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Symptome erkennen

und Überdiagnostik vermeiden

„Anteriore Diskusverlagerung“ des Kiefergelenks ist keine Erkrankung

Zwischen dem Kiefergelenkköpfchen und den Gelenkflächen des Schädels befindet sich eine Gelenkscheibe, der so genannte Discus articularis, kurz Diskus. Bei der Kieferöffnung gleitet dieser im Idealfall stets mit dem Gelenkköpfchen des Kiefergelenks nach vorn-unten und trennt dadurch die knöchernen Anteile des Kiefergelenks.

Beim Kieferschließen wird der Diskus durch die elastischen Bänder der bilaminären Zone wieder nach hinten gezogen, so dass er in allen Phasen der Kieferbewegung auf dem Gelenkköpfchen bleibt. Die Bänder der bilaminären Zone dehnen sich im menschlichen Kiefergelenk jedoch häufig etwas, so dass der Diskus nicht mehr auf dem Gelenkköpfchen gehalten wird, sondern vor dem Gelenkköpfchen zu liegen kommt.

Die vordere Lage der Gelenkzwischenscheibe oder des Diskus wird oft etwas dramatisierend als „anteriore Diskusverlagerung bezeichnet. Bei der Kieferöffnung gleitet dann das Kiefergelenkköpfchen wieder unter den Diskus, wobei ein Knackgeräusch entstehen kann. Beim Kieferschließern rutscht der Diskus meistens ohne Geräusch wieder vom Gelenkköpfchen herunter. Früher wurde verbreitet angenommen, dass die anteriore Diskusverlagerung, besser bezeichnet als vordere Diskuslage, eine Erkrankung sei, da dieser Befund immer zur Arthritis und Arthrose des Kiefergelenks führen würde. Heute weiß man jedoch, dass die vordere Diskuslage keine Erkrankung ist.

Eine solche Diskuslage findet sich nach MRT (Magnetresonanztomogramm)-Untersuchungen bei ca. 30% der erwachsenen Bevölkerung, ohne dass es bei einem größeren Teil der Betroffenen zu Erkrankungen käme. Die vordere Diskuslage, ob mit oder ohne begleitendem Gelenkknacken, ist eher eine harmlose Veränderung wie das Altern unserer Haut. In aller Regel ist die vordere Diskuslage beschwerdefrei oder nur mit vorübergehenden, leichten Beschwerden verbunden. Die vordere oder anteriore Diskuslage ist weder Grund für weitergehende Diagnostik, noch für irgendwelche therapeutische Maßnahmen. Tip: einige Ärzte empfehlen bei einer vorderen Diskuslage sehr aufwändige, teure und risikoreiche Therapien zur Repositionierung des Diskus. Solche Therapievorschläge sind unsinnig und sollten grundsätzlich nicht befolgt werden!

Tatsächlich kann es in vielen anderen der rund 300 menschlichen Gelenke ebenfalls zu ähnlicher Geräuschbildung kommen, ohne dass sich dafür irgendjemand interessieren würde. Das Kiefergelenk hat einfach das Pech, sehr nahe am Innenohr zu liegen, so dass Betroffene Knackgeräusche dieses Gelenks über die Knochenleitung sehr stark wahrnehmen. So erklärt sich auch, dass in medizinischen Datenbanken fast 100% der Einträge zu Gelenkknacken auf das Kiefergelenk bezogen sind. Betroffene Patienten sind wegen des gut wahrnehmbaren Geräuschs oft in großer Sorge. Ihnen können wir mit bestem Gewissen sagen, dass das Kiefergelenkknacken einfach ignoriert werden kann und in aller Regel keinerlei Folgeerkrankungen mit sich bringt. Das Geräusch verändert sich meistens im Lauf der Zeit, kann stärker oder schwächer werden, häufig auch ganz verschwinden. In keinem Fall sollte das Knacken Anlass zu ernster Sorge sein!

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