Kieferorthopäde

Ein auf die Korrektur von abweichenden Zahn- und Kieferstellungen spezialisierter Fachzahnarzt. Die Ausbildung besteht aus einem normalen Studium der Zahnmedizin, in den meisten Bundesländern gefolgt von einem Jahr allgemein zahnmedizinischer Tätigkeit und drei Jahren Fachweiterbildung. Die Fachweiterbildung muss in den meisten Bundesländern mindestens ein Jahr an einer Universitätszahnklinik stattfinden, während die anderen zwei Jahre auch in kieferorthopädischen Praxen mit Weiterbildungsberechtigung stattfinden dürfen. In den meisten anderen Ländern ist die Weiterbildung ebenfalls dreijährig, aber nur auf Universitäten beschränkt. Nachteil des deutschen Systems ist die oft fehlende und kaum kontrollierte Qualität der Weiterbildung in Praxen, wo der Weiterbildungsassistent gelegentlich als billige Arbeitskraft missbraucht wird, ohne profunde Kenntnisse zu erwerben. Das Publikum verwechselt den Kieferorthopäden, der ein spezialisierter Facharzt ist, leicht mit dem Zahnarzt mit Schwerpunkt Kieferorthopädie. So darf sich jeder Zahnarzt nennen, der ein paar Wochenendkurse über Kieferorthopädie genommen hat, einige Behandlungen mit Zahnspangen durchführt und den Schwerpunkt bei seiner Zahnärztekammer beantragt. Der große Unterschied der Qualifikation verbirgt sich auf dem Praxisschild nur hinter wenigen Buchstaben, so dass Verwechslung durch verunsicherte Patienten häufig vorkommt. Nur Kieferorthopäden oder Zahnärzte für Kieferorthopädie (bedeutet beides das selbe) haben jedoch die vierjährige Weiterbildung in Vollzeit, nicht aber der Zahnarzt mit Schwerpunkt Kieferorthopädie. In jüngster Zeit wird die Verwirrung komplettiert durch das Auftauchen eines dritten Titels, des Master of Science (MSc) Kieferorthopädie. Der MSc Kieferorthopädie ist in seiner Ausbildung etwas über dem Zahnarzt mit Schwerpunkt anzusiedeln, steht aber weit hinter dem Kieferorthopäden zurück.