Eltern aufgepasst: Herausnehmbare Zahnspangen sind veraltet, ineffizient und unwirtschaftlich

In aller Welt ist die kieferorthopädische Behandlung mit festsitzenden Apparaten der Goldstandard. Nur in Deutschland werden bis heute etwa 50% der Behandlungszeit bei heranwachsenden Patienten mit herausnehmbaren Apparaten bestritten. Herausnehmbare Apparate sind jedoch keineswegs eine vollwertige Alternative zu festsitzenden: viele Zahnbewegungen wie Drehungen von Seitenzähnen oder Verlängerungen und Verkürzungen von Zähnen sind mit herausnehmbaren Apparaten unmöglich. Grundsätzlich können Zähne mit diesen primitiven Apparaten nur gekippt werden; da jedoch oft körperliche Bewegungen mit Kontrolle der Zahnachse notwendig sind, taugen herausnehmbare Apparate nur für sehr einfache, begrenzte Behandlungen. Dazu kommt, dass die meisten herausnehmbaren Zahnspangen stark beim Sprechen behindern. Aus diesem Grund ergaben Studien zur Tragezeit, dass herausnehmbare Apparate durchschnittlich nicht mehr als 10 Stunden pro Tag getragen werden, während die notwendige Tragezeit eher bei 12-16 Stunden liegt – unter diesen Umständen können Behandlungen mit herausnehmbaren Zahnspangen in der Regel  also nicht gelingen.

Vor diesem Hintergrund ist es kein Wunder, dass die Verbesserungen der Zahnstellung mit festsitzenden Apparaten wesentlich größer sind, als dies mit herausnehmbaren Apparaten der Fall ist. Vergleichende Studien haben für festsitzende Apparate eine wesentlich bessere Effizienz ergeben. Bei Verwendung von herausnehmbaren Zahnspangen erhöht sich zudem die Wahrscheinlichkeit, die Zahnstellung sogar zu verschlechtern, wie britische Forscher herausfanden. Weiterhin werden die kieferorthopädische Behandlungen mit herausnehmbaren Zahnspangen zwischen 30-60% erfolglos abgebrochen, weil die jungen Patienten die Beeinträchtigungen durch die Plastikklötze in ihren Mündern nicht hinnehmen und sich auf ihre Weise wehren, nämlich durch Nichttragen der Störenfriede. Schlussendlich haben weitere Studien ergeben, dass die Behandlung mit herausnehmbaren Zahnspangen nicht nur weniger Erfolg versprechend, sondern auch noch teurer ist. Herausnehmbare Zahnspangen sind normalerweise schlicht unwirtschaftlich, wie es klar nachgewiesen werden konnte, während festsitzende Zahnspangen einen reellen Gegenwert für das investierte Geld bieten.

Das Rätsel, warum herausnehmbare Zahnspangen trotz all ihrer Nachteile bei deutschen Kieferorthopäden so beliebt sind, ist leicht zu lösen. Tatsächlich gibt es keine zahnärztliche Prozedur bis hin zu Zahnimplantaten, die bei geringstem Einsatz so profitabel ist wie das Arbeiten mit herausnehmbaren Zahnspangen: Diese werden von Zahntechnikern hergestellt und können mit minimalem Wissen, Können und Aufwand an Patienten verteilt werden. Mit 6-8 kurzen Kontrollterminen im Jahr kann ein beachtlicher Umsatz generiert werden, ohne dass der Behandler über besonderes Know-how verfügen oder auch nur seinen Rücken einmal krümmen müsste. Die Behandlung mit herausnehmbaren Zahnspangen ist im deutschen Gebührensystem zu nahe am uralten Menschheitstraum eines arbeitsfreien Einkommens, um nicht von einer ganzen Gruppe von Heilberuflern favorisiert zu werden. Dazu passt, dass in Deutschland selbst ein junger Neugründer einer kieferorthopädischen Praxis sofort ein eigenes Zahnarztlabor einrichtet und einen eigenen Zahntechniker einstellt, der herausnehmbare Zahnspangen herstellt. Während das in Deutschland als normal empfunden wird, reiben sich Kieferorthopäden aus anderen Ländern  verwundert die Augen: Niemand braucht dort herausnehmbare Zahnspangen in nennenswerter Menge, und ein eigenes Zahnarztlabor zu deren Herstellung ist in anderen Ländern fast unbekannt.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass herausnehmbare Apparate in Deutschland wider besseres Wissen, trotz ihrer erwiesenen Untauglichkeit, ihrer hohen Misserfolgsrate und ihrer Unwirtschaftlichkeit gezielt weiter genutzt werden, weil sich damit eine kleine Berufsgruppe auf Kosten der Patienten wirtschaftlichen Gewinn verschafft. Eltern kann nur geraten werden, eine kieferorthopädische Behandlung mit herausnehmbaren Zahnspangen grundsätzlich zurückzuweisen und die Behandlung mit festsitzenden Apparaten zu verlangen. Einzige begründete Ausnahme ist die kieferorthopädische Behandlung des Rückbisses des Unterkiefers mit einer einzigen Doppelspange – schon eine Abfolge von mehreren herausnehmbaren Apparaten dieser Art muss dagegen als widersinnig zurückgewiesen werden!