MSA nach Bumann

Die Manuelle Strukturanalyse, kurz MSA,  nach Bumann steht für eine Reihe von manuellen Techniken zur Untersuchung der Kiefergelenke. Manuelle (mit den Händen ausgeführte) Untersuchungstechniken sind vor allem in den USA und den Niederlanden, aber auch an vielen anderen Orten in der Welt entwickelt worden. Deshalb sind manuelle Techniken zur Untersuchung von Kiefergelenk und Kaumuskulatur in zahlreichen, leicht variierenden Formen auf der ganzen Welt verbreitet. Bumann hat eine Reihe von manuellen Untersuchungstechniken zu einem systematischen, umfangreichen Untersuchungsgang zusammengefasst und sie unter dem Namen manuelle Strukturanalyse verbreitet. Die MSA wird von vielen Zahnärzten und auch einigen Universitäten seit Jahren eingesetzt.

Einige der manuellen Untersuchungstechniken sind wissenschaftlich jedoch nicht gut belegt, bei anderen fehlt der Nachweis, was mit ihnen eigentlich genau untersucht wird (fehlende Spezifität). So ist zweifelhaft, welche Aussagekraft die 9 verschiedenen Kompressionsrichtungen des Kiefergelenks haben sollen, die in der MSA angegeben sind. Ebenso dubios sind die vier unterschiedlichen Arten des Kiefergelenkknackens, die in der MSA beschrieben werden. Und schließlich ist die Theorie der „okklusalen Vektoren“, die in störenden Zahnkontakten direkte Ursachen für Erkrankungen des Kiefergelenks sehen will, lediglich eine schwache Hypothese. Tatsächlich ist eine der wichtigsten Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte, dass Zahnkontakte und Zahnstellung eine untergeordnete Rolle bei der Entstehung von Kiefergelenks- und Kaumuskelsymptomen spielen. Es ist daher nicht auszuschließen, dass mit der Manuellen Strukturanalyse gesunde Patienten falsch als krank diagnostiziert werden.

Merkwürdigerweise konzentriert sich die MSA auf die Diagnostik von Erkrankungen des Kiefergelenks, obwohl drei Viertel der craniomandibulären Dysfunktionen muskulären Ursprungs sind. Die Palpation der Muskulatur wird in der MSA aber relativ kurz abgehandelt. Die in der Schmerzdiagnostik sehr bedeutende Erhebung psychischer Belastungsfaktoren fehlt in der MSA vollkommen. Die MSA ist deshalb als einachsiges, somatisches Diagnoseverfahren mit Schwerpunkt Gelenksdiagnostik einzuordnen.

Da der Autor Bumann in Deutschland einer der ersten war, der manuelle Untersuchungstechniken systematisiert und in zahlreichen Kursen gelehrt hat, ist die manuelle Strukturanalyse in Deutschland sehr weit verbreitet. Leider ist den Anwendern dabei meist nicht bewusst, dass es sich bei der MSA um eine Mischung aus einigen validierten, aber auch zahlreichen wenig oder gar nicht validierten Untersuchungstechniken handelt. Obwohl die MSA sehr umfänglich und systematisch aufgebaut ist, ist sie daher insgesamt kein wissenschaftlich anerkanntes (validiertes) Diagnostikverfahren für craniomandibuläre Dysfunktionen (CMD).

Wissenschaftlich umfassend validiert sind dagegen die RDC/TMD (Research Diagnostic Criteria for TMD) bzw. die DC/TMD, die außerdem wesentlich weniger Untersuchungsschritte benötigen, um zu diagnostischen Aussagen zu kommen. Die RDC/TMD sind ein zweiachsiges Diagnostikverfahren, bei dem somatische und psychische Befunde gleichermaßen erhoben werden.

Die Funktionskieferorthopädie

Die so genannte Funktionskieferorthopädie ist eine von Viggo Andresen 1935 publizierte Behandlungsweise mit dem Aktivator, die später um eine unüberschaubare Zahl von Aktivator-Klonen (Bionator, Gebissformer, Kinetor, Funktionsregler etc.) erweitert wurde. Neben Andresen hat sich vor allem der Österreicher Karl Häupl um die Funktionskieferorthopädie bemüht. Beide Autoren zusammen haben die Andresen-Häupl’sche Lehre unter dem Schlagwort Funktionskieferorthopädie entwickelt, die für Jahrzehnte wirkmächtig wurde.

Die Verfechter der Funktionskieferorthopädie glaubten, ein vollkommen neues, „biologisches“ und „kausal wirksames“ Wirkprinzip der Kieferorthopädie gefunden zu haben, dass sie der bis dahin vorherrschenden, als mechanistisch empfundenen Orthodontie gegenüberstellten. Sie nahmen an, dass mit großvolumigen Doppelspangen wie dem Aktivator die Funktion der Kaumuskulatur und der mimischen Muskulatur nachhaltig verändert werden könnte. Die verbesserte Muskelfunktion würde ihrerseits alle abweichenden Zahn- und Kieferfehlstellungen korrigieren, gleichsam auf ganz „natürlichem“ Weg. Zunächst war dies nur eine, wenn auch schlecht begründete, wissenschaftliche Hypothese. Nicht zufällig setzte sich die Funktionskieferorthopädie jedoch unter den politischen Bedingungen des Deutschland der 30er Jahre radikal gegen die vorherrschende Orthodontie durch. Die regierenden Nationalsozialisten wollten aus der Alternativmedizin und einigen wissenschaftlichen Versatzstücken eine eigene, deutsche Heilkunde entwickeln. In diese Planung passte die so genannte Funktionskieferorthopädie sehr gut: sie setzte sich radikal von der bisher vorherrschenden, als „mechanistisch“ verurteilten Orthodontie ab und verhieß den Aufbruch zu neuen, „ganzheitlichen“ Ufern. Der Erfinder des Aktivators, Viggo Andresen, forderte in der Sprache dieser Zeit, die bisherige Orthodontie „auszurotten“.

