MSA nach Bumann

Die Manuelle Strukturanalyse, kurz MSA, nach Bumann steht für eine Reihe von manuellen Techniken zur Untersuchung der Kiefergelenke. Manuelle (mit den Händen ausgeführte) Untersuchungstechniken sind vor allem in den USA und den Niederlanden, aber auch an vielen anderen Orten in der Welt entwickelt worden. Deshalb sind manuelle Techniken zur Untersuchung von Kiefergelenk und Kaumuskulatur in zahlreichen, leicht variierenden Formen auf der ganzen Welt verbreitet. Bumann hat eine Reihe von manuellen Untersuchungstechniken zu einem systematischen, umfangreichen Untersuchungsgang zusammengefasst und sie unter dem Namen manuelle Strukturanalyse verbreitet. Die MSA wird von vielen Zahnärzten und auch einigen Universitäten seit Jahren eingesetzt.

Einige der manuellen Untersuchungstechniken sind wissenschaftlich jedoch nicht gut belegt, bei anderen fehlt der Nachweis, was mit ihnen eigentlich genau untersucht wird (fehlende Spezifität). So ist zweifelhaft, welche Aussagekraft die 9 verschiedenen Kompressionsrichtungen des Kiefergelenks haben sollen, die in der MSA angegeben sind. Ebenso kritisch sind die vier unterschiedlichen Arten des Kiefergelenkknackens, die in der MSA beschrieben werden. Und schließlich ist die Theorie der „okklusalen Vektoren“, die in störenden Zahnkontakten direkte Ursachen für Erkrankungen des Kiefergelenks sehen will, lediglich eine Hypothese. Tatsächlich ist eine der wichtigsten Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte, dass Zahnkontakte und Zahnstellung eine untergeordnete Rolle bei der Entstehung von Kiefergelenks- und Kaumuskelsymptomen spielen. Es ist daher nicht auszuschließen, dass mit der Manuellen Strukturanalyse gesunde Patienten falsch als krank diagnostiziert werden.

Obwohl drei Viertel der craniomandibulären Dysfunktionen muskulären Ursprungs sind, konzentriert sich die MSA auf die Diagnostik von Erkrankungen des Kiefergelenks. Die Palpation der Muskulatur wird in der MSA dagegen relativ kurz abgehandelt. Die in der Schmerzdiagnostik sehr bedeutende Erhebung psychischer Belastungsfaktoren ist nicht Bestandteil der MSA. Die MSA ist deshalb als einachsiges, somatisches Diagnoseverfahren mit Schwerpunkt Gelenksdiagnostik einzuordnen.

Da der Autor Bumann in Deutschland einer der ersten war, der manuelle Untersuchungstechniken systematisiert und in zahlreichen Kursen gelehrt hat, ist die manuelle Strukturanalyse in Deutschland sehr weit verbreitet. Leider ist den Anwendern dabei meist nicht bewusst, dass es sich bei der MSA um eine Mischung aus einigen validierten, aber auch zahlreichen wenig validierten Untersuchungstechniken handelt. Obwohl die MSA sehr umfänglich und systematisch aufgebaut ist, ist ihre Einordnung als wissenschaftlich anerkanntes (validiertes) Diagnostikverfahren für craniomandibuläre Dysfunktionen (CMD) kritisch zu sehen.

Wissenschaftlich umfassend validiert sind dagegen die RDC/TMD (Research Diagnostic Criteria for TMD) bzw. die DC/TMD, die außerdem wesentlich weniger Untersuchungsschritte benötigen, um zu diagnostischen Aussagen zu kommen. Die RDC/TMD sind ein zweiachsiges Diagnostikverfahren, bei dem somatische und psychische Befunde gleichermaßen erhoben werden.