abrasionsgebisses. Okklusionsschienen bringen im günstigen Fall eingefahrene Bewegungsmuster durcheinander und führen dadurch zu einem unspezifischen Entspannungseffekt. Es sind unzählige verschiedene Formen von Okklusionsschienen entwickelt worden, die jedoch grundsätzlich alle gleich wirken. Aus diesem Grund sollten stets einfache, kostengünstige und langfristig sicher zu tragende Designs bevorzugt werden. Dies erfüllt weitgehend die sogenannte Michigan-Schiene.


Orthodontie

In den meisten Sprachen üblicher Begriff für unser Fach, der in Deutschland in den 1930er Jahren durch ,,- Kieferorthopädie” ersetzt wurde . Verständlich ist diese Umbenennung nur durch die Euphorie, die durch die Einführung der – Funktionskieferorthopädie im Deutschland der 1930er Jahre ausgelöst wurde. Nachdem die Funktionskieferorthopädie sich nicht gerade als großer Heilsbringer erwiesen hat, sollte man unserem Fach seine angemessene Bezeichnung Orthodontie zurückgeben.


Pendelapparatur

Festsitzende Zahnspange im Oberkiefer zur Distalisierung (nach hinten bewegen) der oberen 1. Molaren. Zweck dieser schwierigen Zahnbewegung kann sein das Platzschaffen für alle bleibenden Zähne oder die Korrektur einer Distalokklusion. Die distalisierten Molaren werden nach 6-9monatiger Behandlung mit der Pendelapparatur mit einem – Nance-Knopf stabilisiert. Unter den zahlreichen festsitzenden Zahnspangen zur Distalisierung der 1. Molaren ist die Pendelapparatur am Besten untersucht und eine der effektivsten derartigen Apparaturen, die alle ein – Headgear ersetzen sollen. Vorteil ist, dass sie nicht auf Mitarbeit angewiesen sind, Nachteil dagegen, dass eine echte Distalisierung größeren Umfangs trotz des Nance nicht möglich ist. Trotzdem werden derartige Apparaturen mit gutem Erfolg eingesetzt und von den Patienten gut toleriert.


Pendulem

Festsitzende Zahnspange im Oberkiefer zur Distalisierung (nach hinten bewegen) der oberen 1. Molaren. Zweck dieser schwierigen Zahnbewegung kann sein das Platzschaffen für alle bleibenden Zähne oder die Korrektur einer Distalokklusion. Die distalisierten Molaren werden nach 6-9monatiger Behandlung mit der Pendelapparatur mit einem – Nance-Knopf stabilisiert. Unter den zahlreichen festsitzenden Zahnspangen zur Distalisierung der 1. Molaren ist die Pendelapparatur am Besten untersucht und eine der effektivsten derartigen Apparaturen, die alle ein – Headgear ersetzen sollen. Vorteil ist, dass sie nicht auf Mitarbeit angewiesen sind, Nachteil dagegen, dass eine echte Distalisierung größeren Umfangs trotz des Nance nicht möglich ist. Trotzdem werden derartige Apparaturen mit gutem Erfolg eingesetzt und von den Patienten gut toleriert.


Platte, aktive

In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts erdachte, später von A.M. Schwarz verbesserte, herausnehmbare – Zahnspange für einen Kiefer. Besteht aus einem Plastikkörper, Halteelementen aus Draht und aktiven Elementen wie Federn und Schrauben. Veraltete Apparatur, da alle Behandlungsaufgaben der Platte mit festsitzenden Teilapparaturen besser, schneller und für die Patienten komfortabler erledigt werden können. Die Verwendung der aktiven Platte erfordert vom Arzt wenig Wissen und handwerkliches Geschick. Aus diesem Grund und da die Kieferorthopäden unter dem deutschen Honorarsystem mit herausnehmbaren Apparaten mehr Gewinn erwirtschaften können als mit festsitzenden, sind die Platten bei den Behandlern sehr beliebt, während die Begeisterung der kleinen Patienten in der Regel nur etwa 1-2 Monate anhält. Danach wird die Platte in der Regel nur noch in der Hosentasche getragen.


Pont’scher Index

Relation der zwischen der Breite der vier oberen Schneidezähne und der Breite der Zahnbögen, 1907 publiziert von dem französischen Zahnarzt A.Pont. Die von Pont angegebenen, in Südfrankreich gewonnenen Werte wurden für die deutsche Bevölkerung durch die von Linder, Harth und Korkhaus gemachten Angaben ersetzt. Praktisch funktionierte das so, dass Kieferorthopäden versuchten, die Zahnbogenbreiten immer bis auf die von die von den Indizes vorgeschriebenen Werte zu verbreitern. Spätere Untersuchungen zeigten jedoch, dass es überhaupt keine diagnostisch oder therapeutisch nutzbare Korrelation zwischen Zahnbreiten und Zahnbogenbreiten gibt, dass also sämtliche Indizes dieser Art ein nutzloser Unsinn waren. Gleichwohl wurden (oder werden?) sie an manchen deutschen Universitäten bis in die letzten Jahre gelehrt. Außerhalb des deutschen Sprachraums war der Pont’sche Index dagegen längst vergessen oder nur noch als Kuriosität bekannt.


