Kieferorthopädie: Kosten in der privaten Krankenversicherung

Früher herrschten in der privaten Krankenversicherung (PKV) wunderbare Verhältnisse. Die PKV bot ihren meist jungen, gesunden und gut verdienenden Versicherten für wenig Geld einen großzügigen Vollkaskoschutz, bei dem wenig auf Wirtschaftlichkeit geachtet wurde. Diese schönen Zeiten sind leider vorbei, denn heute prüft die PKV zunehmend, ob eine Behandlung überhaupt erstattet wird und vor allem auch in welcher Höhe. Dabei gibt es zwischen den 48 PKVen in Deutschland große Unterschiede im Erstattungsverhalten, die von weiter bestehender Großzügigkeit bis zur Ablehnung von allem Möglichen unter bewußter Verletzung der Rechtslage reichen können.

Im Einzelnen muss man das also ausprobieren, indem man sich einen Behandlungsplan vom Kieferorthopäden erstellen lässt und den einreicht. Bei Erwachsenen wird die PKV grundsätzlich immer die diagnostischen Unterlagen zur Begutachtung verlangen, bei Kindern greift dies aber auch zunehmend um sich. Die von der PKV beauftragten Gutachter sind natürlich nicht neutral, sondern stehen in einem Dienst- oder Auftragsverhältnis zur PKV. Entsprechend dieser Interessenlage sehen die Gutachten dann auch oft aus. Öfter als zur Bestreitung der Behandlungsnotwendigkeit kommt es in der PKV zu kleinlichen Gefechten über die Höhe der Abrechnung, insbesondere über die Steigerungsfaktoren und ihre Begründungen. Diese Auseinandersetzungen sind für Ärzte und Patienten leider zunehmend belastend.

In der PKV kann nach der geltenden Gebührenordnung ein Vielfaches wie in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) abgerechnet werden. Dieser Unterschied wird in den letzten Jahren allerdings zunehmend durch private Zuzahlungen in der GKV angeglichen. Durch die abnehmende Erstattungsbereitschaft der PKV müssen sich privat Versicherte langsam daran gewöhnen, dass ein gewisser Teil der Kosten von ihnen privat zu tragen ist. Die Behandlungskosten können von 1000€ für die Begradigung zweier Frontzähne bis weit über 10000€ für komplexe Behandlungen erwachsener Patienten reichen.