 

Der Siegeszug der Funktionskieferorthopädie in Deutschland

Mit dieser Forderung hatte er leider durchschlagenden Erfolg, denn daraufhin erfolgte für Jahrzehnte kein Unterricht mehr mit den leistungsfähigen festsitzenden Zahnspangen an deutschen Universitäten. An der Universität Frankfurt wurden in den 40er Jahren jegliche aktive Behandlungsmittel, sogar Coffin-Federn an Aktivatoren zur Dehnung der Zahnbögen, verboten, weil man glaubte, allein der Plastikklotz des Aktivators und magische Kräfte würden alles richten. Die Verzweiflung der dortigen Kieferorthopäden, auch kleinste Zahnstellungsabweichungen nicht mehr effektiv korrigieren zu können, muss groß gewesen sein. Unter den Bedingungen der Nazi-Diktatur war die deutsche Kieferorthopädie damit für Jahrzehnte auf ein sektiererisches, weltfremdes Gleis geraten. Noch schlimmer ist aber, dass die dumpfe Mythenwelt der Funktionskieferorthopädie noch bis in die 70er Jahre, teilweise sogar bis heute nachwirkt. Es besteht zwar kein Zweifel, dass mit funktionskieferorthopädischen Zahnspangen wie dem Aktivator unter günstigen Umständen Behandlungseffekte erzielt werden können, wenn diese auch meist recht bescheiden sind. Die Funktionskieferorthopädie als dogmatisches Lehrgebäude steht dagegen in einer Reihe mit dem Lyssenkoismus in der Sowjetunion und der „Deutschen Physik“ im nationalsozialistischen Deutschland. Sie ist ein durch politische Gewalt gelenkter, wissenschaftlicher Irrweg.

 

Die Fakten

In der kieferorthopädischen Behandlung wird mit Kräften und Drehmomenten gearbeitet, die durch eine Zahnspange auf die Zähne übertragen wird. Diese sind mehr oder weniger effizient, primär beeinflusst wird aber stets der Zahn, der durch den Knochen bewegt wird. Die „funktionskieferorthopädische“ Hypothese, durch Änderung der Muskelfunktion alle Zahn- und Kieferfehlstellungen indirekt und viel effektiver zu beheben, kann heute als unsinnig zurückgewiesen werden. Genauso unbelegt und falsch ist die Vorstellung, dass eine herausnehmbare Zahnspange, die im Grunde nur ein Plastikklotz ist, auf „biologische“, „ganzheitliche“ Weise irgendetwas anders erreichen könne, als eine festsitzende Zahnspange. Das haben schon in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts die klügeren Köpfe der europäischen Kieferorthopädie nicht für möglich gehalten. Wenn man z.B. Artikel der dänischen Koryphäe Arne Björk um 1960 liest, findet man eine nüchterne, ablehnende Beurteilung der Funktionskieferorthopädie bereits gut begründet. Heute ist wissenschaftlich etabliert, dass mit der Funktionskieferorthopädie weder die Muskelfunktion noch das Wachstum wesentlich geändert werden können. Der Begriff der Funktionskieferorthopädie ist damit selbst substanzlos geworden und sollte nicht mehr verwendet werden.

 

Warum heißt es eigentlich Kieferorthopädie?

Bis in die 30er Jahre hinein hieß das Fach auf deutsch wie in den meisten anderen Sprachen auch Orthodontie, übersetzt etwa Zahnkorrektur. Das war den deutschen „Funktionskieferorthopäden“ natürlich zu bescheiden, und im Licht ihrer neuen Hypothesen nannten sie das Fach in Kieferorthopädie um. Hintergrund ist ihr Glaube, dass Schädel- und Gesichtswachstum unter der Herrschaft ihrer kleinen, damals aus Kautschuk gefertigten Zahnspangen stünden. Der Gipfel des Einflusses der „Funktionskieferorthopäden“ zeigte sich zu Beginn der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. Damals gelang es, Tom Graber, den Herausgeber des American Journal of Orthodontics (AJO) zur Umbenennung der Zeitschrift in American Journal of Orthodontics and Dentofacial Orthopedics (AJODO) zu bewegen. Diese falsche und irreführende Titulierung müsste im Licht des heutigen Kenntnisstands wieder rückgängig gemacht werden: wir sind definitiv keine Kieferorthopäden, sondern nur ganz bescheidene Orthodonten. Wenn Kieferorthopäden wenigstens das beherrschten: Orthodontie, also Zähne gerade zu machen, würden sie der Öffentlichkeit einen größeren Dienst erweisen als mit unsubstantiierten größeren Ansprüchen.

 

Dear american colleagues: please rename the AJODO in AJO, it’s proper and correct name!

Frühbehandlung in der Kieferorthopädie – der große Schwindel

Es ist international Goldstandard, die kieferorthopädische Behandlung Heranwachsender im frühen bleibenden Gebiss zu beginnen. Die Patienten sind dann etwa 11-12 Jahre alt und alle bleibenden Zähne sind vorhanden. Bei diesem Befund können die meisten jungen Patienten mit einer einzigen festsitzenden Apparatur in durchschnittlich ca. 18 Monaten behandelt werden. Vor diesem Zeitpunkt sind stets noch Milchzähne vorhanden und viele bleibende Zähne nicht durchgebrochen, so dass sie kieferorthopädisch nicht bewegt werden können. Schon deshalb ist eine kieferorthopädische Behandlung im Wechselgebiss grundsätzlich fragwürdig. Darüber hinaus ist eine kieferorthopädische Behandlung zum idealen Zeitpunkt mit 11-12 Jahren einfacher, weil der pubertäre Wachstumsschub naht, und kieferorthopädische Behandlungen in dieser Phase mit raschem Wachstum schneller gehen als in den Jahren davor.

