2011

Feste Spange

Die festsitzende Zahnspange, bestehend aus aufgeklebten – Brackets und gelegentlich auch zementierten – Bändern. Die MB-Apparatur ist das kieferorthopädische Gerät per se, mit dem sich die meisten kieferorthopädischen Behandlungen in minimaler Zeit, mit minimaler Belastung der Patienten und mit den besten Ergebnissen lösen lassen. Vorurteile gegen die MB-Apparatur bestehen vor allem in Deutschland aus der dunklen Zeit der – Funktionskieferorthopädie, als man glaubte, dass herausnehmbare Geräte “irgendwie” gesünder, ganzheitlicher oder menschenfreundlicher wären. Die MB-Apparatur gibt es seit etwa 1900, und sie ist stetig weiterentwickelt worden. Moderne MB-Apparaturen sind komfortabler, hygienischer und in ihrer Wirkungsweise sanfter als die frühen Apparaturen. Trotzdem können bei schlechter Zahnpflege Entkalkungen des Zahnschmelzes und unvermeidlich gelegentlich auch – Wurzelresorptionen durch die Behandlung entstehen. Die letzten Entwicklungen sind die Einführung des vollprogrammierten Brackets, das dem Behandler viel Handarbeit erspart, und die Entwicklung der sogenannten selbstligierenden Brackets (- Speed, – Damon, In-Ovation etc.) Sicher ist, dass diese Brackets die Zeit erheblich verkürzen, die der Patient auf dem Zahnarztstuhl verbringen muss. Darüber hinaus gehende Effekte wie Beschleunigung der Behandlungen und weniger Schmerzen konnten bisher in Studien nicht bestätigt werden, sind aber stets beliebte Verkaufsargumente für selbstligierende Brackets.


FRS

Abgekürzte Bezeichnung von Cephalogramm, dem seitlichen Röntgenbild des Schädels. Auf deutsch meistens unglücklicherweise als Fernröntgenbild seitlich (FRS) bezeichnet, was international unverständlich ist. Das Ceph war enorm wichtig, um das Schädel- und Gesichtswachstum und die Behandlungseffekte kieferorthopädischer Apparate zu studieren. Aus dem letzten Grund spielt es auch in der Ausbildung von Kieferorthopäden eine große Rolle, denn mit dem Ceph können angehende Kieferorthopäden detailliert die Wirkung ihrer Behandlungen überprüfen. Für den erfahrenen Kieferorthopäden ist das Ceph allerdings in den meisten Fällen bedeutungslos und sollte daher schon aus Gründen des Strahlenschutzes weggelassen werden. Leider ist es wider alle Vernunft vielerorts noch üblich, für jede Behandlung auch einfachster Art mindestens ein Ceph anzufertigen. Das Sammeln zahlloser Daten ist jedoch nicht mit Sorgfalt zu verwechseln: wirklich interessant sind nur solche Daten, die die therapeutischen Entscheidungen beeinflussen. Das ist für das Ceph jedoch in der Regel nicht der Fall, wie in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen werden konnte.