Positioner

Herausnehmbare Zahnspange aus elastischem Material ohne Drahtelemente, die ähnlich einem Sportmundschutz beide Zahnbögen umfasst, gelegentlich auch nur einen Zahnbogen, Erstpublikation durch Kesling 1944. Ursprünglich aus Kautschuk, wird er heute in der Regel aus Silikon gefertigt. Der Positioner war ursprünglich ein Retentionsgerät nach Abnahme der – MB-Apparatur (festsitzenden Zahnspange), in das noch kleine Zahnbewegungen eingebaut wurden. Durch die Verbesserung der Materialien können dies inzwischen auch etwas größere Korrekturen von Stellungsabweichungen sein, die mit der festen Zahnspange nicht hinreichend verbessert werden konnten. Es drängt sich gelegentlich der Verdacht auf, dass Kieferorthopäden, die keine guten Ergebnisse mit der festsitzenden Spange erreichen, dies durch den Einsatz des Positioners auszugleichen versuchen. Ein diszipliniert getragener Positioner kann zweifellos große Verbesserungen bewirken, jedoch gilt wie bei allen herausnehmbaren Apparaten, dass sie vollkommen auf die Mitarbeit des Patienten angewiesen sind. Gerade nach Abnahme der festsitzenden Zahnspangen haben Patienten jedoch oft keine Motivation mehr für weitere Belastungen, so dass der Positioner oft nicht getragen wird. Die Bewertung des Positioners ist daher durchaus zwiespältig.


Progenie

Vorbiss des Unterkiefers, oft verbunden mit einer Unterentwicklung des Oberkiefers oder gar des ganzen Mittelgesichts sowie mit einem – Kreuzbiss (verkehrten Überbiss) der Frontzähne. Die Progenie ist eine erbliche Abweichung, die in leichten bis mittelgradigen Formen bei Behandlungsbeginn im Kinder- und Jugendalter mit einiger Erfolgsaussicht konservativ behandelt werden kann. Hauptsächliches Behandlungsmittel ist die – Gesichtsmaske (oder Delaire-Maske) und bei schmalem Oberkiefer die – Gaumennahterweiterung. Der Behandlungserfolg ist vor allem vom weiteren Wachstum abhängig, das weder prognostizierbar noch nachhaltig beeinflussbar ist. Eine ausgeprägte Progenie ist dagegen nur mit Hilfe der – Dysgnathiechirurgie sinnvoll zu behandeln. Auch wenn die Progenie eine imposante Abweichung vom Durchschnittsgesicht ist, stellt sie doch kein gesundheitliches Risiko dar. Träger einer Progenie können mit diesem Merkmal alt und glücklich werden. Der Behandlungsbedarf richtet sich allein danach, in wie weit sich die Betroffenen ästhetisch oder funktionell eingeschränkt fühlen. Vollkommen unangemessen wäre es, wenn – Kieferorthopäden von sich aus versuchen, Progeniker zu einer Behandlung zu drängen.


Protrusion

1.Das Vorstehen der Frontzähne nach vorne, also ein kieferorthopädischer Befund, z.B. in bimaxilläre Protrusion (schräges Vorstehen der Frontzähne in beiden Zahnbögen),
2.Vorbewegung eines Zahns, besonders der Frontzähne, also eine therapeutische Zahnbewegung.

Ähnliches gilt für das Gegenteil der Protrusion, die Retrusion. Beides sind Beispiele für die oft bedauerliche Unschärfe der kieferorthopädischen Fachbegriffe.


Retainer

Von engl. to retain – festhalten, stabilisieren: Im weitesten Sinn jede – Zahnspange, die nach einer kieferorthopädischen Behandlung zur Stabilisierung der Zahnstellung eingesetzt wird. Es gibt festsitzende und herausnehmbare Retainer. Festsitzende Retainer sind meistens dünne Metalldrähte, die von außen unsichtbar auf der Innenseite der Frontzähne aufgeklebt werden und dort lebenslang verbleiben können. Vorteil ist die zuverlässige Stabilisierung der Zahnstellung, Nachteil die Erschwerung der Mundhygiene und gelegentlicher Bruch einzelner Klebungen. Als herausnehmbare Retainer werden vor allem – Plattenapparaturen und tiefgezogene, transparente Plastikschienen verwendet, gelegentlich – Positioner, seltener bimaxilläre Apparate vom Typ des – Aktivators. Herausnehmbare Retainer sind hygienisch besser, aber auch unzuverlässiger, da sie oft nicht ausreichend getragen werden oder zur Unzeit verloren gehen können.