Es gibt also kaum vernünftige Gründe, kieferorthopädische Behandlungen bereits im Grundschulalter zu beginnen. Leider ist genau das in Deutschland bis heute weit verbreitet: zahllose kieferorthopädische Behandlungen werden entgegen dem Stand der Wissenschaft bei Grundschulkindern mit 12 oder mehr Milchzähnen im Mund begonnen. Noch schlimmer ist, dass ein Großteil dieser sogenannten Frühbehandlungen mit den meist veralteten herausnehmbaren Apparaten durchgeführt wird. Herausnehmbare Zahnspangen können von den jungen Patienten gar nicht so viel getragen werden, wie es eigentlich nötig wäre, so dass solche Behandlungen zu 30-50% mit Misserfolgen enden. Und selbst wenn Behandlungseffekte erzielt werden, so sind diese meist bescheiden und die Ergebnisse so schlecht, dass anschließend doch eine festsitzende Apparatur eingesetzt werden muss.

Es ist interessant zu wissen, dass Frühbehandlungen mit herausnehmbaren Apparaten in den meisten anderen entwickelten Ländern weitgehend verschwunden sind. Ebenso ist es eine deutsche Besonderheit, dass bei uns fast alle Kieferorthopäden ein eigenes Labor betreiben, in dem herausnehmbare Zahnspangen hergestellt werden. Ein Eigenlabor ist in anderen Ländern dagegen unbekannt – kein Wunder, denn große Mengen herausnehmbarer Apparate brauchen die Kollegen in anderen Ländern nicht. Den frühen Behandlungsbeginn und die verbreitete Behandlung mit herausnehmbaren Zahnspangen bezahlen Patienten und Eltern teuer: mit überlanger Behandlungsdauer, zahlreichen Misserfolgen und Behandlungsabbrüchen, nicht zuletzt aber mit unnötig hohen Kosten. Und genau da liegt der eigentliche Grund für die antiquierte Behandlungsweise in der deutschen Kieferorthopädie. Durch die deutsche Gebührenordnung sind Behandlungen mit herausnehmbaren Apparaten etwa doppelt so profitabel wie mit festsitzenden. Die Behandlung mit herausnehmbaren Apparaten erfordert so wenig Wissen, Können und körperliche Anstrengung, dass sie dem uralten Menschheitstraum eines arbeitsfreien Einkommens schon recht nahe kommt. Damit wird auch verständlich, warum viele deutsche Kieferorthopäden potentielle junge Patienten am Liebsten schon mit 6 Jahren sehen wollen und glühend für Frühbehandlungen werben. „Je früher, desto besser“, heißt es dann, und man könne „mit frühem Behandlungsbeginn die kieferorthopädische Behandlung weniger aufwändig“ gestalten. Solche Aussagen sind in der Regel leicht als von wirtschaftlichem Interesse geleitet zu durchschauen.

Nur bei ganz wenigen kieferorthopädischen Befunden gibt es Ausnahmen: dazu zählen vor allem der verkehrte Überbiss von Frontzähnen oder auch der schmale Oberkiefer mit komplettem seitlichen Kreuzbiss. In solchen Fällen und bei einigen anderen, seltenen Befunden kann eine frühe Behandlung gerechtfertigt sein. Das sollte dann aber nicht mehr als jedes zwanzigste Kind betreffen – und die Behandlung sollte in der Regel mit festsitzenden Apparaten durchgeführt werden, die sicher und schnell zum Erfolg führen!

Kritik an deutscher Kieferorthopädie im NDR

Im Gesundheitsmagazin Visite des NDR wurde am 16.01.2018 kritisch über die Kieferorthopädie in Deutschland berichtet. Dr. Madsen stand dafür als Interview-Partner zur Verfügung und hat auch den Kontakt zu einem fragwürdig behandelten Patienten hergestellt. Vielleicht führt solche Berichterstattung doch dazu, dass zukünftig auf manche sinnlose kieferorthopädische „Frühbehandlung“ und den Einsatz antiquierter, herausnehmbarer Zahnspangen verzichtet wird.

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Fastbraces – die nächste Luftnummer in der Kieferorthopädie

In der Kieferorthopädie ist es fast schon Gewohnheit, dass immer wieder Hersteller einzelner Brackets ihre Produkte mit übergroßen Versprechungen bewerben. Besonders beliebt ist die Behauptung, mit Bracket X sei die Behandlungsdauer erheblich kürzer als mit „üblichen“ Brackets, gefolgt von weniger Behandlungsterminen, mehr Komfort, weniger Wurzelresorptionen und weniger Drähten.

