Entfernung von Weisheitszähnen aus kieferorthopädischen Gründen

Die menschlichen Zähne wandern lebenslang langsam nach vorne, wodurch sich bei den meisten Menschen stetig zunehmende Engstände der Frontzähne entwickeln. Dies ist ein natürliche Entwicklung, die keine erkennbaren oder vermeidbaren Ursachen hat. Am deutlichsten macht sich die Vorwanderung der Seitenzähne im 2. und 3. Lebensjahrzehnt bemerkbar, um dann langsam an Fahrt zu verlieren. In höherem Alter kann die Vorwanderung sich wieder beschleunigen, wenn sich parodontale Erkrankungen entwickeln. Die als Folge der Vorwanderung entstehenden Engstände der Frontzähne stören viele Menschen und  treiben sie zum Kieferorthopäden.

Es ist ein alter Brauch in der Zahnmedizin, für diese Entwicklung die Weisheitszähne verantwortlich zu machen. Aus diesem Grund wurden und werden jährlich unzählige Weisheitszähne geopfert. So sehr diese Vorstellung auch als plausibel erscheint: wir wissen heute, dass die Weisheitszähne nicht für die natürliche Vorwanderung der Zähne verantwortlich sind. Das Entfernen der Weisheitszähne ist daher auch kein Schutz vor der Entwicklung von Engständen. Weil das ganz eindeutig nachgewiesen ist, dürfte heute kein Weisheitszahn mehr aus kieferorthopädischen Gründen entfernt werden. Immerhin handelt es sich um eine Operation, die mit nicht zu vernachlässigenden Risiken verbunden ist, auf jeden Fall aber mit Schmerzen und anderen Beeinträchtigungen. Aus diesen Gründen zahlt z.B. die gesetzliche Krankenversicherung in Großbritannien (NHS) nicht mehr für die Entfernung von Weisheitszähnen aus kieferorthopädischem Anlaß. In Deutschland werden dagegen weiterhin zahllose Weisheitszähen aus kieferorthopädischer Indikation sinnlos entfernt.

Unbeschadet davon gibt es aber andere vernünftige Gründe für die Entfernung dieser Zähne. Begründete Indikationen zur Entfernung von Weisheitszähnen sind hartnäckige Durchbruchsstörungen, lokaler Platzmangel oder Hygieneprobleme. Ebenso begründet ist die Entfernung retinierter und verlagerter Weisheitszähne, insbesondere mit begleitender Zystenbildung. In all diesen Fällen kann man sich bedenkenlos von den Weisheitszähnen trennen.