Retention

Alle Maßnahmen zur Stabilisierung eines kieferorthopädischen Behandlungsergebnisses nach dem Ende der aktiven Behandlung. Die Retention ist ein unbedingt sinnvoller Bestandteil einer kieferorthopädischen Behandlung, weil alle Zahnbewegungen dazu neigen, nach dem Ende der Behandlung zurückzugehen. Für die Retention werden vor allem verschiedene herausnehmbare und festsitzende Zahnspangen verwendet, die man zusammenfassend – Retainer nennen kann.


Retrusion

1.das Vorstehen der Frontzähne nach vorne, also ein kieferorthopädischer Befund, z.B. in bimaxilläre Protrusion (schräges Vorstehen der Frontzähne in beiden Zahnbögen),
2.Vorbewegung eines Zahns, besonders der Frontzähne, also eine therapeutische Zahnbewegung.

Ähnliches gilt für das Gegenteil der Retrusion, die Protrusion. Beides sind Beispiele für die oft bedauerliche Unschärfe der kieferorthopädischen Fachbegriffe.


Scherenbiss

Der vollständige Vorbeibiss von Backenzähnen, bei dem die Kauflächen antagonistischer Zähne sich überhaupt nicht berühren. Die Nonokklusion sollte in der Regel behandelt werden, weil sie zu zunehmenden Zahnkippungen und schließlich zum Einbiss in das Zahnfleisch führen kann. In einigen Fällen können einzelne Zähne aber auch in Nonokklusion lebenslang stabil bleiben.


Schiene

Herausnehmbarer Plastiküberzug meist der oberen Zähne, der zum Trennen der Zahnreihen beim Zubiss dient. Die Okklusionsschienen werden meistens nachts getragen, um zu verhindern, dass der Patient mit den Zähnen knirscht oder presst. Einsatzgebiet sind Kiefergelenks- oder Kaumuskelschmerzen und der Schutz des Abrasionsgebisses. Okklusionsschienen bringen im günstigen Fall eingefahrene Bewegungsmuster durcheinander und führen dadurch zu einem unspezifischen Entspannungseffekt. Es sind unzählige verschiedene Formen von Okklusionsschienen entwickelt worden, die jedoch grundsätzlich alle gleich wirken. Aus diesem Grund sollten stets einfache, kostengünstige und langfristig sicher zu tragende Designs bevorzugt werden. Dies erfüllt weitgehend die sogenannte Michigan-Schiene.


Segmentbogentechnik

Alle Techniken bei der kieferorthopädischen Behandlung mit festsitzenden Spangen, bei denen mit mehreren Drahtsegmenten statt mit einem einzigen, umlaufenden Draht gearbeitet wird, erdacht und publiziert vor allem von C. Burstone seit 1960. Einige Elemente der Segmentbogentechnik haben durchaus eine gewisse Verbreitung gefunden, z.B. die Intrusion der Frontzähne mit einem Basisbogen (base arch). Viele andere Elemente der Segmentbogentechnik sind jedoch zu kompliziert und zu fehleranfällig für die durchschnittliche kieferorthopädische Praxis, so dass sie kaum verwendet werden. Auch wenn die Theorie der Segmentbogentechnik unzweifelhaft richtig ist, sind doch die meisten klinischen Probleme mit simplen, durchgehenden Drähten zu lösen. Eine Segmentierung sollte daher nur durchgeführt werden, wenn sie deutliche klinische Vorteile gegenüber einer geraden Bogentechnik bietet.


SPEED Bracket

Ein selbstligierendes – Bracket (Bestandteil der festsitzenden Zahnspange) der Firma Strite aus Kanada. Es ist das älteste der heute am Markt angebotenen selbstligierenden Brackets und ständig verbessert worden. Es ist ein sogenanntes aktiv selbstligierendes Bracket, was bedeutet, dass der Verschlussclip leicht in das Bracketslot hineinragt und damit auch mit dünnen Runddrähten schon relativ gute Kontrolle besteht.

Die gegenüber den passiv selbstligierenden Brackets (- Damon, Smart Clip, Carriere) geringfügig höhere Reibung zwischen Bracket und Draht hat dagegen keine klinische Relevanz. Speed-Anwender sind bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen stets nach 8-12 Wochen auf einem 019×25 Stahlbogen angelangt, was mit passiv selbstligierenden Brackets nicht zu erreichen ist. Das liegt allerdings nicht nur an der Selbstligierung, sondern auch daran, dass das Speed-Bracket eines der schmalsten Brackets auf dem Markt ist: dadurch werden die freien Distanzen zwischen den Brackets vergrößert und das gesamte System elastischer. Auch der Verschlussmechanismus funktioniert in der Regel besser als bei den meisten Konkurrenzprodukten.

Das Speed-Bracket ist das ausgereifteste und am Besten durchdachte selbstligierende Bracket auf dem Markt.