Fastbraces ist ein von dem US Kieferorthopäden Anthony Viazis um 1995 entworfenes Bracket, das in hohem Maße solche Wundereigenschaften aufweisen soll. Diese werden auf der Website https://fastbraces.com/ ausführlich dargelegt: Während kieferorthopädische Behandlungen mit „üblichen Brackets“ angeblich Jahre dauern, reichen bei Fastbraces oft nur 6 Monate. Bei üblichen Brackets müssen öfters die Drähte ausgetauscht werden, bei Fastbraces reicht ein einziger Draht. Und selbstverständlich erleiden die Patienten weniger Schmerz, Diskomfort und Wurzelschäden, als mit „üblichen“ Brackets. Besonders lustig ist, wie Viazis auf seiner Website ausführt, Fastbraces würden von Anfang der Behandlung an Wurzelbewegungen ausführen, „übliche“ Brackets dagegen zunächst nur die Zahnkronen bewegen. Und eine Wundereigenschaft darf bei bei großartigen Bracketentwicklungen natürlich nie fehlen: selbstverständlich müssen, wenn Fastbraces verwendet werden, auch so gut wie nie bleibende Zähne gezogen werden.

Es braucht kaum erwähnt werden, dass diese unglaublichen Vorteile von Fastbraces natürlich nicht durch irgendwelche Studien an Patienten belegt, sondern einfach als flotte Behauptungen in die Welt gesetzt werden. Wer als Kieferorthopäde einige Jahre Behandlungserfahrung mit verschiedenen Brackets hat und kritisch darüber nachdenkt, weiß jedoch, dass die Unterschiede zwischen verschiedenen Brackets nicht nennenswert sind und sich in der Regel auf bessere Handhabbarkeit durch den Arzt beschränken. Auch die originelle Dreiecksform der Fastbraces wäre keine hinreichende Erklärung für eine überlegene Wirksamkeit dieses Produkts. Wissenschaftlich tätige Kieferorthopäden werden vor diesem Hintergrund kaum dazu zu bewegen sein, eine vergleichende Studie zwischen Fastbraces und „üblichen“ Brackets zu starten – solche Studien hat es mit zahllosen Brackettypen gegeben, ohne dass jemals bedeutende klinische Unterschiede dabei herausgekommen wären. Der Erfinder Viazis selbst hat es in den über 20 Jahren, die Fastbraces auf dem Markt sind, nie für nötig gehalten, stichhaltige Beweise in Form einer hochwertigen Studie vorzulegen. Soweit kann man zusammenfassen: Fastbraces haben keine wesentlich anderen klinischen Eigenschaften als „übliche“ Brackets und werden auf eine unehrliche, wenig faire Art vermarktet.

Dies fand auch die britische Werbeaufsicht ASA, die mit Entscheidung vom 23.04.2016 die Werbeaussagen einer englischen Praxis über Fastbraces unterband. Die ASA beanstandete zahlreiche Regelverletzungen der Fastbraces-Werbung, darunter Irreführung, Übertreibung, falscher Vergleich mit Konkurrenzprodukten etc. Die werbende Praxis wurde angewiesen, nicht mehr zu behaupten, Behandlungen mit Fastbraces gingen schneller, verursachten weniger Schmerzen und Wurzelresorptionen als andere Brackets, so lange dafür keine Beweise vorliegen. Die ausführliche Entscheidung der ASA findet sich unter https://www.asa.org.uk/rulings/igdp-ltd-a16-348854.html

www.sanfte-zahnklammern.de: Desinformation und Hetze über Kieferorthopädie

Während die Autoren kieferorthopädischer Informationsforen meistens selbst Kieferorthopäden sind, ist www.sanfte-zahnklammern eine prominente Ausnahme. Die einzige Autorin, Dr. rer. nat. Larissa Dloczik hat weder eine zahnmedizinische noch gar eine kieferorthopädische Ausbildung, sondern ist studierte Chemikerin und hat nach eigenen Angaben von 1995-2005 an diversen wissenschaftlichen Instituten gearbeitet. Seit 2006 ist sie freiberuflich als „1-Personen-Kleinstbetrieb“ tätig und betreibt die Webseite www.sanfte-zahnklammern.de , die auch unter der Adresse www.zwanglose-zahnspangen.de auftaucht. Weiterhin firmiert Frau Dloczik unter dem Titel Initiative für zwanglose Zahnspangen (IzZ) und ist auf zahlreichen Internetforen zum Thema Kieferorthopädie unter den Namen hordeotech und ruebezahl aktiv. Auf ihren umfangreichen Webpräsenzen findet sich noch ein offenes „Forum für zwanglose Zahnspangen“ http://zahnspange.userboard.org/izz-info-basis-fur-zwanglose-zahnspangen-hauptforum-f1/ , das allerdings hauptsächlich von ihren eigenen, sporadischen Beiträgen lebt. Sie bietet nach Selbsteinschätzung nicht nur „unabhängige Info“, sondern auch „unabhängige Patientenberatung“ sowie eine abrufbare Liste von „ganzheitlich“ kieferorthopädisch arbeitenden Ärzten an. Sie ist in der Ökologisch-demokratischen Partei (ÖDP) unter anderem in deren Bundesarbeitskreis Gesundheitspolitik engagiert. Nach eigenen Angaben ist sie besonders an der Bekämpfung der „Lobbykratie im Gesundheitswesen“ interessiert.

Kurz gesagt, setzt sich Frau Dloczik für den Einsatz herausnehmbarer Zahnspangen ein und führt gleichzeitig einen Kampf gegen die Verwendung festsitzender kieferorthopädische Apparate. Der große Umfang der Webpräsenz einer fachfremden Naturwissenschaftlerin zu einem zahnmedizinischen Fachgebiet, der Kieferorthopädie, wirft die Frage nach der Qualität der angebotenen Informationen auf. Im Folgenden wollen wir ihre Webpräsenz daher einmal etwas näher durchleuchten.

