www.sanfte-zahnklammern.de: Desinformation und Hetze über Kieferorthopädie

Während die Autoren kieferorthopädischer Informationsforen meistens selbst Kieferorthopäden sind, ist www.sanfte-zahnklammern eine prominente Ausnahme. Die einzige Autorin, Dr. rer. nat. Larissa Dloczik hat weder eine zahnmedizinische noch gar eine kieferorthopädische Ausbildung, sondern ist studierte Chemikerin und hat nach eigenen Angaben von 1995-2005 an diversen wissenschaftlichen Instituten gearbeitet. Seit 2006 ist sie freiberuflich als „1-Personen-Kleinstbetrieb“ tätig und betreibt die Webseite www.sanfte-zahnklammern.de , die auch unter der Adresse www.zwanglose-zahnspangen.de auftaucht. Weiterhin firmiert Frau Dloczik unter dem Titel Initiative für zwanglose Zahnspangen (IzZ) und ist auf zahlreichen Internetforen zum Thema Kieferorthopädie unter den Namen hordeotech und ruebezahl aktiv. Auf ihren umfangreichen Webpräsenzen findet sich noch ein offenes „Forum für zwanglose Zahnspangen“ http://zahnspange.userboard.org/izz-info-basis-fur-zwanglose-zahnspangen-hauptforum-f1/ , das allerdings hauptsächlich von ihren eigenen, sporadischen Beiträgen lebt. Sie bietet nach Selbsteinschätzung nicht nur „unabhängige Info“, sondern auch „unabhängige Patientenberatung“ sowie eine abrufbare Liste von „ganzheitlich“ kieferorthopädisch arbeitenden Ärzten an. Sie ist in der Ökologisch-demokratischen Partei (ÖDP) unter anderem in deren Bundesarbeitskreis Gesundheitspolitik engagiert. Nach eigenen Angaben ist sie besonders an der Bekämpfung der „Lobbykratie im Gesundheitswesen“ interessiert.

Kurz gesagt, setzt sich Frau Dloczik für den Einsatz herausnehmbarer Zahnspangen ein und führt gleichzeitig einen Kampf gegen die Verwendung festsitzender kieferorthopädische Apparate. Der große Umfang der Webpräsenz einer fachfremden Naturwissenschaftlerin zu einem zahnmedizinischen Fachgebiet, der Kieferorthopädie, wirft die Frage nach der Qualität der angebotenen Informationen auf. Im Folgenden wollen wir ihre Webpräsenz daher einmal etwas näher durchleuchten.

Verräterische Sprache: der Lobgesang der herausnehmbaren Zahnspange

Äußert sich Frau Dloczik zu herausnehmbaren Apparaten, tauchen in diesem Zusammenhang stets charakteristische Eigenschaftsworte, Hauptworte und Redewendungen auf, die durchweg euphorischer und verherrlichender Natur sind. Herausnehmbare Zahnspangen werden von ihr als „grazil, zierlich, robust, hygienisch, tragezeitfreundlich, weisheitszahnfreundlich, gesünder, zahn- und gewebe- und kiefergelenkschonender, patientenschonend“ und als „individuelle flexible Geräte“ bezeichnet. Sie sind „ Naturheil-Spangen“ und üben „geringe Kräfte“ oder gar „geringe Punktkontaktkräfte“ aus, haben eine „gut dosierbare Kraftabgabe“ und kommen „ohne künstliche Kräfte“ aus! Das Resultat ist dann eine „langsame Zahnbewegung“ oder auch „Langsambehandlung“, kurzum sind herausnehmbare Zahnspangen eine „sanfte Methode“ und „humane Mittel“.