Funktionskieferorthopaedie

Ursprünglich die von V. Andresen 1935 publizierte Behandlung mit dem Aktivator, die später um eine unüberschaubare Zahl von Aktivator-Klonen (- Bionator, -Gebissformer, – Kinetor, – Funktionsregler etc.) erweitert wurde. Grundprinzip ist, dass eine beide Kiefer umfassende, herausnehmbare Doppelspange eingesetzt wird, mit der der Unterkiefer verschoben wird, in der Regel nach vorn zur Behandlung des Rückbisses (Distalokklusion, Angle-Klasse II). Andresen glaubte, ein fundamental neues, “biologisches” Wirkprinzip gefunden zu haben. Anders als bei den bis dahin üblichen Zahnspangen, die stets mechanische Wirkprinzipien hatten, sollte bei der Funktionskieferorthopädie der Einsatz von körpereigenen Kräften zu einer Art ganzheitlicher Gesundung führen. Darüber hinaus glaubte er wie seine Nachfolger, dass mit Funktionskieferorthopädie das Wachstum des Untergesichts, besonders des Unterkiefers beeinflusst werden könne. Im nationalsozialistischen Deutschland fielen Andresens Hypothesen auf fruchtbaren Boden, weil sie gut in die Bemühungen des Staates passten, eine “Neue Deutsche Heilkunde” der wissenschaftlichen Medizin gegenüberzustellen. In der Sprache dieser Zeit forderte Andresen, die althergebrachte “Orthodontie” auszurotten und durch die Funktionskieferorthopädie zu ersetzen. Die Funktionskieferorthopädie dominierte daraufhin für fast 50 Jahre die Kieferorthopädie in Deutschland und einigen europäischen Nachbarländern und führte zu einer vollkommenen Spaltung mit der Kieferorthopädie z.B. in den USA. Leider hat sich inzwischen gezeigt, dass Andresens Hypothesen durch die Bank falsch sind: der Aktivator wirkt über eine mechanische Verblockung der Zahnreihen auf Kiefergelenke und Zähne ein. Beiden Strukturen ist gemeinsam, dass sie nicht unterscheiden können, ob diese Einwirkung von einer Maschine aus Metall oder einem Plastikklotz erzeugt wird. Ein besonders, neues Prinzip ist die Funktionskieferorthopädie also keineswegs. Noch enttäuschender ist, dass die Beeinflussung des Unterkieferwachstums mit Aktivatoren und ähnlichen Geräten nur temporär möglich ist, die Effekte auf lange Sicht aber wieder verschwinden. Das ist ein äußerst bedeutender Befund, denn die Idee der Wachstumsbeeinflussung war überhaupt der Anlass, den älteren Begriff “Orthodontie” durch den jüngeren Begriff “Kieferorthopädie” ersetzen. Inzwischen wissen wir, dass der Begriff Kieferorthopädie, der mit der Funktionskieferorthopädie eingeführt wurde, irreführend und falsch ist. Er sollte wieder durch den korrekten Begriff Orthodontie ersetzt werden.


Funktionsregler

Unter den zahllosen herausnehmbaren Zahnspangen, die mit dem Wirkprinzip des – Aktivators arbeiten, ist der Funktionsregler eine Besonderheit, weil er nur aus Plastikschilden im Mundvorhof und Drahtelementen besteht. Die erste Publikation erfolgte im Jahr 1962. Der allgemein hoch respektierte und äußerst redliche Erfinder Rolf Fränkel ist der einzige unter den großen alten Männern der deutschen Kieferorthopädie, der sich die Mühe gemacht hat, Englisch zu lernen und mit seinen Studien regelmäßig auf europäischen und amerikanischen Kongressen aufzutreten. Dies ist um so höher zu bewerten, als dass Fränkel in der damaligen DDR residierte, keinen Universitätsposten hatte und von den dortigen Machthabern nicht gerade Unterstützung erfuhr.

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Funktionsregler nach Fraenkel

Unter den zahllosen herausnehmbaren Zahnspangen, die mit dem Wirkprinzip des – Aktivators arbeiten, ist der Funktionsregler eine Besonderheit, weil er nur aus Plastikschilden im Mundvorhof und Drahtelementen besteht. Der allgemein hoch respektierte und äußerst redliche Erfinder R. Fränkel ist der einzige unter den großen alten Männern der deutschen Kieferorthopädie, der sich die Mühe gemacht hat, Englisch zu lernen und mit seinen Studien regelmäßig auf europäischen und amerikanischen Kongressen aufzutreten. Dies ist um so höher zu bewerten, als dass Fränkel in der damaligen DDR residierte und von den dortigen Machthabern nicht gerade Unterstützung erfuhr. Die auffallend guten Ergebnisse seiner Studien erklären sich jedoch durch die bewusste Auswahl besonders guter Fälle, wie es bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts in der Kieferorthopädie durchaus üblich war. Aus diesem Grund konnten diese Ergebnisse bei zahlreichen späteren Studien anderer Autoren auch nicht reproduziert werden. Insgesamt kann vom Funktionsregler nichts anderes gesagt werden als vom Aktivator: es ist ein hochgradig beeinträchtigendes, schwach effektives Gerät. Behandlungen mit dem Funktionsregler dauern ein Vielfaches üblicher kieferorthopädischer Behandlungszeiten, ohne dass ein besonderer Mehrnutzen nachgewiesen werden kann. Der Funktionsregler muss daher als veraltet bezeichnet werden und sollte heute keinem Kind mehr zugemutet werden.