Verräterische Sprache: der Lobgesang der herausnehmbaren Zahnspange

Äußert sich Frau Dloczik zu herausnehmbaren Apparaten, tauchen in diesem Zusammenhang stets charakteristische Eigenschaftsworte, Hauptworte und Redewendungen auf, die durchweg euphorischer und verherrlichender Natur sind. Herausnehmbare Zahnspangen werden von ihr als „grazil, zierlich, robust, hygienisch, tragezeitfreundlich, weisheitszahnfreundlich, gesünder, zahn- und gewebe- und kiefergelenkschonender, patientenschonend“ und als „individuelle flexible Geräte“ bezeichnet. Sie sind „ Naturheil-Spangen“ und üben „geringe Kräfte“ oder gar „geringe Punktkontaktkräfte“ aus, haben eine „gut dosierbare Kraftabgabe“ und kommen „ohne künstliche Kräfte“ aus! Das Resultat ist dann eine „langsame Zahnbewegung“ oder auch „Langsambehandlung“, kurzum sind herausnehmbare Zahnspangen eine „sanfte Methode“ und „humane Mittel“.

Die kieferorthopädische Behandlung mit herausnehmbaren Zahnspangen wird deshalb als „sanft, funktionell, ganzheitlich“ und „funktionsgerecht“ charakterisiert. Damit gelingt dann auch eine „wohlerprobte sanfte Frühbehandlung“. Die Behandlungen mit herausnehmbaren Zahnspangen sind „gesunde“, „risikoarme“  und „einfache“ Methoden, und obendrein noch eine „preisgünstige, risikoarme und komfortable Lösung, zwanglose Alternative, bewährte einheimische Behandlung“, „einheimische zwanglose Methoden“ und „in Europa jahrzehntelang gebräuchliche ‚Wachstumslenkung’ “. Sie ermöglichen ein „schmerzloses Gesundwachsen, Hilfestellung zum Gesundwachsen, von selbst gesünder wachsen“ und eine „Nutzung des Wachstums“, ja sogar „Anreizung des Kieferwachstums“ und regen die „Kieferentwicklung“ an. Der Wirkmechanismus der herausnehmbaren Zahnspangen ist die „Förderung der Selbstheilungskraft, Normalisierung der Kieferhaltung, Normalisierung der muskulären Abläufe, Stärkung der Nasenatmung“. Unter Bezug auf „ältere, heimische Kieferorthopädielehrbücher“ weiß Frau Dloczik mitzuteilen „je früher die Behandlung eines Platzmangels beginnt, desto mehr Wachstum kann zum schonenden Platzgewinn genutzt werden“.

Die Behandlungsergebnisse mit herausnehmbaren Zahnspangen bedeuten dann auch „umfassend korrigieren“ und ein „naturgesundes Kauorgan formen“. Diese kieferorthopädischen Behandlungen haben einen „heilsamen Effekt“, sind „langfristig stabiler“ und erreichen ein „stabiles Gleichgewicht ohne Retention“ und „nachhaltige Heilung“.

Frau Dloczik meint auch, dass die kieferorthopädische Behandlung mit herausnehmbaren Zahnspangen „wirtschaftlicher heilen“ würde, eine  „früh, einfach und billig-Kieferorthopädie“, „bewährte, volkswirtschaftlich gesunde Behandlung“, sei, und auch „kostengünstig, preisgünstig“, eben eine „patientennahe, wirtschaftliche Heilkunde“.

Risiken haben die herausnehmbaren Zahnspangen auch weniger, denn mit ihnen kann man „risikoärmer und wirtschaftlicher heilen“, und die Behandlung wird ein „risikoloses ‚sportliches Vorantreiben’ “. Auch ist die kieferorthopädische Behandlung für die jungen Patienten mit herausnehmbaren Spangen „schmerzärmer, schmerzlos, weniger sprachstörend, wenig belastend“. Deshalb sind Ärzte, die mit herausnehmbaren Zahnspangen arbeiten auch „Ärzte, die maßvoll behandeln und dem Patientenwohl den Vorrang geben“.

Festsitzende Zahnspangen sind des Teufels

Festsitzende Zahnspangen sind bei Frau Dloczik dagegen „jahrelange Kariesfallen, Horror-Zahnspangen, ‚Foltergeräte’, und ein ‚Höllending’ “. Kein Wunder, denn sie sind „mechaniklastig, hinderlich, invasiv“, „Körperverletzung“ und „vergällen Grundschülern die Kindheit“. Klar, dass die festsitzenden Apparate in den USA entwickelt worden sind, denn es ist „die Anwendung von Zwang in USA verbreiteter“. US-Amerika mag Frau Dloczik gar nicht, denn „amerikanische Zwangsbehandlung“, „verbreitete alte US-Methode“ und „Kolonisation der Welt mit US-Methoden“ sind schlicht „neokolonialistisch“. Festsitzende kieferorthopädische Behandlungen sind „kostentreibende Risikomethoden, schnell durchgepeitschte Behandlung, Hau-Ruck-Methoden“, gern auch „mittelalterlich anmutende Brachialmethoden, harte Methoden“ und „brachiale Maßnahmen“. Erreicht wird mit festsitzender Therapie auch nur eine „unter Schmerzen künstlich erzwungene Form“, und das mit „künstlich aufgezwungenen Kräften“. Festsitzende Behandlung bedeutet eben „künstliche Kräfte“, ist „widernatürlich, unnatürlich, traumatisierend, traumatisch“, findet gleichwohl ihre „unheilvolle Verbreitung“ und „brutalisierte Praxis“. Die jungen Opfer dieser „Schnelltöter-Methoden“ erleiden dadurch „aufgezwungene Schmerzen“.