Die kieferorthopädische Behandlung mit herausnehmbaren Zahnspangen wird deshalb als „sanft, funktionell, ganzheitlich“ und „funktionsgerecht“ charakterisiert. Damit gelingt dann auch eine „wohlerprobte sanfte Frühbehandlung“. Die Behandlungen mit herausnehmbaren Zahnspangen sind „gesunde“, „risikoarme“  und „einfache“ Methoden, und obendrein noch eine „preisgünstige, risikoarme und komfortable Lösung, zwanglose Alternative, bewährte einheimische Behandlung“, „einheimische zwanglose Methoden“ und „in Europa jahrzehntelang gebräuchliche ‚Wachstumslenkung’ “. Sie ermöglichen ein „schmerzloses Gesundwachsen, Hilfestellung zum Gesundwachsen, von selbst gesünder wachsen“ und eine „Nutzung des Wachstums“, ja sogar „Anreizung des Kieferwachstums“ und regen die „Kieferentwicklung“ an. Der Wirkmechanismus der herausnehmbaren Zahnspangen ist die „Förderung der Selbstheilungskraft, Normalisierung der Kieferhaltung, Normalisierung der muskulären Abläufe, Stärkung der Nasenatmung“. Unter Bezug auf „ältere, heimische Kieferorthopädielehrbücher“ weiß Frau Dloczik mitzuteilen „je früher die Behandlung eines Platzmangels beginnt, desto mehr Wachstum kann zum schonenden Platzgewinn genutzt werden“.

Die Behandlungsergebnisse mit herausnehmbaren Zahnspangen bedeuten dann auch „umfassend korrigieren“ und ein „naturgesundes Kauorgan formen“. Diese kieferorthopädischen Behandlungen haben einen „heilsamen Effekt“, sind „langfristig stabiler“ und erreichen ein „stabiles Gleichgewicht ohne Retention“ und „nachhaltige Heilung“.

Frau Dloczik meint auch, dass die kieferorthopädische Behandlung mit herausnehmbaren Zahnspangen „wirtschaftlicher heilen“ würde, eine  „früh, einfach und billig-Kieferorthopädie“, „bewährte, volkswirtschaftlich gesunde Behandlung“, sei, und auch „kostengünstig, preisgünstig“, eben eine „patientennahe, wirtschaftliche Heilkunde“.

Risiken haben die herausnehmbaren Zahnspangen auch weniger, denn mit ihnen kann man „risikoärmer und wirtschaftlicher heilen“, und die Behandlung wird ein „risikoloses ‚sportliches Vorantreiben’ “. Auch ist die kieferorthopädische Behandlung für die jungen Patienten mit herausnehmbaren Spangen „schmerzärmer, schmerzlos, weniger sprachstörend, wenig belastend“. Deshalb sind Ärzte, die mit herausnehmbaren Zahnspangen arbeiten auch „Ärzte, die maßvoll behandeln und dem Patientenwohl den Vorrang geben“.

Festsitzende Zahnspangen sind des Teufels

Festsitzende Zahnspangen sind bei Frau Dloczik dagegen „jahrelange Kariesfallen, Horror-Zahnspangen, ‚Foltergeräte’, und ein ‚Höllending’ “. Kein Wunder, denn sie sind „mechaniklastig, hinderlich, invasiv“, „Körperverletzung“ und „vergällen Grundschülern die Kindheit“. Klar, dass die festsitzenden Apparate in den USA entwickelt worden sind, denn es ist „die Anwendung von Zwang in USA verbreiteter“. US-Amerika mag Frau Dloczik gar nicht, denn „amerikanische Zwangsbehandlung“, „verbreitete alte US-Methode“ und „Kolonisation der Welt mit US-Methoden“ sind schlicht „neokolonialistisch“. Festsitzende kieferorthopädische Behandlungen sind „kostentreibende Risikomethoden, schnell durchgepeitschte Behandlung, Hau-Ruck-Methoden“, gern auch „mittelalterlich anmutende Brachialmethoden, harte Methoden“ und „brachiale Maßnahmen“. Erreicht wird mit festsitzender Therapie auch nur eine „unter Schmerzen künstlich erzwungene Form“, und das mit „künstlich aufgezwungenen Kräften“. Festsitzende Behandlung bedeutet eben „künstliche Kräfte“, ist „widernatürlich, unnatürlich, traumatisierend, traumatisch“, findet gleichwohl ihre „unheilvolle Verbreitung“ und „brutalisierte Praxis“. Die jungen Opfer dieser „Schnelltöter-Methoden“ erleiden dadurch „aufgezwungene Schmerzen“.

