Schmerzbezogene Krankengeschichte (Anamnese)

Das wichtigste Instrument in der Diagnostik von CMD ist die ausführliche und systematische Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese). Zunächst bedarf es natürlich einer allgemeinen Anamnese zur gesamten Gesundheit. In der dann folgenden speziellen Schmerzanamnese werden die Patienten über Beginn, Verlauf, Art und Begleitumstände der CMD-Beschwerden befragt werden. Wo tut es weh? Wie lange? Wie stark ist der Schmerz bzw. die Beeinträchtigung? Wie ist die Qualität der Schmerzen, z.B. brennend oder dumpf)? Wie ist der zeitliche Verlauf – immer gleich, abhängig von Tageszeit oder sonstigen Umständen)? Welche lindernde oder verstärkende Faktoren sind bekannt? Welche therapeutischen Maßnahmen haben bis jetzt stattgefunden? Mit welchem Effekt? Gibt es weitere schmerzhafte Beschwerden in anderen Körperregionen? Nicht zuletzt gehört zur Anamnese wie immer bei chronischen Schmerzen eine kurze Befragung zur beruflichen und familiären Situation.

Es ist klar, dass ein derartig strukturierte Anamnese nicht unter 15 Minuten gemacht werden und in einigen Fällen zwischen 30 und 60 Minuten dauern kann. Ebenso klar ist, dass die meisten Ärzte sich diese Zeit nicht nehmen. Das hat durchaus auch wirtschaftliche Gründe, denn die sprechende Medizin wird in Deutschland traditionell schlecht oder gar nicht honoriert. Die Arbeitszeit für die Anamnese als wichtigstes diagnostisches Instrument kann der Arzt also entweder verschenken oder muss eine private Honorarvereinbarung mit dem Patienten treffen. Daneben mögen viele Ärzte mit ihrer überwiegend somatischen, in gewisser Weise mechanistischen Ausbildung die strukturierte Anamneseerhebung nicht. Sie vertrauen lieber auf technische Verfahren wie Röntgenaufnahmen, Magnetresonanztomogramme oder computergesteuerte Vermessung der Unterkieferbewegung. Leider sind die meisten dieser technischen Verfahren aber wenig hilfreich, einige – wie die Gelenkbahnvermessung – sogar vollkommen sinnlos. Ohne strukturierte, schmerzbezogene Anamnese gibt es jedoch keine realistische Diagnose!

Nach der schmerzbezogenen Anamnese besteht in aller Regel bereits eine Verdachtsdiagnose. Muskelschmerz und Gelenkschmerz sind so in der Regel bereits durch die Schmerzschilderung der Patienten zu unterscheiden. Auf die Anamnese folgt eine kurze körperliche Untersuchung, in der die Verdachtsdiagnose meist bestätigt, gelegentlich aber auch korrigiert wird.