Behandlungsergebnisse mit festitzenden Apparaten sind „widernatürlich“, „künstlich geschaffene, instabile Zahnstellung“, „in Einheitsform zwingen“, und das läuft dann auf ein „Schaufensterpuppen-Gebiss“ oder ein „unnatürlich schmales Mäuschengebiss, mit weit hinten stehenden Eckzähnen“ hinaus.

Dramatische Überzeichnung der Risiken festsitzender Apparate

Frau Dloczik weiß auch, das festsitzende Zahnspangen „hohe Kosten“ verursachen, in jedem Fall „aufwändiger“ sind, als herausnehmbare Zahnspangen. Dazu bedeuten festsitzenden Zahnspangen „Risiken von Karies“, „Entzündungen“, „Wurzelschäden“, „Haltungsschäden und psychischer Erfahrung von Gewalt im Mundraum“ und „lassen unterentwickelte Kiefer für das Leben so“.

Das Leiden der „Opfer“ festsitzender kieferorthopädischer Behandlung erscheint als „Opfer-Berichte“: „Zunge verletzen, Kaufähigkeit arg einschränken, psychische Traumatisierung, Tortur, Qualen, Quälerei“ findet sich, „quälen, qualvoll, gequält, malträtiert“ wird da, und es entstehen „Schluckschmerz-Zustand“ und „heftige Halsentzündung“, die kleinen Patienten sind „fast am Verhungern“, denn sie können „nicht mehr richtig kauen“. Klar, dass das „Gewalt gegen Kinder“ ist.

Lieblingsfeinde Gaumennahterweiterung und Zähneziehen

Unter den festsitzenden Zahnspangen pflegt Frau Dloczik besondere Abneigung gegen einige Apparate und Verfahren. So sei Zähneziehen „Verstümmelung des Mundraums“, und sie teilt dazu mit, dass „Extraktion in über 60% der Fälle unnötig“ wäre. Die Folge der Zahnextraktion ist „Deformation der Zahnbögen zu einem spitzen ‚Mäuschengebiss’ “ und ein „Spitzkiefer“, schließlich dass „der Raum für Zunge und Nasen-Atemwege eingeengt“ wird, und das „Risiko für Kiefergelenksbeschwerden steigt“.

Die an sich sehr nützliche und gut verträgliche Gaumennahterweiterung (GNE), weiß Frau Dloczik, ist „traumatisierend“, und „Gewalt gegen Kinder wird zur Routine“. Die GNE wird von ihr als „neokolonialistische Behandlungsform“ oder „Misshandlungsform“  bezeichnet, deren Folgen „Verdauungsprobleme bis zur Gastritis“, „Verbreiterung der Nase“ und „psychische Schäden“ sind. Die GNE wird von ihr daher auch nicht als Gaumennahterweiterung, sondern als „verletzende Gaumennahtsprengung“ tituliert.

Festsitzende Retainer zur Stabilisierung des Behandlungsergebnisses sind in Frau Dlocziks Augen „gefährliche Kariesfänger“, das Herbst-Scharnier eine „beispiellose Rohheit“, denn es  „unterdrückt Selbstheilungskraft“, und durch seinen Einsatz werden „die Zähne starr ‚in Eisen gelegt’ “.

Die seit dem Jahr 2000 in der Kieferorthopädie verwendeten chirurgischen Schrauben zur Verankerung direkt im Kieferknochen „eröffnen Bakterien den direkten Weg in den Knochen“ mit „dem Risiko hartnäckiger Knochenentzündungen“. Diese „kann langwierig und gefährlich werden“ und ein  „wegeiternder Gaumenknochen“  die Folge sein – Risiken, die der fleißig Schrauben setzende Autor dieser Zeilen nie erlebt noch von denen er aus seriösen Quellen jemals gehört hätte. Woher um Himmels Willen bezieht Dloczik diese kruden Informationen?

Allein Habgier und Gewissenlosigkeit sind nach Frau Dloczik  die Gründe für die Verwendung festsitzender Apparate: es ist ein „profitmaximierendes Geschäft mit der Krankheit“ und „profitable Methoden“, es geht „nur um Profitmaximierung“. Patienten und ihre Eltern werden dabei „gefügig gemacht“, in dem „skrupellose Behandler“ als „Erpresser“ agieren, und dabei „drohen, bedrohen, unterschlagen“. Die zahlreichen Nachteile festsitzender Zahnspangen werden „den Eltern oft verschwiegen“, stattdessen wird mit der „Marketing-Keule“ auf sie eingeschlagen, und das ist schlicht „verbrecherisch“.

Frau Dlocziks Thesen im Licht der Wissenschaft

Es fällt den meisten Lesern solcher Aussagen sicher auf, dass hier ein drastisches, holzschnittartiges Schwarz-Weiß-Bild ohne jede Zwischentöne gezeichnet wird. Es widerspricht jeder Lebenserfahrung, dass es auf komplexe Fragen so simple und eindeutige Antworten gibt. Wir wollen Frau Dlocziks Kernaussagen daher einmal  im Licht der Wissenschaft diskutieren.