SUS

Die Sabbagh Universal Spring (SUS) ist einer der zahllosen Klone des – Herbst-Scharniers, dem es mit seinem teleskopierenden Mechanismus auch sehr ähnlich sieht. Anders als das klassische Herbst-Scharnier kann die SUS-Feder aber direkt auf die festsitzende Spange (- MB-Apparatur) aufgesetzt werden, so dass mit ihr die Phase der Bissverschiebung und der Ausformung der Zahnbögen in eine Phase zusammengefasst werden können. Dadurch wird die gesamte Behandlungszeit verkürzt. Weiterer Unterschied ist, dass die SUS eine schwache, innere Spiralfeder hat, so dass es nicht nur als fester Anschlag wie ein Herbst, sondern auch mit dieser Feder unter minimaler Kraft angewendet werden kann. Diese Art der Anwendung erscheint jedoch wenig sinnvoll, so lange man die zuverlässige und gut untersuchte Herbst-artige Wirkung ausnutzen kann. Die SUS verbleibt je nach Behandlungsaufgabe zwischen 6 und 12 Monaten im Mund und wird in der Regel von Patienten gut toleriert.


TAD

Seit den 1990er Jahren eingeführte Methode, während kieferorthopädischer Behandlungen mit Hilfe von kleinen Titanschrauben einzelne Zähne oder Zahngruppen fest und unbeweglich im Knochen zu verankern. Risiken und Belastungen durch die Mini-Implantate sind denkbar gering. Ihr Einsatz hat die Kieferorthopädie verändert und wird das weiterhin tun, da mit diesen kleinen Schrauben auf einmal Behandlungsmöglichkeiten bestehen, an die man früher nicht einmal zu denken wagte. Ein häufiger Einsatzbereich ist nach dem Verlust eines Seitenzahns die Verankerung der vor der Lücke stehenden Zähne, um durch Vorbewegung der Seitenzähne die Lücke zu schließen. Inzwischen sind zahlreiche Lehrbücher zu den Mini-Implantaten erschienen und es werden viele Fortbildungskurse angeboten. Die Mini-Implantate haben das therapeutische Spektrum sehr erweitert und sind wahrscheinlich die wichtigste Innovation der letzten Jahre.


Temporomandibulaere Dysfunktion

Abkürzung von craniomandibuläre Dysfunktion, ein zusammenfassender Begriff für meist schmerzhafte Erkrankungen der Kaumuskeln und der Kiefergelenke. Es handelt sich bei etwa 75% um Muskelschmerzen und nur 25% Kiefergelenksschmerzen. CMD gehören wie die häufigeren Nacken-, Schulter und Rückenschmerzen in die Gruppe der muskuloskelettalen Schmerzen. Betroffen sind überwiegend Frauen im fruchtbaren Alter bis zur Menopause, weniger Männer. Auftreten bei Kindern selten, in der Pubertät und Adoleszenz zunehmend bis zu einem Altersgipfel mit etwa 40 Jahren, danach abnehmend. Neben Alter und Geschlecht sind vor allem zahlreiche psychische Faktoren als risikoerhöhend für CMD erkannt worden (Angst, Depression, posttraumatische Belastungsstörung u.a.) Zu einem gegebenen Zeitpunkt kann man bei 3-10% der Bevölkerung Symptome einer CMD feststellen, die jedoch meistens nicht behandlungsbedürftig sind. Der Behandlungsbedarf richtet sich ausschließlich nach der persönlichen Einschätzung der Betroffenen.

Symptome: Im Vordergrund stehen Schmerzen im Bereich der Wangen, Schläfen und des Gesichts. Muskelschmerzen äußern sich eher dumpf und schlecht lokalisierbar, während Kiefergelenksschmerzen in der Regel einen hellen, stechenden Charakter haben und gut lokalisierbar vor dem (oder im) Ohr empfunden werden. Zweitwichtigstes Symptom können Einschränkungen der Beweglichkeit des Unterkiefers sein. Früher oft überschätzt wurden die Gelenkgeräusche (Knacken, Reiben), die für sich genommen eher diagnostische Zeichen als eine eigene Erkrankung darstellen und kein Anlass für diagnostische oder therapeutische Bemühungen sein sollten.

Diagnostik: wichtigster Teil der Diagnostik ist die Erhebung einer ausführlichen, schmerzbezogenen Krankengeschichte, gefolgt von einer kurzen klinischen Untersuchung und einem Panoramaröntgenbild. Bei Hinweisen auf psychische Belastungsfaktoren sollte immer eine orientierende Untersuchung mit geigneten psychometrischen Fragebögen erfolgen. – Artikulatormontage, Computerdiagnostik und – Magnetresonanztomogramme sind in der Regel überflüssig, teuer und für den Patienten belastend und beunruhigend.

