Aligner: Entwicklung

Vorläufer

Der erste Vorläufer der Aligner war H.D. Keslings „tooth positioner“, erstmals publiziert im Jahr 1945. Der tooth positioner war eine aus Kautschuk gefertigte, beide Zahnbögen umfassende Apparatur, die einem Sportmundschutz ähnlich sieht. Der tooth positioner wurde am Ende einer Behandlung mit festsitzender Zahnspange eingesetzt, um die letzten Korrekturen der Zahnstellung wesentlich abzukürzen. Positioner gibt es bis heute, jedoch werden sie seit langem aus den wesentlich elastischeren Silikonen gefertigt. In der Vergangenheit sind viele Kieferorthopäden auf die Idee gekommen, geteilte Positioner nur für einen Zahnbogen einzusetzen. Diese sahen heutigen Alignern schon recht ähnlich.

1960

Ab 1960 wurden einteilige Plastikschienen von Autoren wie Nahoum und Ponitz beschrieben. Sie dienten vor allem zur Stabilisierung des Behandlungsergebnisses, aber auch für kleine Stellungskorrekturen der Zähne. Ende der 1980er Jahre kam der Japaner Yoshii mit seinen aus hochelastischem Silikon gefertigten Elasto-Apparaten für einen oder zwei Zahnbögen. In Deutschland wurden diese seit 1991 durch die Firma Hinz Kfo-Labor vertrieben. Durch die große Rückstellkraft der hochelastischen Silikone wurden Zahnbewegungen in der Größenordnung bis zu 3mm mit einem einzigen Elasto-Gerät möglich. Der US-Amerikaner J. Sheridan entwickelte in den 1990er Jahren sein eigenes Aligner-System, bei dem die Plastikschienen durch den Kieferorthopäden durch das schrittweise Einfügen von Öffnungen und kleinen Buckeln mehrfach aktiviert werden konnten. Sheridans ESSIX-Aligner erfuhren eine gewisse Verbreitung, waren aber nach wie vor auf kleine Zahnkorrekturen der Frontzähne beschränkt.

1990

Ungefähr gleichzeitig wurden gegen Ende der 1990er Jahre zwei neue Aligner-Systeme entwickelt, mit denen größere Zahnbewegungen möglich wurden: in den USA Invisalign (1997, Align Technology) und in Korea das Clear Aligner System von T-W. Kim (1998). Im Jahr 1999 erfolgte die Vorstellung der Invisalign-Therapie auf dem Kongress der US-Kieferorthopäden. Die Innovation von Invisalign war, dass mit einem einzigen Abdruck der Zähne computergestützt eine ganze Serie von Modellen bis zum gewünschten Schlussergebnis erstellt werden konnte. Mit diesen Modellen konnte dann eine beliebig große Serie von Alignern für einen Patienten hergestellt werden, ohne dass neue Abdrucknahmen erforderlich wurden. So faszinierend das ist, so unglücklich ist es, dass Align Technology ein US-Patent dafür erreichen konnte, mehr als drei Aligner aus einem Abdruck herzustellen. Dabei war dazu bereits lange vor dem Auftauchen jeder findige Zahntechniker in der Lage, ohne dass es dafür der Computertechnik bedurft hätte. Es handelt sich also um ein Trivialpatent, dass in den Augen vieler Fachleute zu Unrecht erteilt wurde. Mit Hilfe dieses Patents gelingt es Align Technology, mögliche Konkurrenten vom Markt zu klagen. Bekanntestes Opfer dieser Strategie war die US-Firma OrthoClear im Jahr 2006. Auch in Deutschland sind Konkurrenten von Align nicht vor derartigen Klagen geschützt. Dazu verhindern die zahlreichen US-Patente der Firma Align Technology, dass andere Firmen ihre Produkte organisch weiterentwickeln können, denn das bringt stets die Gefahr der Patentverletzung. Trotzdem sind derzeit in vielen europäischen Ländern Konkurrenten für Align Technology mit seinem Produkt Invisalign am Markt.

2001

Invisalign wurde 2001 auf dem deutschen Markt eingeführt. Möglicherweise durch die ungeschickte Öffentlichkeitsarbeit der Firma Align Technology wurde im selben Jahr 2001 eine Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Kieferorthopädie (DGKfO) veröffentlicht, in der die Aligner-Therapie sehr negativ beurteilt wurde und die damit der Aligner-Therapie zunächst sehr geschadet hat. Im Jahr 2004 folgte dann eine überarbeitetet Stellungnahme der DGKfO, mit der die Möglichkeiten der Aligner-Therapie anerkannt wurden. Im Jahr 2007 kam es dann zur Gründung einer Deutschen Gesellschaft für Aligner-Orthodontie (DGAO) durch einige an Alignern besonders interessierte Kieferorthopäden. Der erste DGAO Kongress wurde im Jahr 2010 veranstaltet. Ob es sinnvoll ist, für jede einzelne kieferorthopädische Therapieoption eigene Gesellschaften zu gründen, mag dahingestellt sein – aber wenn es den Kollegen Freude macht…

2005

Seit etwa 2005 zieht die Digitalisierung in die Alignertherapie ein. Von digitalen Kieferabdrücken, so genannten 3D-Scans, bis zur Digitalisierung des Setups und der Produktion der Aligner können ältere, analoge Techniken durch digitale Technologie ersetzt werden. Da die neuen Technologien teilweise noch recht teuer und umständlich in der Anwendung sind, haben sie sich noch nicht flächendeckend durchgesetzt. Digitale Technologien werden im Lauf der Zeit immer preisgünstiger bei gleichzeitiger Verbesserung, so dass sich dies im Lauf der kommenden Jahrzehnte bestimmt ändern wird.

2015

Seit 2015 drängen immer mehr so genannte do-it-yourself-Aligner auf den Markt. Bei diesen bekommt der Patient ein Abdruckset nach Hause geliefert, um sich selbst Zahnabdrücke zu machen und diese zur Produktion der Aligner an den Hersteller zu senden. Daneben gibt es auch Alignerhersteller, die einzelne Scan-Center unterhalten, in denen Patienten einen 3D-Scan der Zähne bekommen, oder die mit Partner-Praxen zusammenarbeiten. Das Spektrum reicht also von einer reinen Fernbetreuung über Post und Internet bis zu einer weitgehend traditionellen Behandlung in Partner-Praxen.

Aktuelles

Dr. Madsen im Stern vom 18.07.2019

Im Mitte Juli erschienen Nachrichtenmagazin Stern erschien ein längerer Artikel, der sich kritisch mit der kieferorthopädischen Versorgung in Deutschland auseinandersetzte. Es geht wie immer um die

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