Behandlungsergebnisse mit festitzenden Apparaten sind „widernatürlich“, „künstlich geschaffene, instabile Zahnstellung“, „in Einheitsform zwingen“, und das läuft dann auf ein „Schaufensterpuppen-Gebiss“ oder ein „unnatürlich schmales Mäuschengebiss, mit weit hinten stehenden Eckzähnen“ hinaus.

Dramatische Überzeichnung der Risiken festsitzender Apparate

Frau Dloczik weiß auch, das festsitzende Zahnspangen „hohe Kosten“ verursachen, in jedem Fall „aufwändiger“ sind, als herausnehmbare Zahnspangen. Dazu bedeuten festsitzenden Zahnspangen „Risiken von Karies“, „Entzündungen“, „Wurzelschäden“, „Haltungsschäden und psychischer Erfahrung von Gewalt im Mundraum“ und „lassen unterentwickelte Kiefer für das Leben so“.

Das Leiden der „Opfer“ festsitzender kieferorthopädischer Behandlung erscheint als „Opfer-Berichte“: „Zunge verletzen, Kaufähigkeit arg einschränken, psychische Traumatisierung, Tortur, Qualen, Quälerei“ findet sich, „quälen, qualvoll, gequält, malträtiert“ wird da, und es entstehen „Schluckschmerz-Zustand“ und „heftige Halsentzündung“, die kleinen Patienten sind „fast am Verhungern“, denn sie können „nicht mehr richtig kauen“. Klar, dass das „Gewalt gegen Kinder“ ist.

Lieblingsfeinde Gaumennahterweiterung und Zähneziehen

Unter den festsitzenden Zahnspangen pflegt Frau Dloczik besondere Abneigung gegen einige Apparate und Verfahren. So sei Zähneziehen „Verstümmelung des Mundraums“, und sie teilt dazu mit, dass „Extraktion in über 60% der Fälle unnötig“ wäre. Die Folge der Zahnextraktion ist „Deformation der Zahnbögen zu einem spitzen ‚Mäuschengebiss’ “ und ein „Spitzkiefer“, schließlich dass „der Raum für Zunge und Nasen-Atemwege eingeengt“ wird, und das „Risiko für Kiefergelenksbeschwerden steigt“.

Die an sich sehr nützliche und gut verträgliche Gaumennahterweiterung (GNE), weiß Frau Dloczik, ist „traumatisierend“, und „Gewalt gegen Kinder wird zur Routine“. Die GNE wird von ihr als „neokolonialistische Behandlungsform“ oder „Misshandlungsform“  bezeichnet, deren Folgen „Verdauungsprobleme bis zur Gastritis“, „Verbreiterung der Nase“ und „psychische Schäden“ sind. Die GNE wird von ihr daher auch nicht als Gaumennahterweiterung, sondern als „verletzende Gaumennahtsprengung“ tituliert.

Festsitzende Retainer zur Stabilisierung des Behandlungsergebnisses sind in Frau Dlocziks Augen „gefährliche Kariesfänger“, das Herbst-Scharnier eine „beispiellose Rohheit“, denn es  „unterdrückt Selbstheilungskraft“, und durch seinen Einsatz werden „die Zähne starr ‚in Eisen gelegt’ “.

Die seit dem Jahr 2000 in der Kieferorthopädie verwendeten chirurgischen Schrauben zur Verankerung direkt im Kieferknochen „eröffnen Bakterien den direkten Weg in den Knochen“ mit „dem Risiko hartnäckiger Knochenentzündungen“. Diese „kann langwierig und gefährlich werden“ und ein  „wegeiternder Gaumenknochen“  die Folge sein – Risiken, die der fleißig Schrauben setzende Autor dieser Zeilen nie erlebt noch von denen er aus seriösen Quellen jemals gehört hätte. Woher um Himmels Willen bezieht Dloczik diese kruden Informationen?

