Kieferorthopädie

Teilgebiet der Zahnmedizin, das sich mit der Diagnostik und Behandlung von abweichenden Zahn- und Kieferstellungen befasst. Anders als die anderen Teilgebiete der Zahnmedizin, die in der Regel eindeutige Erkrankungen behandeln, ist dies bei der Kieferorthopädie weniger klar. Während lange Jahre angenommen wurde, dass Zahn- und Kieferfehlstellungen Krankheiten oder doch mindestens mit potentiellen Krankheitsfolgen verbunden wären, ist durch Studien der letzten Jahrzehnte deutlich geworden, dass die meisten Abweichungen nicht als gesundheitliche Störung zu bewerten sind. Dies wird die Nachfrage nach kieferorthopädischer Behandlung jedoch wahrscheinlich kaum vermindern, weil die Patienten aus ästhetischen Gründen ungeachtet gesundheitlicher Fragen kieferorthopädische Behandlungen wünschen.

In den meisten Ländern wird das Fach als  Orthodontie bezeichnet, was mit Zahnkorrektur übersetzt werden kann. Der Begriff Kieferorthopädie geht auf den Glauben zurück, mit herausnehmbaren Zahnspangen vom Typ des Aktivators das Wachstum von Schädel und Kiefern kontrollieren zu können (sog. Funktionskieferorthopädie). Diese alten Glaubenssätze sind inzwischen längst widerlegt worden, so dass es Zeit würde, den irreführenden Begriff Kieferorthopädie wieder durch den korrekten Begriff Orthodontie zu ersetzen.