Pont’scher Index

Der Pont’sche Index beschreibt die Relation zwischen der Breite der vier oberen Schneidezähne und der Breite der Zahnbögen. Er wurde 1907 von dem französischen Zahnarzt A. Pont publiziert. Die von Pont angegebenen, in Südfrankreich gewonnenen Werte wurden für die deutsche Bevölkerung durch die von Linder, Harth und Korkhaus gemachten Angaben modifiziert. Praktisch funktionierte das so, dass Kieferorthopäden versuchten, die Zahnbogenbreiten immer bis auf die von die vom Pont’schen Index vorgegebenen Werte zu verbreitern. Dies geschah in der irrigen Annahme, mit der Expansion auf volle Pont-Breite ein biologisch gutes, stabiles Ergebnis zu erziene. Tatsächlich neigen therapeutisch verbreiterte Zahnbögen unabhängig von irgendwelchen Indizes stets dazu, nach Therapieende auf ihre ursprüngliche Breite zurückzufallen, so dass therapeutische expansion ohnehin keine kluge Behandlungsstrategie ist.

Spätere Untersuchungen zeigten, dass es überhaupt keine diagnostisch oder therapeutisch nutzbare Korrelation zwischen Zahnbreiten und Zahnbogenbreiten gibt, dass also sämtliche Indizes dieser Art ein nutzloser Unsinn waren. Darüber hinaus besteht keinerlei medizinische Rechtfertigung dafür, Zahnbogenmaße unterschiedslos an einen Bevölkerungsdurchschnitt anzugleichen – im Grunde zeigt sich hier ein mechanistisches, kein biologisch begründetes Therapiekonzept. Gleichwohl wurde (oder wird?) der Pont’sche Index an manchen deutschen Universitäten bis in die letzten Jahre hinein gelehrt, was der in der deutschen Kieferorthopädie oft anzutreffenden Provinzialität geschuldet ist. Außerhalb des deutschen Sprachraums ist der Pont’sche Index dagegen zu Recht längst vergessen oder nur noch als Kuriosität bekannt.