Gaumenbuegel

Auch Transpalatal Arch (TPA), ein die 1. Molaren im Oberkiefer über den Gaumen verbindendes Drahtelement. Der Gaumenbügel wird meistens aus 0,9mm starkem Stahldraht gefertigt und an speziellen Schlössern befestigt, die auf Bänder geschweißt sind. Mit dem Gaumenbügel können die 1. Molaren rotiert, gekippt, körperlich nach außen und in beschränktem Umfang auch nach hinten oder vorn bewegt werden. Der Gaumenbügel ist ein sehr effizientes Gerät, das seine Aufgaben erfüllt, ohne Ansprüche an die Mitarbeit zu stellen oder das tägliche Leben besonders zu beeinträchtigen.


Gaumennahterweiterung

Festsitzende Apparatur zur skelettalen Verbreiterung des Oberkiefers, Erstpublikation 1877 durch Angell in den USA. Der Autor wurde jedoch nicht ernst genommen, die Möglichkeit der Gaumennahterweiterung (GNE) wurde bestritten und das Verfahren erst einmal für Jahrzehnte vergessen. Nach 1945 durch Haas, Timms, Derichsweiler wieder entdeckt, hat sich die GNE inzwischen im Fach ihren unersetzlichen Platz gesichert. Der Apparat wird meistens an Bändern an den 1. Molaren und den 1. Prämolaren befestigt, seit neuestem auch an alle Seitenzähnen umfassenden Plastikschienen. Die sehr steife Apparatur ist mit einer Dehnschraube in der Mitte versehen, mit der die beiden Hälften des Oberkiefers in zwei bis acht Wochen bis zu 10 Millimeter auseinandergedrückt werden können. In der Mitte bildet sich dann zuverlässig neuer Knochen, so dass die GNE vielleicht das einzige wirklich orthopädische Gerät in der Kieferorthopädie ist. Der Einsatz der GNE ist sehr oft sinnvoll, weil viele Patienten in der Kieferorthopädie einen zu schmalen Oberkiefer aufweisen. Die mit der GNE erzielte Verbreiterung ist skelettal, also durch neu gebildeten Knochen bewirkt, während die mit herausnehmbaren Zahnspangen erzielte Wirkung meist nur eine Außenkippung der Seitenzähne ist, die nicht stabil bleiben kann. Die GNE hat viele gesundheitliche Nebeneffekte, die alle auf der Verbesserung der Nasenatmung beruhen: weniger Erkältung/Kieferhöhlenprobleme, Verbesserung der Belüftung des Innenohrs über die Eustachische Röhre mit Besserung von Ohrsymptomen, Verbesserung der Schlafqualität, Verbesserung des Bettnässens. Es gibt keine andere kieferorthopädische Apparatur mit einer derartig “ganzheitlichen” Wirkung und keine zweite, die ein derartig gutes Verhältnis von Aufwand und Nutzen hat.


Gesichtsmaske

Von J. Delaire und H. Petit in Frankreich entwickeltes, extraorales Gerät zur Behandlung der – Progenie (Unterkiefer-Vorbiss) bei Kindern und – eingeschränkt – Jugendlichen. Besteht aus zwei auf der Stirn und dem Kinn aufliegenden Pelotten, die durch kräftige Drähte verbunden sind. Von diesen werden starke Elastikzüge auf eine im oberen Zahnbogen fest eingesetzte Verankerungsapparatur gehängt, die den Oberkiefer und die oberen Zähne nach vorne bewegen. Gleichzeitig wird das Wachstum des Unterkiefers etwas gehemmt. Das Gerät sieht gewöhnungsbedürftig aus, wird aber nur zu Hause getragen und von Kindern meist recht gut akzeptiert. Es ist das effektivste Behandlungsmittel bei der Progenie und hat keine echten Alternativen.