Herausnehmbare Zahnspangen sind für die meisten kieferorthopädischen Behandlungen ungeeignet

Entgegen ihrer Auffassung, man könne mit herkömmlichen herausnehmbaren Zahnspangen allein kieferorthopädisch behandeln, sind diese Apparate in ihrer Wirkung so eingeschränkt, dass nur sehr einfache Behandlungen mit ihnen zu lösen sind. Mit herausnehmbaren Zahnspangen sind Drehungen von Zähnen nur an den Schneidezähnen möglich, während alles andere rotiert stehen bleibt. Verlängerungen und Verkürzungen einzelner Zähne sind ebenso wenig möglich wie körperliche Zahnbewegungen, denn mit herausnehmbaren Zahnspangen sind nur kippende Zahnbewegungen machbar. Allein diese Gründe wären schon ausreichend, um herausnehmbare Apparate nur noch in seltenen Ausnahmefällen zu verwenden. All dies kann Frau Dloczik trotz ihres in eindrucksvoller Breite angeeigneten Halbwissens nicht überblicken, denn als Chemikerin hat sie natürlich niemals Patienten mit den vor ihr propagierten herausnehmbaren Zahnspangen behandeln müssen. Sie redet also etwa so wie der Blinde von der Farbe.

Besondere Wirkung herausnehmbarer Zahnspangen ist Unsinn

Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass Dlocziks Vorstellungen von einer besonders natürlichen, sanften oder ganzheitlichen Wirkungsweise herausnehmbarer Zahnspangen reine Dichtkunst sind: faktisch wirken alle Zahnspangen mit Kräften, festsitzende darüber hinaus mit Drehmomenten. Es ist also alles die gute alte Newton’sche Mechanik, gefolgt von einer biologischen Reaktion. Der wesentliche Unterschied ist, dass die mechanischen Möglichkeiten herausnehmbarer Zahnspangen stark eingeschränkt sind und ihr Einsatzspektrum darum gering ist. Es bleibt Frau Dlocziks Geheimnis, wie man über diese simplen Tatsachen so viel heißen Dampf verbreiten kann.

Versorgungsstudien zeigen schlechte Ergebnisse mit herausnehmbaren Zahnspangen

Zahlreiche Studien über kieferorthopädische Behandlung haben gezeigt, dass die Verbesserungen mit herausnehmbaren Zahnspangen deutlich geringer sind als mit festsitzenden. Dazu ist mit herausnehmbaren Zahnspangen die Wahrscheinlichkeit am Größten, den Befund sogar noch zu verschlechtern. Die größte Verbesserung der Zahnstellung wird dagegen mit einer vollständigen, festsitzenden Apparatur in beiden Kiefern erreicht. Erschwerend kommt hinzu, dass kieferorthopädische Behandlungen mit herausnehmbaren Zahnspangen ein Vielfaches der mit festsitzenden üblichen Behandlungszeit von 1-2 Jahren dauern. Behandlungen, die sich über 5-10 Jahre hinziehen und damit einen großen Teil der Kindheit und Jugend überschatten, sind keine Seltenheit. Aber wer soll so etwas freiwillig ertragen?

Herausnehmbare Zahnspangen führen zu 30-50% Mißerfolgen

Darüber hinaus sind herausnehmbare Zahnspangen fast alle mit einer starken Sprachbehinderung verbunden, so dass sie in der Regel nur nachts getragen werden können. Es konnte in Tragezeitstudien nachgewiesen werden, dass Kinder ihre Zahnspangen – völlig unabhängig vom Apparatetyp und der ärztlichen Anweisung – nur 10 Stunden am Tag tragen. Mehr geht auch realistischerweise nicht, aber mit dieser kurzen Tragezeit lassen sich in der Regel kaum gezielte Zahnbewegungen erreichen. Die meisten herausnehmbaren Zahnspangen sind bis etwa 1960 unter den Bedingungen der deutschen Diktaturen – dem nationalsozialistischen Deutschland und der DDR – entwickelt worden, also in Zeiten, in denen die Jugend uniformiert wurde und körperliche Gewalt in der Erziehung üblich war. Nur mit einem so erzeugten Kadavergehorsam können Kinder über lange Zeit mit herausnehmbaren Zahnspangen behandelt werden. Wenn Frau Dloczik also vermeint, herausnehmbare Zahnspangen wären im Sinn von Freiheit und Menschenwürde zu bevorzugen, so ist im wirklichen Leben das genaue Gegenteil richtig: es ist eine Verletzung der Würde junger Patienten, über lange Zeit tagsüber mit Plastikapparaten im Mund leben zu müssen. Und die jungen Patienten wissen sich auf ihre Weise zu wehren – durch Tragen der Apparate in der Hosentasche. So kann eine kieferorthopädische Behandlung aber nicht gelingen!

Besonders seltsam ist Frau Dlocziks häufiges Rekurrieren auf althergebrachte, möglichst deutsche oder ersatzweise europäische Behandlungsverfahren und ihre Abneigung gegen alles US-amerikanische. Solche Kriterien sind rein völkisch-ideologischer Natur, während es die Zähne nicht einmal unterscheiden können, in welchem Land diese oder jene Zahnspange entwickelt worden ist. Ihre Verachtung gegen die USA erinnert sehr an das, was in Deutschland während der Weltkriege und besonders im Nationalsozialismus gegen die Angelsachsen und die jüdisch-amerikanische Plutokratie in Stellung gebracht wurde. Mit einer rationalen Bewertung des Aufwand/Nutzen-Verhältnisses bestimmer Zahnspangen hat solche Rhetorik dagegen nichts zu tun.

Herausnehmbare Zahnspangen sind unwirtschaftlich

Versorgungsstudien haben regelmäßig gezeigt, dass die Behandlung mit herausnehmbaren Apparaten teurer ist als die mit festsitzenden. Das erklärt sich leicht aus der eingeschränkten Wirkung, der wesentlich längeren Behandlungsdauer, und der hohen Misserfolgsquote herausnehmbarer Apparate. Schwedische Forscher haben in einer methodisch hochwertigen Studie gezeigt, dass selbst eine einfache Behandlungsaufgabe wie die Verbreiterung des oberen Zahnbogens mit festsitzenden Zahnspangen wirtschaftlicher ist. Dabei wurden alle Kosten bis zu den Fahrtkosten und Arbeitszeitausfall der Eltern einbezogen. Klar ist damit, dass herausnehmbare Zahnspangen bei den meisten Behandlungen schlicht unwirtschaftlich sind – auch hier ist also das exakte Gegenteil der Dloczik’schen Auffassung richtig.

