Invisalign (USA 1997, Deutschland 2001)

Im Jahr 1997 wurde die Firma Align Technology in den USA gegründet. Die Idee kam von Z. Chisthi, der bemerkt hatte, dass sich seine Zähne nach abgeschlossener kieferorthopädischer Behandlung immer wieder schnell verschoben, wenn er seine herausnehmbaren Folienretainer nicht trug. Ebenso leicht wurden sie aber wieder gerade, wenn er die Folienretainer regelmäßig einsetzte. Chisthi hatte die Idee, dieses Prinzip für eine ganze kieferorthopädische Behandlung anzuwenden: Zahnbewegung nur mit dünnen, transparenten Folien. Mit Hilfe von Investoren wurde daraufhin Align Technology gegründet und das Invisalign System von einfachen Anfängen bis zur Perfektion entwickelt. Im Jahr 1999 erfolgte die Vorstellung der Invisalign-Therapie auf dem Kongress der US-Kieferorthopäden AAO durch R. Boyd.

Die Innovation von Align Technology war, dass mit einem einzigen Abdruck der Zähne computergestützt mit CAD/CAM-Technologie eine ganze Serie von Modellen bis zum gewünschten Schlussergebnis erstellt werden konnte. Mit diesen Modellen konnte dann eine beliebig große Serie von Alignern für einen Patienten hergestellt werden, ohne dass neue Abdrucknahmen erforderlich wurden. Da die Modelle zur Herstellung der Aligner tatsächlich physisch vorhanden sind, ist die Herstellung von Ersatzalignern leicht möglich. Die Align-eigene Software ClinCheck ermöglicht dem Kieferorthopäden eine realistische Planung der Behandlung bis hin zu kleinen Details. Dafür ist es wichtig, den ClinCheck am Computerbildschirm genau anzusehen. Die Behandlungssimulation kann auch mit dem Patienten gemeinsam diskutiert oder auch per E-mail zugeschickt werden. Änderungen der Behandlungsplanung sind vor der Herstellung der Aligner leicht möglich. Align bietet die Möglichkeit der Behandlungsänderung während der Behandlung zu relativ niedrigen Kosten (mid course correction) und mehrere Sätze kostenloser Korrektur-Aligner am Ende der Behandlung (case refinement). Ein case-refinement ist bei mehr als der Hälfte der Invisalign-Patienten notwendig, um ein gutes Ergebnis zu erreichen, ein zweites dagegen nur bei vielleicht 10%. Dies liegt auch bei erwachsenen Patienten daran, dass die Aligner oft nicht ausreichend getragen werden. Ausreichende Mitarbeit ist entscheidend für ein erfolgreiche Behandlung mit Invisalign.

Invisalign hat auch zahlreiche sogenannte Attachments – kleine auf die Zähne aufgeklebte, zahnfarbene Buckel – entwickelt, um schwierige Zahnbewegungen wie Rotationen runder Zähne oder Wurzelbewegungen zu ermöglichen. Besonders die zuletzt entwickelten SmartForce-Attachments ermöglichen eine gewisse Wurzelkontrolle und, wenn auch weniger gut vorhersagbar, auch vertikale Zahnbewegungen. Für die Behandlung tiefer Bisse gibt es spezielle Frontaufbisse an den oberen Alignern. Die neueste Entwicklung sind flügelartige Extensionen an den Alignern im Backenzahnbereich, die den Unterkiefer beim Zubeissen nach vorn gleiten lassen. Diese sollen zur Korrektur des Rückbisses im Wachstumsalter dienen. Align hat sogar einen eigenen 3D-Scanner auf den Markt gebracht. Der Itero®-Scanner ist ein solides Mittelklassegerät, das natürlich hervorragend mit dem Align-System harmoniert, und sogar realistische 3D-Behandlungssimulationen in Minutenschnelle ermöglicht.

Invisalign ist durch stetige Innovation das führende Aligner-System am Markt und erlaubt die Behandlung auch relativ komplexer Fälle. Zu bedenken ist dabei jedoch, dass die Behandlungen zu komplexer Befunde zu überlanger Behandlungsdauer und eingeschränkter Ergebnisqualität führen kann – im schlimmsten Fall sogar zu beidem. Hier ist Erfahrung und Augenmaß gefragt, um gemeinsam mit den Patienten eine optimale Lösung zu finden.