Allein Habgier und Gewissenlosigkeit sind nach Frau Dloczik  die Gründe für die Verwendung festsitzender Apparate: es ist ein „profitmaximierendes Geschäft mit der Krankheit“ und „profitable Methoden“, es geht „nur um Profitmaximierung“. Patienten und ihre Eltern werden dabei „gefügig gemacht“, in dem „skrupellose Behandler“ als „Erpresser“ agieren, und dabei „drohen, bedrohen, unterschlagen“. Die zahlreichen Nachteile festsitzender Zahnspangen werden „den Eltern oft verschwiegen“, stattdessen wird mit der „Marketing-Keule“ auf sie eingeschlagen, und das ist schlicht „verbrecherisch“.

Frau Dlocziks Thesen im Licht der Wissenschaft

Es fällt den meisten Lesern solcher Aussagen sicher auf, dass hier ein drastisches, holzschnittartiges Schwarz-Weiß-Bild ohne jede Zwischentöne gezeichnet wird. Es widerspricht jeder Lebenserfahrung, dass es auf komplexe Fragen so simple und eindeutige Antworten gibt. Wir wollen Frau Dlocziks Kernaussagen daher einmal  im Licht der Wissenschaft diskutieren.

Herausnehmbare Zahnspangen sind für die meisten kieferorthopädischen Behandlungen ungeeignet

Entgegen ihrer Auffassung, man könne mit herkömmlichen herausnehmbaren Zahnspangen allein kieferorthopädisch behandeln, sind diese Apparate in ihrer Wirkung so eingeschränkt, dass nur sehr einfache Behandlungen mit ihnen zu lösen sind. Mit herausnehmbaren Zahnspangen sind Drehungen von Zähnen nur an den Schneidezähnen möglich, während alles andere rotiert stehen bleibt. Verlängerungen und Verkürzungen einzelner Zähne sind ebenso wenig möglich wie körperliche Zahnbewegungen, denn mit herausnehmbaren Zahnspangen sind nur kippende Zahnbewegungen machbar. Allein diese Gründe wären schon ausreichend, um herausnehmbare Apparate nur noch in seltenen Ausnahmefällen zu verwenden. All dies kann Frau Dloczik trotz ihres in eindrucksvoller Breite angeeigneten Halbwissens nicht überblicken, denn als Chemikerin hat sie natürlich niemals Patienten mit den vor ihr propagierten herausnehmbaren Zahnspangen behandeln müssen. Sie redet also etwa so wie der Blinde von der Farbe.

Besondere Wirkung herausnehmbarer Zahnspangen ist Unsinn

Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass Dlocziks Vorstellungen von einer besonders natürlichen, sanften oder ganzheitlichen Wirkungsweise herausnehmbarer Zahnspangen reine Dichtkunst sind: faktisch wirken alle Zahnspangen mit Kräften, festsitzende darüber hinaus mit Drehmomenten. Es ist also alles die gute alte Newton’sche Mechanik, gefolgt von einer biologischen Reaktion. Der wesentliche Unterschied ist, dass die mechanischen Möglichkeiten herausnehmbarer Zahnspangen stark eingeschränkt sind und ihr Einsatzspektrum darum gering ist. Es bleibt Frau Dlocziks Geheimnis, wie man über diese simplen Tatsachen so viel heißen Dampf verbreiten kann.

Versorgungsstudien zeigen schlechte Ergebnisse mit herausnehmbaren Zahnspangen

Zahlreiche Studien über kieferorthopädische Behandlung haben gezeigt, dass die Verbesserungen mit herausnehmbaren Zahnspangen deutlich geringer sind als mit festsitzenden. Dazu ist mit herausnehmbaren Zahnspangen die Wahrscheinlichkeit am Größten, den Befund sogar noch zu verschlechtern. Die größte Verbesserung der Zahnstellung wird dagegen mit einer vollständigen, festsitzenden Apparatur in beiden Kiefern erreicht. Erschwerend kommt hinzu, dass kieferorthopädische Behandlungen mit herausnehmbaren Zahnspangen ein Vielfaches der mit festsitzenden üblichen Behandlungszeit von 1-2 Jahren dauern. Behandlungen, die sich über 5-10 Jahre hinziehen und damit einen großen Teil der Kindheit und Jugend überschatten, sind keine Seltenheit. Aber wer soll so etwas freiwillig ertragen?

