2011

Überbiss

Überbeissen der oberen Schneidezähne über die unteren in horizontaler und vertikaler Richtung. Die normalen Werte für den Überbiss in beiden Richtungen bewegen sich zwischen 2 und 4mm. Ein großer horizontaler Überbiss ist ein Ausdruck eines Rückbisses des Unterkiefer (- Distalokklusion, Angle-Klasse II), ein verringerter oder gar verkehrter horizontaler Überbiss Ausdruck eines Vorbisses des Unterkiefers (- Mesialokklusion, Angle-Klasse III). Ein vergrößerter vertikaler Überbiss wird als Tiefbiss, ein verringerter oder negativer Überbiss als offener Biss.


Van Beek-Aktivator

Eine der vielen Kombinationen des guten, alten – Aktivators mit einem daran angebrachten Hochzug-Headgear, der mit einer Kopfkappe verbunden ist. Der Van Beek-Aktivator wird vorwiegend nachts getragen, nur wenn möglich auch stundenweise tags. Der zunächst etwas befremdliche Hochzug erlaubt es, die Tragezeit erheblich zu reduzieren und selbst bei nächtlicher Mundatmung, die den normalen Aktivator ineffektiv macht, Behandlungsfortschritte zu erzielen. Entscheidend ist dabei nicht die spezielle Gestaltung des van Beek-Aktivators, sondern der Hochzug. Wenn schon herausnehmbare bimaxilläre Apparate (Zahnspangen, die beide Kiefer zur Bissverschiebung umfassen) sein müssen, dann sollten sie doch in der Regel mit einem Hochzug verbunden werden. Dieser führt zur entscheidenden Effizienzsteigerung.


VDP

Eine der jüngeren Entwicklungen der zahlreichen Doppelplatten. Diese sind im Prinzip in Oberkiefer- und Unterkieferteil zerlegte – Aktivatoren, die genau wie diese den Unterkiefer meist nach vorne bringen, um einen Rückbiss (- Distalokklusion, Angle-Klasse II) zu behandeln. Die Doppelplatten sind dafür durch irgendein mechanisches Element in geeigneter Weise verbunden. Meistens sind dies kräftige Metallsporne wie bei den älteren Platten mit Müller-Dornen oder der jüngeren Vorschubdoppelplatte. Vorteil der Vorschubdoppelplatten ist meistens eine etwas geringere Sprachbehinderung durch verringertes Volumen und die Tatsache, dass sie den Unterkiefer auch bei leichter Mundöffnung noch vorne halten können. Bei den Monoblöcken (- Aktivator, – Bionator etc.) sackt der Unterkiefer dagegen schnell nach hinten ab und macht diese wirkungslos. Unter Umständen auch heute noch ein akzeptables Gerät, besonders, wenn es mit einem Hochzug-Headgear kombiniert wird.


Vorbiss

Vorbiss des Unterkiefers, oft verbunden mit einer Unterentwicklung des Oberkiefers oder gar des ganzen Mittelgesichts sowie mit einem – Kreuzbiss (verkehrten Überbiss) der Frontzähne. Die Progenie ist eine erbliche Abweichung, die in leichten bis mittelgradigen Formen bei Behandlungsbeginn im Kinder- und Jugendalter mit einiger Erfolgsaussicht konservativ behandelt werden kann. Hauptsächliches Behandlungsmittel ist die – Gesichtsmaske (oder Delaire-Maske) und bei schmalem Oberkiefer die – Gaumennahterweiterung. Der Behandlungserfolg ist vor allem vom weiteren Wachstum abhängig, das weder prognostizierbar noch nachhaltig beeinflussbar ist. Eine ausgeprägte Progenie ist dagegen nur mit Hilfe der – Dysgnathiechirurgie sinnvoll zu behandeln. Auch wenn die Progenie eine imposante Abweichung vom Durchschnittsgesicht ist, stellt sie doch kein gesundheitliches Risiko dar. Träger einer Progenie können mit diesem Merkmal alt und glücklich werden. Der Behandlungsbedarf richtet sich allein danach, in wie weit sich die Betroffenen ästhetisch oder funktionell eingeschränkt fühlen. Vollkommen unangemessen wäre es, wenn – Kieferorthopäden von sich aus versuchen, Progeniker zu einer Behandlung zu drängen.