Therapie: CMD verschwinden bei den meisten Betroffenen auch ohne Therapie. Aus diesem Grund sollte die Therapie nur dazu dienen, den Patienten über den Berg zu helfen. Für fast alle therapeutischen Ansätze können Erfolge verzeichnet werden: um so mehr man anstellt, um so mehr Effekt kann verzeichnet werden. Die Therapie sollte daher nicht-invasiv, reversibel und möglichst einfacher und kostengünstiger Art sein. Diesen Ansprüchen genügen Aufklärung, Anleitung zur Selbsthilfe (Massage, Wärmeanwendung, spezifische und unspezifische Entspannungsverfahren), Physiotherapie, Aufbisschiene und geeignete Medikamente. Eine psychologische Schmerztherapie kann hinzukommen und hat sich als ebenso leistungsfähig oder besser erwiesen als mancher andere Therapieansatz. Grundsätzlich sind bei CMD größere Eingriffe an den Zähnen wie Erneuerung von Zahnersatz oder kieferorthopädische Behandlung keine geeigneten Therapieverfahren, sondern belasten die Patienten nur mit hohen Kosten und Risiken.

Prognose: CMD sind eine gutartige und selbstbegrenzende Erkrankung, die in der Regel ohne Therapie verschwindet. Betroffene sollten nicht beunruhigt sein und optimistisch auf die Selbstheilung vertrauen. In den seltenen Fällen von Chronifizierung sollte ein Schmerztherapeut oder ein mit Schmerztherapie vertrauter Arzt/Zahnarzt hinzugezogen werden.


Teuscher-Aktivator

Eine der zahlreichen Kombinationen des traditionellen – Aktivators mit einem daran angebrachten Hochzug-Headgear, der mit einer Kopfkappe verbunden ist. Der Teuscher-Aktivator wird vorwiegend nachts getragen, nur wenn möglich auch stundenweise tags. Der zunächst etwas befremdliche Hochzug erlaubt es, die Tragezeit erheblich zu reduzieren und selbst bei nächtlicher Mundatmung, die den normalen Aktivator ineffektiv macht, Behandlungsfortschritte zu erzielen. Entscheidend ist dabei nicht die spezielle Gestaltung des Teuscher-Aktivators, sondern der Hochzug. Wenn schon herausnehmbare bimaxilläre Apparate (Zahnspangen, die beide Kiefer zur Bissverschiebung umfassen) sein müssen, dann sollten sie doch in der Regel mit einem Hochzug verbunden werden. Dieser führt zur entscheidenden Effizienzsteigerung.


Tiefbiss

Tiefer Überbiss der Frontzähne in vertikaler Richtung. Führt dazu, dass die unteren Schneidezähne im zugebissenen Zustand weitgehend oder vollständig von den oberen Schneidezähnen überdeckt werden, häufig auch Einbiss der unteren Schneidezähne in den Gaumen, in extremen Fällen auch zum Einbiss der oberen Schneidezähne in das Zahnfleisch des Unterkiefers.


Tip-Edge Technik

Eine aus der Begg-Technik entwickelte Technik mit einem – Bracket, das einerseits kippende Zahnbewegungen wie bei der klassischen Begg-Technik ermöglicht, andererseits aber auch wie ein modernes, vollprogrammiertes Bracket benutzt werden kann. Das Tip-Edge Bracket hat eine kleine, treue Anhängerschaft, die diese Technik liebt. Arbeiten kann man damit ohne Zweifel, jedoch scheint die Mechanik des Kippens und Wiederaufrichtens aus heutiger Sicht etwas abenteuerlich. Es kann vermutet werden, dass die weiten Wege der Wurzelspitzen in diesen Fällen zu vermehrten Wurzelresorptionen führen. Darüber hinaus erscheint dem Nutzer der üblichen Straight-wire Technik der zusätzliche Gewinn dieser Technik schleierhaft. Wenn es einem Kieferorthopäden Freude macht und er damit gute Ergebnisse erzielt, ist gegen die Verwendung der Tip-Edge Technik allerdings nichts Substantielles einzuwenden.


TMA

Titan Molybden Alloy (TMA) des Herstellers Ormco ist eine Beta-Titanium Legierung aus den Metallen Titan und Molybden. Die Legierung wird gerne für die Herstellung kieferorthopädischer Drähte verwendet und hat etwa die Hälfte der Steifigkeit und damit der Kraftentfaltung des Stahls. Da das Patent vor kurzem ausgelaufen ist, bieten jetzt fast alle großen Hersteller kieferorthopädischer Produkte Beta-Titanium-Drähte an. Sie sind meist etwas teurer als Stahldrähte und gleichzeitig schwieriger zu verarbeiten, so dass sie nicht so häufig benutzt werden wie diese. Für zahlreiche Sonderaufgaben ist Beta-Titanium jedoch eine nützliche Erweiterung des Materialspektrums in der kieferorthopädischen Praxis.