Herausnehmbare Zahnspangen führen zu 30-50% Mißerfolgen

Darüber hinaus sind herausnehmbare Zahnspangen fast alle mit einer starken Sprachbehinderung verbunden, so dass sie in der Regel nur nachts getragen werden können. Es konnte in Tragezeitstudien nachgewiesen werden, dass Kinder ihre Zahnspangen – völlig unabhängig vom Apparatetyp und der ärztlichen Anweisung – nur 10 Stunden am Tag tragen. Mehr geht auch realistischerweise nicht, aber mit dieser kurzen Tragezeit lassen sich in der Regel kaum gezielte Zahnbewegungen erreichen. Die meisten herausnehmbaren Zahnspangen sind bis etwa 1960 unter den Bedingungen der deutschen Diktaturen – dem nationalsozialistischen Deutschland und der DDR – entwickelt worden, also in Zeiten, in denen die Jugend uniformiert wurde und körperliche Gewalt in der Erziehung üblich war. Nur mit einem so erzeugten Kadavergehorsam können Kinder über lange Zeit mit herausnehmbaren Zahnspangen behandelt werden. Wenn Frau Dloczik also vermeint, herausnehmbare Zahnspangen wären im Sinn von Freiheit und Menschenwürde zu bevorzugen, so ist im wirklichen Leben das genaue Gegenteil richtig: es ist eine Verletzung der Würde junger Patienten, über lange Zeit tagsüber mit Plastikapparaten im Mund leben zu müssen. Und die jungen Patienten wissen sich auf ihre Weise zu wehren – durch Tragen der Apparate in der Hosentasche. So kann eine kieferorthopädische Behandlung aber nicht gelingen!

Besonders seltsam ist Frau Dlocziks häufiges Rekurrieren auf althergebrachte, möglichst deutsche oder ersatzweise europäische Behandlungsverfahren und ihre Abneigung gegen alles US-amerikanische. Solche Kriterien sind rein völkisch-ideologischer Natur, während es die Zähne nicht einmal unterscheiden können, in welchem Land diese oder jene Zahnspange entwickelt worden ist. Ihre Verachtung gegen die USA erinnert sehr an das, was in Deutschland während der Weltkriege und besonders im Nationalsozialismus gegen die Angelsachsen und die jüdisch-amerikanische Plutokratie in Stellung gebracht wurde. Mit einer rationalen Bewertung des Aufwand/Nutzen-Verhältnisses bestimmer Zahnspangen hat solche Rhetorik dagegen nichts zu tun.

Herausnehmbare Zahnspangen sind unwirtschaftlich

Versorgungsstudien haben regelmäßig gezeigt, dass die Behandlung mit herausnehmbaren Apparaten teurer ist als die mit festsitzenden. Das erklärt sich leicht aus der eingeschränkten Wirkung, der wesentlich längeren Behandlungsdauer, und der hohen Misserfolgsquote herausnehmbarer Apparate. Schwedische Forscher haben in einer methodisch hochwertigen Studie gezeigt, dass selbst eine einfache Behandlungsaufgabe wie die Verbreiterung des oberen Zahnbogens mit festsitzenden Zahnspangen wirtschaftlicher ist. Dabei wurden alle Kosten bis zu den Fahrtkosten und Arbeitszeitausfall der Eltern einbezogen. Klar ist damit, dass herausnehmbare Zahnspangen bei den meisten Behandlungen schlicht unwirtschaftlich sind – auch hier ist also das exakte Gegenteil der Dloczik’schen Auffassung richtig.

