Gaumennahterweiterung (GNE)

Die Gaumennahterweiterung, abgekürzt GNE, ist eine festsitzende Apparatur zur skelettalen Verbreiterung des Oberkiefers. Die Erstpublikation erfolgte 1877 durch Angell in den USA. Der Autor wurde jedoch nicht ernst genommen, die Möglichkeit der Gaumennahterweiterung wurde bestritten und das Verfahren erst einmal für Jahrzehnte vergessen. Nach 1945 durch Haas, Timms und Derichsweiler wieder entdeckt, hat sich die Gaumennahterweiterung inzwischen im Fach ihren unersetzlichen Platz gesichert. Die GNE wird meistens mit Metallringen (Bändern) an den 1. Molaren und den 1. Prämolaren befestigt, seit neuestem auch mit alle Seitenzähne umfassenden Plastikschienen. Die sehr steife Apparatur ist mit einer Dehnschraube in der Mitte versehen, mit der die beiden Hälften des Oberkiefers in zwei bis acht Wochen bis zu 10 Millimeter auseinandergedrückt werden können. In der Mitte bildet sich dann zuverlässig neuer Knochen, so dass die Gaumennahterweiterung vielleicht das einzige wirklich orthopädische Gerät in der Kieferorthopädie ist.

Der Einsatz der Gaumennahterweiterung ist sehr oft sinnvoll, weil viele Patienten in der Kieferorthopädie einen zu schmalen Oberkiefer aufweisen. Die mit der GNE erzielte Verbreiterung ist skelettal, also durch neu gebildeten Knochen bewirkt, während die mit herausnehmbaren Zahnspangen erzielte Wirkung meist nur eine Außenkippung der Seitenzähne ist, die nicht stabil bleiben kann. Die Gaumennahterweiterung hat viele gesundheitliche Nebeneffekte, die alle auf der Verbesserung der Nasenatmung beruhen: weniger Erkältung und Kieferhöhlenprobleme, Verbesserung der Belüftung des Innenohrs über die Eustachische Röhre mit Besserung von Ohrsymptomen, Verbesserung der Schlafqualität, Verbesserung des Bettnässens. Der unerwartete letzte Effekt wird mit besserer Sauerstoffsättigung des Bluts durch verbesserte Atmung erklärt. Es gibt keine andere kieferorthopädische Apparatur mit einer derartig umfassenden Wirkung und keine zweite, die ein derartig gutes Verhältnis von Aufwand und Nutzen hat. Vollkommen unverständlich ist vor diesem Hintergrund, dass deutsche Kieferorthopäden selbst bei sehr schmalen Oberkiefern häufig Behnadlungsversuche mit herausnehmbaren aktiven Platten bevorzugen, die in der Regel scheitern.

Tip für Eltern: bei schmalem Oberkiefer und seitlichem Kreuzbiss nur die Gaumennahterweiterung akzeptieren, niemals die aktive Platte – denn letztere führt nur zur Kippung der Seitenzähne nach außen, ohne dass es wirklich zur Neubildung von Kieferknochen kommt, hat hohe Misserfolgsquoten und ist obendrein noch unwirtschaftlich!

Gaumennahterweiterung