Vorschubdoppelplatten

Eine der jüngeren Entwicklungen der zahlreichen Doppelplatten. Diese sind im Prinzip in Oberkiefer- und Unterkieferteil zerlegte Aktivatoren, die genau wie diese den Unterkiefer meist nach vorne bringen, um einen Rückbiss (- Distalokklusion, Angle-Klasse II) zu behandeln. Die Doppelplatten sind dafür durch irgendein mechanisches Element in geeigneter Weise verbunden. Meistens sind dies kräftige Metallsporne wie bei den älteren Platten mit Müller-Dornen oder der jüngeren Vorschubdoppelplatte. Vorteil der Vorschubdoppelplatten ist meistens eine etwas geringere Sprachbehinderung durch verringertes Volumen und die Tatsache, dass sie den Unterkiefer auch bei leichter Mundöffnung noch vorne halten können. Bei den Monoblöcken (- Aktivator, – Bionator etc.) sackt der Unterkiefer dagegen schnell nach hinten ab und macht diese wirkungslos. Unter Umständen auch heute noch ein akzeptables Gerät, besonders, wenn es mit einem Hochzug-Headgear kombiniert wird.


Wurzelresorption

Wurzelresorptionen sind Einschmelzungen der Zahnwurzeln, die sich als kleine, begrenzte Vertiefungen (Lochfraß) oder als das verschwinden kompletter Wurzelspitzen äußern können. Sie können auch im natürlichen, unbehandelten Gebiss auftreten, sind jedoch vor allem eine regelmäßige Begleiterscheinung kieferorthopädischer Behandlungen. Zum Teil werden die Wurzelresorptionen wieder repariert, größere Defekte bleiben jedoch nach der Behandlung bestehen. Die meisten Wurzelresorptionen sind so klein, dass sie im Panoramaröntgenbild nicht wahrnehmbar sind und nie im Leben durch irgendwelche Schadfolgen auffallen. Bei etwa 20% der kieferorthopädisch behandelten Patienten sind bei genauem Nachsehen Veränderungen im Panoramaröntgenbild zu erkennen. Diese werden jedoch nur sehr selten im späteren Leben relevant. Zahnverluste durch Wurzelresorptionen können theoretisch vorkommen, sind jedoch in der gesamten wissenschaftlichen Literatur extrem selten beschrieben. Die hauptsächlich bekannten Risikofaktoren sind neben einer erblichen Disposition die Behandlungszeit und die Länge des Wegs, den die Wurzeln zurücklegen müssen. Es ist aber nie gelungen, schlüssig die ursächliche Wirkung bestimmter kieferorthopädischer Geräte oder Behandlungsverfahren nachzuweisen.


Zungenspikes

Festsitzende, spitze Metallelemente, die an der Innenseite meist der unteren Schneidezähne angebracht werden, um die Zunge von Einlagerung zwischen die Zähne abzuhalten. Diese Zungenhaltung führt oft zu einem vorn offenen Biss, der schwer zu behandeln und noch schwerer anschließend zu stabilisieren ist. Zum Glück können die meisten Betroffenen mit ihrem offenen Biss aber sehr gut leben. Nur ein extrem offener Biss ist beeinträchtigend, weil die Patienten nur mit den Backenzähnen abbeißen können und ernsthaft beim Kauen behindert sind. Die Zungenspikes sind im besten Sinn ein funktionskieferorthopädisches Behandlungsmittel. Anders als man vermuten könnte, kommen Verletzungen der Zunge mit Spikes praktisch nicht vor, weil die Zunge reflexhaft den Kontakt vermeidet. Ob sie einen bleibenden Effekt haben, muss noch untersucht werden. Zumindestens sind sie ein viel versprechendes Behandlungsmittel, das nicht auf Mitarbeit angewiesen ist.