Festsitzende Apparaturen sind komfortabel, sicher und effizient

Während mit herausnehmbaren Zahnspangen weder eine normale Sprache, noch gar Nahrungsaufnahme oder andere orale Funktion möglich ist, kann man mit den meisten festsitzenden Apparaten ungehindert sprechen und essen. Auf der Komfortseite gilt daher ganz klar Vorteil für die festsitzenden Apparate. Risiken bergen diese natürlich wie jede andere medizinische Maßnahme auch. Typischerweise können Schmelzentkalkungen in Form weißer Flecke, kleine Schäden an den Zahnwurzeln und am Kieferknochen entstehen. Einzig Entkalkungen gibt es mit herausnehmbaren Zahnspangen nicht. Im Gegensatz zu Frau Dlocziks Vorstellungen gibt es aber keinen Beleg dafür, dass herausnehmbare Zahnspangen weniger Wurzel- oder Knochenschäden verursachen. In der Regel sind diese meistens so gering, dass sie unentdeckt und folgenlos bleiben. Um dies zu verstehen, müsste Frau Dloczik jedoch Zugang zur englischsprachigen Fachliteratur haben, der ihr verständlicherweise fehlt. Ihre Einlassungen zur angeblichen Harmlosigkeit herausnehmbarer und Gefährlichkeit festsitzender Zahnspangen sind von naiven Vorurteilen und vollkommener Kenntnislosigkeit geprägt.

Die Gaumennahterweiterung ist das effizienteste Behandlungsmittel der Kieferorthopädie

Gerade die von Frau Dloczik besonders vehement verteufelte Gaumennahterweiterung (GNE) ist ein Behandlungsmittel, dass von Kindern und Jugendlichen sehr gut akzeptíert wird und wenig Komplikationen mit sich bringt. Je jünger die Patienten sind, um so weniger Druck und Mißempfíndungen wird überhaupt wahrgenommen. Dafür schafft die GNE ein echte knöcherne Verbreiterung des Oberkiefers, während mit herausnehmbaren Zahnspangen lediglich die Backenzähne nach außen gekippt werden, was ein vollkommen unerwünschter Behandlungseffekt ist. Als Nebenwirkung der Oberkieferverbreiterung erfahren die Patíenten eine Verbesserung der Nasenatmung, weniger HNO-Symptome, bessere Schlafqualität und – in mehreren Studien nachgewiesen – weniger Bettnässen. Der etwas seltsam klingende letztgenannte Effekt wírd auf die Verbesserung der Nasenatmung und die dadurch bessere Sauerstoffsättigung des Bluts während der Nacht zurückgeführt. Man kann sagen, dass es keine zweite kieferorthopädische Apparatur gibt, die in kurzer Zeit große und nützliche Zahnbewegungen bewirkt und gleichzeitig so viele günstige medizinische Auswirkungen hat. Gerade bei der GNE zeigt sich, dass der Dloczik’sche Furor vollkommen fehlgeleitet ist.

Festsitzende Zahnspangen sind der Goldstandard moderner Kieferorthopädie

Internationaler Goldstandard für kieferorthopädische Behandlungen ist der späte Behandlungsbeginn mit 11-13 Jahren, wenn das bleibende Gebiß voll ausgebildet ist. Die Behandlung wird in aller Regel mit einer einzigen, festsitzenden Apparatur durchgeführt und dauert 1-2 Jahre. Nur in einigen fachlich rückständigen Ländern wie Deutschland wird gegen diesen Goldstandard in etwas anarchischer Weise verstoßen: bei uns behaupten Kieferorthopäden, ein früher Beginn im Grundschulalter, also im Wechselgebiß mit noch vielen präsenten Milchzähnen, habe Vorteile für die Patienten. In den letzten 20 Jahren ist diese Auffassung jedoch durch zahlreiche hochwertige Studien so gründlich widerlegt worden, dass es schon dreist ist, heute noch Frühbehandlungen in großem Stil anzubieten. Noch schlimmer wird das Bild, wenn man sich verdeutlicht, dass in Deutschland ca. 50% der Behandlungszeit bei Heranwachsenden mit herausnehmbaren Zahnspangen bestritten wird, die, wie wir gesehen haben, fast nur Nachteile für die Patienten haben. Das Resultat ist wenig überraschend: in Deutschland dauern kieferorthopädische Behandlungen aus diesen Gründen doppelt so lang wie in anderen Ländern und sind erheblich teurer als nötig.