TMD

Abkürzung von craniomandibuläre Dysfunktion, ein zusammenfassender Begriff für meist schmerzhafte Erkrankungen der Kaumuskeln und der Kiefergelenke. Es handelt sich bei etwa 75% um Muskelschmerzen und nur 25% Kiefergelenksschmerzen. CMD gehören wie die häufigeren Nacken-, Schulter und Rückenschmerzen in die Gruppe der muskuloskelettalen Schmerzen. Betroffen sind überwiegend Frauen im fruchtbaren Alter bis zur Menopause, weniger Männer. Auftreten bei Kindern selten, in der Pubertät und Adoleszenz zunehmend bis zu einem Altersgipfel mit etwa 40 Jahren, danach abnehmend. Neben Alter und Geschlecht sind vor allem zahlreiche psychische Faktoren als risikoerhöhend für CMD erkannt worden (Angst, Depression, posttraumatische Belastungsstörung u.a.) Zu einem gegebenen Zeitpunkt kann man bei 3-10% der Bevölkerung Symptome einer CMD feststellen, die jedoch meistens nicht behandlungsbedürftig sind. Der Behandlungsbedarf richtet sich ausschließlich nach der persönlichen Einschätzung der Betroffenen.

Symptome: Im Vordergrund stehen Schmerzen im Bereich der Wangen, Schläfen und des Gesichts. Muskelschmerzen äußern sich eher dumpf und schlecht lokalisierbar, während Kiefergelenksschmerzen in der Regel einen hellen, stechenden Charakter haben und gut lokalisierbar vor dem (oder im) Ohr empfunden werden. Zweitwichtigstes Symptom können Einschränkungen der Beweglichkeit des Unterkiefers sein. Früher oft überschätzt wurden die Gelenkgeräusche (Knacken, Reiben), die für sich genommen eher diagnostische Zeichen als eine eigene Erkrankung darstellen und kein Anlass für diagnostische oder therapeutische Bemühungen sein sollten.

Diagnostik: wichtigster Teil der Diagnostik ist die Erhebung einer ausführlichen, schmerzbezogenen Krankengeschichte, gefolgt von einer kurzen klinischen Untersuchung und einem Panoramaröntgenbild. Bei Hinweisen auf psychische Belastungsfaktoren sollte immer eine orientierende Untersuchung mit geeigneten psychometrischen Fragebögen erfolgen. – Artikulatormontage, Computerdiagnostik und – Magnetresonanztomogramme sind in der Regel überflüssig, teuer und für den Patienten belastend und beunruhigend.

Therapie: CMD verschwinden bei den meisten Betroffenen auch ohne Therapie. Aus diesem Grund sollte die Therapie nur dazu dienen, den Patienten über den Berg zu helfen. Für fast alle therapeutischen Ansätze können Erfolge verzeichnet werden: um so mehr man anstellt, um so mehr Effekt kann verzeichnet werden. Die Therapie sollte daher nicht-invasiv, reversibel und möglichst einfacher und kostengünstiger Art sein. Diesen Ansprüchen genügen Aufklärung, Anleitung zur Selbsthilfe (Massage, Wärmeanwendung, spezifische und unspezifische Entspannungsverfahren), Physiotherapie, Aufbisschiene und geeignete Medikamente. Eine psychologische Schmerztherapie kann hinzukommen und hat sich als ebenso leistungsfähig oder besser erwiesen als mancher andere Therapieansatz. Grundsätzlich sind bei CMD größere Eingriffe an den Zähnen wie Erneuerung von Zahnersatz oder kieferorthopädische Behandlung keine geeigneten Therapieverfahren, sondern belasten die Patienten nur mit hohen Kosten und Risiken.

Prognose: CMD sind eine gutartige und selbstbegrenzende Erkrankung, die in der Regel ohne Therapie verschwindet. Betroffene sollten nicht beunruhigt sein und optimistisch auf die Selbstheilung vertrauen. In den seltenen Fällen von Chronifizierung sollte ein Schmerztherapeut oder ein mit Schmerztherapie vertrauter Arzt/Zahnarzt hinzugezogen werden.


TPA

Auch Transpalatal Arch (TPA), ein die 1. Molaren im Oberkiefer über den Gaumen verbindendes Drahtelement. Der Gaumenbügel wird meistens aus 0,9mm starkem Stahldraht gefertigt und an speziellen Schlössern befestigt, die auf Bänder geschweißt sind. Mit dem Gaumenbügel können die 1. Molaren rotiert, gekippt, körperlich nach außen und in beschränktem Umfang auch nach hinten oder vorn bewegt werden. Der Gaumenbügel ist ein sehr effizientes Gerät, das seine Aufgaben erfüllt, ohne Ansprüche an die Mitarbeit zu stellen oder das tägliche Leben besonders zu beeinträchtigen.


Trans palatal arch

Auch Transpalatal Arch (TPA), ein die 1. Molaren im Oberkiefer über den Gaumen verbindendes Drahtelement. Der Gaumenbügel wird meistens aus 0,9mm starkem Stahldraht gefertigt und an speziellen Schlössern befestigt, die auf Bänder geschweißt sind. Mit dem Gaumenbügel können die 1. Molaren rotiert, gekippt, körperlich nach außen und in beschränktem Umfang auch nach hinten oder vorn bewegt werden. Der Gaumenbügel ist ein sehr effizientes Gerät, das seine Aufgaben erfüllt, ohne Ansprüche an die Mitarbeit zu stellen oder das tägliche Leben besonders zu beeinträchtigen.