So faszinierend das computergestützte Invisalign-System ist, so unglücklich ist es, dass Align ein US-Patent dafür erreichen konnte, mehr als drei Aligner aus einem Abdruck herzustellen. Dabei war dazu bereits lange vor dem Auftauchen jeder findige Zahntechniker in der Lage, ohne dass es dafür der Computertechnologie bedurft hätte: es handelt sich also um ein Trivialpatent, dass in den Augen vieler Fachleute zu Unrecht erteilt wurde. Mit Hilfe dieses Patents gelingt es Align, mögliche Konkurrenten vom Markt zu klagen. Bekanntestes Opfer dieser Strategie war die US-Firma OrthoClear im Jahr 2006. OrthoClear wurde von dem Invisalign-Erfinder Z. Chisthi und einigen anderen Align-Mitarbeitern gegründet, die bei Align gekündigt worden sind. OrthoClear hätte also ein sehr ernsthafter Konkurrent für Invisalign werden können, wurde aber von Align vom Markt geklagt. Auch in Deutschland sind Konkurrenten von Align nicht vor derartigen Klagen geschützt. Dazu verhindern die US-Patente der Firma Align, dass andere Firmen ihre Produkte organisch weiterentwickeln können, denn das bringt sie stets in die Gefahr der Patentverletzung. Die Firma OrthoCaps erreichte im Jahr 2014, dass zwei Patente von Align für den deutschen Markt für nichtig erklärt wurden, was Hoffnung für die Zukunft gibt. Trotz allem sind derzeit in vielen europäischen Ländern Konkurrenten für Align Technology mit seinem Produkt Invisalign am Markt.

Einsetzen eines Aligners

Einsetzen eines Aligners

Invisalign ist daher das technisch am weitesten entwickelte Aligner-System. Heute ist Invisalign sowohl bei sehr kleinen Zahnbewegungen als auch bei relativ komplizierten Behandlungen ein geeignetes und wirtschaftliches Behandlungsverfahren. Besonders bei sehr umfangreichen Behandlungen sind die computergestützten Systeme wie Invisalign den mehr handwerklich ausgerichteten Systemen auch im Preis überlegen.

Behandlungsablauf mit Invisalign:

  • 3D-Scan oder traditionelle. Abdrucknahme, Fotos und Röntgenbild in der kieferorthopädischen Praxis.
  • Behandlungsplanung
  • Versenden von 3D-Scans über das Internet, von Silikonabformungen an Align per Post, Versenden der Patientenfotos und Röntgenbilder stets über das Internet.
  • 3D-Scans werden direkt weiter verwendet, Abdrücke werden von Align eingescannt,  eine 3D-Behandlungssimulation an den Kieferorthopäden gesendet.
  • Die kieferorthopädische Praxis erhält den Invisalign-Behandlungsvorschlag als 3D-Simulation mit der ClinCheck-Software und bespricht diesen mit dem Patienten.
  • Wird der ClinCheck-Entwurf akzeptiert, erfolgt die Fallbestätigung online.
  • Nach zwei bis drei Wochen werden die fertigen Aligner an den Kieferorthopäden versendet
  • Einsetzen des ersten Aligners am Patienten.

Invisalign ist als finanziell potenter Weltmarktführer am meisten in der Lage, sein Produkt ständig weiter zu entwickeln. Angefangen beim aktuellen Aligner-Material Smart Track über immer weiter entwickelte Klebeattachments zur Optimierung der Zahnbewegung, Aufbissrampen zur Bisshebung bis hin zu Vorschubflügeln zur Korrektur des Rückbisses – die Innovationskraft von Align Technology ist groß.

Invisalign ist heute das technisch am weitesten entwickelte Aligner-System. Dafür ist Invisalign aber auch relativ teuer, was den Einsatz von Invisalign bei sehr kleinen Zahnbewegungen unwirtschaftlich macht. Dagegen sind die computergestützten Systeme wie Invisalign bei umfangreicheren Behandlungen den handwerklichen Systemen auch im Preis überlegen.

Web www.invisalign.de