Gnathologie

In der Wortbedeutung Lehre vom Kiefer, Teil der Zahnmedizin, der sich mit der Funktion und Dysfunktion des stomatognathen Systems befasst, also mit Zähnen, Parodontium, Kiefern, Kaumuskulatur und Kiefergelenken. So gesehen ist die gesamte Zahnmedizin Gnathologie. Historisch steht Gnathologie jedoch auch für eine Welle stark technisch und mechanistisch ausgerichteter Zahnmedizin, die viele unsinnige, aufwändige und teure Konzepte in die Zahnmedizin gebracht hat. Dieser Spuk begann etwa um 1960 in den USA, verbreitete sich weltweit und erreichte seinen Höhepunkt im Lauf der 70er Jahre. Seitdem ist die Euphorie um diesen schillernden Begriff jedoch stark abgeebbt. Auch heute noch behaupten einige Zahnärzte von sich, Gnathologen zu sein, wobei oft nicht recht klar ist, was damit eigentlich gemeint sein soll. Hier sollte genau nachgefragt werden.


Headgear

An den Zähnen verankerter, herausnehmbarer Außenbogen, der mit einem Nackenzug oder einer Kopfkappe verbunden wird, um Kraft auf den Oberkiefer und die oberen Zähne zu übertragen. Der Headgear zieht die oberen Zähne nach hinten und schafft damit einerseits Platz im Kiefer für eng stehende Frontzähne, andererseits wird damit gleichzeitig eine Wachstumshemmung des Oberkiefers erreicht, was bei der – Distalokklusion (Rückbiss, Angle-Klasse II) erwünscht ist. Es ist ein ebenso altes wie wirksames Gerät, wenn es denn getragen wird. Leider ist es bei Patienten nicht unbedingt beliebt und teilt damit einige Schwächen herausnehmbarer Geräte: Abhängigkeit von der Mitarbeit, Nichteinhalten der Tragezeit und darauf folgende Misserfolge.


Herbst-Scharnier

Von E. Herbst 1934 publiziertes, festsitzendes Gerät zur Bissverschiebung bei der – Distalokklusion (Rückbiss, Angle-Klasse II), bestehend aus Metallverankerungen in beiden Zahnbögen, die durch stabile Teleskope verbunden sind. Das Herbst-Scharnier wurde nach der Erstpublikation für Jahrzehnte vergessen und erst in den 1970er Jahren durch H. Pancherz wiederentdeckt. Durch seine Studien, inzwischen aber auch die zahlreicher anderer Autoren, ist das Herbst-Scharnier eines der am besten untersuchten Zahnspangen überhaupt und weltweit verbreitet. Durch die Teleskope des Scharniers wird der Unterkiefer 5-7mm nach vorn gezwungen, was eine Zahnbewegungen in beiden Kiefern, eine leichte Hemmung des Oberkieferwachstums und eine leichte Beschleunigung des Unterkieferwachstums auslöst. Eine dauerhafte Veränderung von Größe und Lage der Kiefer ist mit dem Herbst-Scharnier genauso wenig möglich wie mit dem – Aktivator. Das Scharnier bleibt normalerweise zwischen 6 und 12 Monaten im Mund. Anschließend muss in aller Regel die Verzahnung mit einer – MB-Apparatur (feste Spange mit – Brackets) korrekt eingestellt werden. Sehr effektive Apparatur und Vorbild einer ganzen Serie von Nachahmerentwicklungen (Herbst-Klonen). Einige dieser Herbst-Klone sind noch effizienter als das Herbst-Scharnier, weil sie gemeinsam mit der MB-Apparatur benutzt werden können und damit für noch kürzere Behandlungszeiten sorgen.