Twinblock

Die letzte und vermutlich leistungsfähigste Weiterentwicklung der zahlreichen Doppelplatten. Diese sind im Prinzip in zwei Oberkiefer- und Unterkieferteile zerlegte – Aktivatoren, die genau wie diese den Unterkiefer meist nach vorne bringen, um einen Rückbiss (- Distalokklusion, Angle-Klasse II) zu behandeln. Die Doppelplatten sind dafür durch ein mechanisches Element zweckmäßig verbunden. Meistens sind dies stabile Metallsporne wie bei den älteren Platten mit Müller-Dornen oder der jüngeren – Vorschubdoppelplatte. Vorteil der Doppelplatten ist meistens eine etwas geringere Sprachbehinderung durch verringertes Volumen und die Tatsache, dass sie den Unterkiefer auch bei leichter Mundöffnung noch vorne halten können. Bei den Monoblöcken (- Aktivator, – Bionator etc.) sackt der Unterkiefer dagegen schnell nach hinten ab und macht diese wirkungslos. Beim Twinblock sind die verblockenden Elemente Teil des Plastikkörpers der Apparatur, die sich genau zwischen den Zahnreihen befinden und dort eine schiefe Ebene bilden. Der Twinblock ist grundsätzlich zum ganztägigen Tragen gedacht – außer Essen und Zähneputzen – und wird oft auch wochenlang fest eingesetzt. Wenn ein behandeltes Kind das Gerät tatsächlich trägt, ist der Twinblock annähernd so effektiv wie das – Herbst-Scharnier. Leider tragen 30-50% der Kinder diese Geräte nicht wie angewiesen, so dass der Twinblock im wirklichen Leben nicht an die Wirkung der festsitzenden Apparate vom Herbst-Typ heranreicht. Trotzdem gehört er wohl zu den wenigen herausnehmbaren Zahnspangen, die man auch heute noch guten Gewissens einsetzen kann.


Überbiss

Überbeissen der oberen Schneidezähne über die unteren in horizontaler und vertikaler Richtung. Die normalen Werte für den Überbiss in beiden Richtungen bewegen sich zwischen 2 und 4mm. Ein großer horizontaler Überbiss ist ein Ausdruck eines Rückbisses des Unterkiefer (- Distalokklusion, Angle-Klasse II), ein verringerter oder gar verkehrter horizontaler Überbiss Ausdruck eines Vorbisses des Unterkiefers (- Mesialokklusion, Angle-Klasse III). Ein vergrößerter vertikaler Überbiss wird als Tiefbiss, ein verringerter oder negativer Überbiss als offener Biss.


Van Beek-Aktivator

Eine der vielen Kombinationen des guten, alten – Aktivators mit einem daran angebrachten Hochzug-Headgear, der mit einer Kopfkappe verbunden ist. Der Van Beek-Aktivator wird vorwiegend nachts getragen, nur wenn möglich auch stundenweise tags. Der zunächst etwas befremdliche Hochzug erlaubt es, die Tragezeit erheblich zu reduzieren und selbst bei nächtlicher Mundatmung, die den normalen Aktivator ineffektiv macht, Behandlungsfortschritte zu erzielen. Entscheidend ist dabei nicht die spezielle Gestaltung des van Beek-Aktivators, sondern der Hochzug. Wenn schon herausnehmbare bimaxilläre Apparate (Zahnspangen, die beide Kiefer zur Bissverschiebung umfassen) sein müssen, dann sollten sie doch in der Regel mit einem Hochzug verbunden werden. Dieser führt zur entscheidenden Effizienzsteigerung.


VDP

Eine der jüngeren Entwicklungen der zahlreichen Doppelplatten. Diese sind im Prinzip in Oberkiefer- und Unterkieferteil zerlegte – Aktivatoren, die genau wie diese den Unterkiefer meist nach vorne bringen, um einen Rückbiss (- Distalokklusion, Angle-Klasse II) zu behandeln. Die Doppelplatten sind dafür durch irgendein mechanisches Element in geeigneter Weise verbunden. Meistens sind dies kräftige Metallsporne wie bei den älteren Platten mit Müller-Dornen oder der jüngeren Vorschubdoppelplatte. Vorteil der Vorschubdoppelplatten ist meistens eine etwas geringere Sprachbehinderung durch verringertes Volumen und die Tatsache, dass sie den Unterkiefer auch bei leichter Mundöffnung noch vorne halten können. Bei den Monoblöcken (- Aktivator, – Bionator etc.) sackt der Unterkiefer dagegen schnell nach hinten ab und macht diese wirkungslos. Unter Umständen auch heute noch ein akzeptables Gerät, besonders, wenn es mit einem Hochzug-Headgear kombiniert wird.