Der wahre Grund für herausnehmbare Zahnspangen: das liebe Geld

Unwirtschaftlich sind herausnehmbare Zahnspangen wohl für die Patienten und ihre Krankenversicherungen, für die Ärzte sind sie aber der Goldesel überhaupt. Es gibt nichts in der Zahnmedizin einschließlich der Versorgung mit Zahnimplantaten samt hochwertigem Zahnersatz, mit dem sich derartig mühelos so hohe Gewinne erwirtschaften lassen. Die Arbeit mit herausnehmbaren Zahnspangen erfordert weder vertiefte Kenntnisse, körperliche oder geistige Anstrengung noch finanzielle oder personelle Ressourcen. Das Einsetzen herausnehmbarer Zahnspangen kommt dem uralten Menschheitstraum eines arbeitsfreien Einkommens so nahe, dass es schon fast unverständlich wäre, würden die deutschen Kieferorthopäden diese Einladung zum Geldscheffeln nicht dankbar annehmen. Frau Dlocziks Insinuation, herausnehmbare Zahnspangen würden aus Menschenliebe, festsitzende dagegen aus Geldgier eingesetzt, ist also erneut absolut daneben. Richtig ist auch hier, wie in mehreren Punkten vorher, das Gegenteil. Festsitzende Zahnspangen sind tendenziell unterhonoriert, und eine Praxis, die überwiegend festsitzend arbeitet, steht wirtschaftlich schlechter da als eine solche, die stark auf herausnehmbare Zahnspangen setzt. Auch das kann Frau Dloczik nicht einmal erahnen, weilsie noch nie in der Verlegenheit war, eine kieferorthopädische Praxis zu betreiben. Ohne die harte Erfahrung der wirtschaftlichen Realität lässt es sich natürlich unbeschwert fabulieren – für den ratsuchenden Patienten sind Dlocziks Aussagen zur Wirtschaftlichkeit schlicht irreführend.

Schuster, bleib bei deinen Leisten

Trotz allem Schaum vor dem Mund ist Frau Dloczik sicher nicht bösartig und ganz bestimmt nicht fremdbestimmt oder gar korrupt. Ohne Zweifel ist sie als Naturwissenschaftlerin von hoher Intelligenz, und ihr Engagement erscheint als subjektiv ehrlich und uneigennützig. Wie kommt aber eine studierte Chemikerin auf die Schnapsidee, über eine zahnmedizinische Randdisziplin wie die Kieferorthopädie eine derartige groteske, allumfassende Verschwörungstheorie zu entwickeln? Dies auch noch vor dem Hintergrund, über keine eigenen Erfahrungen mit der Durchführung von Patientenbehandlungen zu verfügen und auf Hörensagen und zufällig angeeignete Kenntnisse angewiesen zu sein? Und, strafverschärfend, dafür die eigene qualifizierte Berufsausübung einzustellen und ihre ganze Tatkraft der Verbreitung dieser Verschwörungstheorie zu widmen?

Frau Dloczik führt dies sogar so weit, dass sie Patienten über ihre diversen Webpräsenzen in kieferorthopädischen Fragen berät und im Sinn ihrer Verschwörungstheorie beeinflusst. Wer würde Dloczik auch nur seine Schuhe zur Reparatur bringen? Wahrscheinlich würden die meisten Menschen dafür eher an einen Schuster denken, und am Besten sollte es in der Kieferorthopädie genau so gehalten werden. Letzten Endes ist Frau Dlocziks Wirken gleichzeitig anmaßend und selbstüberschätzend, und ihre Webpräsenzen sind ein tragisches Beispiel, zu welchen Auswüchsen fehlgeleitete Intelligenz fähig sein kann. Der wissensdurstige Leser sei jedoch gewarnt: hier kommt nicht das Licht der Aufklärung, sondern stark vernebeltes, braunes Sumpfgebiet. Ich würde ihr wünschen, dass Frau Dloczik wieder eine ihrer Qualifikation entsprechende Arbeit findet und noch viele ihrer geliebten Hochgebirgstouren machen kann – aber dafür ihre verschwurbelten Webpräsenzen aus dem Netz entfernt.