Vorbiss

Vorbiss des Unterkiefers, oft verbunden mit einer Unterentwicklung des Oberkiefers oder gar des ganzen Mittelgesichts sowie mit einem – Kreuzbiss (verkehrten Überbiss) der Frontzähne. Die Progenie ist eine erbliche Abweichung, die in leichten bis mittelgradigen Formen bei Behandlungsbeginn im Kinder- und Jugendalter mit einiger Erfolgsaussicht konservativ behandelt werden kann. Hauptsächliches Behandlungsmittel ist die – Gesichtsmaske (oder Delaire-Maske) und bei schmalem Oberkiefer die – Gaumennahterweiterung. Der Behandlungserfolg ist vor allem vom weiteren Wachstum abhängig, das weder prognostizierbar noch nachhaltig beeinflussbar ist. Eine ausgeprägte Progenie ist dagegen nur mit Hilfe der – Dysgnathiechirurgie sinnvoll zu behandeln. Auch wenn die Progenie eine imposante Abweichung vom Durchschnittsgesicht ist, stellt sie doch kein gesundheitliches Risiko dar. Träger einer Progenie können mit diesem Merkmal alt und glücklich werden. Der Behandlungsbedarf richtet sich allein danach, in wie weit sich die Betroffenen ästhetisch oder funktionell eingeschränkt fühlen. Vollkommen unangemessen wäre es, wenn – Kieferorthopäden von sich aus versuchen, Progeniker zu einer Behandlung zu drängen.


Vorschubdoppelplatten

Eine der jüngeren Entwicklungen der zahlreichen Doppelplatten. Diese sind im Prinzip in Oberkiefer- und Unterkieferteil zerlegte Aktivatoren, die genau wie diese den Unterkiefer meist nach vorne bringen, um einen Rückbiss (- Distalokklusion, Angle-Klasse II) zu behandeln. Die Doppelplatten sind dafür durch irgendein mechanisches Element in geeigneter Weise verbunden. Meistens sind dies kräftige Metallsporne wie bei den älteren Platten mit Müller-Dornen oder der jüngeren Vorschubdoppelplatte. Vorteil der Vorschubdoppelplatten ist meistens eine etwas geringere Sprachbehinderung durch verringertes Volumen und die Tatsache, dass sie den Unterkiefer auch bei leichter Mundöffnung noch vorne halten können. Bei den Monoblöcken (- Aktivator, – Bionator etc.) sackt der Unterkiefer dagegen schnell nach hinten ab und macht diese wirkungslos. Unter Umständen auch heute noch ein akzeptables Gerät, besonders, wenn es mit einem Hochzug-Headgear kombiniert wird.


Wurzelresorption

Wurzelresorptionen sind Einschmelzungen der Zahnwurzeln, die sich als kleine, begrenzte Vertiefungen (Lochfraß) oder als das verschwinden kompletter Wurzelspitzen äußern können. Sie können auch im natürlichen, unbehandelten Gebiss auftreten, sind jedoch vor allem eine regelmäßige Begleiterscheinung kieferorthopädischer Behandlungen. Zum Teil werden die Wurzelresorptionen wieder repariert, größere Defekte bleiben jedoch nach der Behandlung bestehen. Die meisten Wurzelresorptionen sind so klein, dass sie im Panoramaröntgenbild nicht wahrnehmbar sind und nie im Leben durch irgendwelche Schadfolgen auffallen. Bei etwa 20% der kieferorthopädisch behandelten Patienten sind bei genauem Nachsehen Veränderungen im Panoramaröntgenbild zu erkennen. Diese werden jedoch nur sehr selten im späteren Leben relevant. Zahnverluste durch Wurzelresorptionen können theoretisch vorkommen, sind jedoch in der gesamten wissenschaftlichen Literatur extrem selten beschrieben. Die hauptsächlich bekannten Risikofaktoren sind neben einer erblichen Disposition die Behandlungszeit und die Länge des Wegs, den die Wurzeln zurücklegen müssen. Es ist aber nie gelungen, schlüssig die ursächliche Wirkung bestimmter kieferorthopädischer Geräte oder Behandlungsverfahren nachzuweisen.


Zungenspikes

Festsitzende, spitze Metallelemente, die an der Innenseite meist der unteren Schneidezähne angebracht werden, um die Zunge von Einlagerung zwischen die Zähne abzuhalten. Diese Zungenhaltung führt oft zu einem vorn offenen Biss, der schwer zu behandeln und noch schwerer anschließend zu stabilisieren ist. Zum Glück können die meisten Betroffenen mit ihrem offenen Biss aber sehr gut leben. Nur ein extrem offener Biss ist beeinträchtigend, weil die Patienten nur mit den Backenzähnen abbeißen können und ernsthaft beim Kauen behindert sind. Die Zungenspikes sind im besten Sinn ein funktionskieferorthopädisches Behandlungsmittel. Anders als man vermuten könnte, kommen Verletzungen der Zunge mit Spikes praktisch nicht vor, weil die Zunge reflexhaft den Kontakt vermeidet. Ob sie einen bleibenden Effekt haben, muss noch untersucht werden. Zumindestens sind sie ein viel versprechendes Behandlungsmittel, das nicht auf Mitarbeit angewiesen ist.