Festsitzende Apparaturen sind komfortabel, sicher und effizient

Während mit herausnehmbaren Zahnspangen weder eine normale Sprache, noch gar Nahrungsaufnahme oder andere orale Funktion möglich ist, kann man mit den meisten festsitzenden Apparaten ungehindert sprechen und essen. Auf der Komfortseite gilt daher ganz klar Vorteil für die festsitzenden Apparate. Risiken bergen diese natürlich wie jede andere medizinische Maßnahme auch. Typischerweise können Schmelzentkalkungen in Form weißer Flecke, kleine Schäden an den Zahnwurzeln und am Kieferknochen entstehen. Einzig Entkalkungen gibt es mit herausnehmbaren Zahnspangen nicht. Im Gegensatz zu Frau Dlocziks Vorstellungen gibt es aber keinen Beleg dafür, dass herausnehmbare Zahnspangen weniger Wurzel- oder Knochenschäden verursachen. In der Regel sind diese meistens so gering, dass sie unentdeckt und folgenlos bleiben. Um dies zu verstehen, müsste Frau Dloczik jedoch Zugang zur englischsprachigen Fachliteratur haben, der ihr verständlicherweise fehlt. Ihre Einlassungen zur angeblichen Harmlosigkeit herausnehmbarer und Gefährlichkeit festsitzender Zahnspangen sind von naiven Vorurteilen und vollkommener Kenntnislosigkeit geprägt.

Die Gaumennahterweiterung ist das effizienteste Behandlungsmittel der Kieferorthopädie

Gerade die von Frau Dloczik besonders vehement verteufelte Gaumennahterweiterung (GNE) ist ein Behandlungsmittel, dass von Kindern und Jugendlichen sehr gut akzeptíert wird und wenig Komplikationen mit sich bringt. Je jünger die Patienten sind, um so weniger Druck und Mißempfíndungen wird überhaupt wahrgenommen. Dafür schafft die GNE ein echte knöcherne Verbreiterung des Oberkiefers, während mit herausnehmbaren Zahnspangen lediglich die Backenzähne nach außen gekippt werden, was ein vollkommen unerwünschter Behandlungseffekt ist. Als Nebenwirkung der Oberkieferverbreiterung erfahren die Patíenten eine Verbesserung der Nasenatmung, weniger HNO-Symptome, bessere Schlafqualität und – in mehreren Studien nachgewiesen – weniger Bettnässen. Der etwas seltsam klingende letztgenannte Effekt wírd auf die Verbesserung der Nasenatmung und die dadurch bessere Sauerstoffsättigung des Bluts während der Nacht zurückgeführt. Man kann sagen, dass es keine zweite kieferorthopädische Apparatur gibt, die in kurzer Zeit große und nützliche Zahnbewegungen bewirkt und gleichzeitig so viele günstige medizinische Auswirkungen hat. Gerade bei der GNE zeigt sich, dass der Dloczik’sche Furor vollkommen fehlgeleitet ist.

Festsitzende Zahnspangen sind der Goldstandard moderner Kieferorthopädie

Internationaler Goldstandard für kieferorthopädische Behandlungen ist der späte Behandlungsbeginn mit 11-13 Jahren, wenn das bleibende Gebiß voll ausgebildet ist. Die Behandlung wird in aller Regel mit einer einzigen, festsitzenden Apparatur durchgeführt und dauert 1-2 Jahre. Nur in einigen fachlich rückständigen Ländern wie Deutschland wird gegen diesen Goldstandard in etwas anarchischer Weise verstoßen: bei uns behaupten Kieferorthopäden, ein früher Beginn im Grundschulalter, also im Wechselgebiß mit noch vielen präsenten Milchzähnen, habe Vorteile für die Patienten. In den letzten 20 Jahren ist diese Auffassung jedoch durch zahlreiche hochwertige Studien so gründlich widerlegt worden, dass es schon dreist ist, heute noch Frühbehandlungen in großem Stil anzubieten. Noch schlimmer wird das Bild, wenn man sich verdeutlicht, dass in Deutschland ca. 50% der Behandlungszeit bei Heranwachsenden mit herausnehmbaren Zahnspangen bestritten wird, die, wie wir gesehen haben, fast nur Nachteile für die Patienten haben. Das Resultat ist wenig überraschend: in Deutschland dauern kieferorthopädische Behandlungen aus diesen Gründen doppelt so lang wie in anderen Ländern und sind erheblich teurer als nötig.

Der wahre Grund für herausnehmbare Zahnspangen: das liebe Geld

Unwirtschaftlich sind herausnehmbare Zahnspangen wohl für die Patienten und ihre Krankenversicherungen, für die Ärzte sind sie aber der Goldesel überhaupt. Es gibt nichts in der Zahnmedizin einschließlich der Versorgung mit Zahnimplantaten samt hochwertigem Zahnersatz, mit dem sich derartig mühelos so hohe Gewinne erwirtschaften lassen. Die Arbeit mit herausnehmbaren Zahnspangen erfordert weder vertiefte Kenntnisse, körperliche oder geistige Anstrengung noch finanzielle oder personelle Ressourcen. Das Einsetzen herausnehmbarer Zahnspangen kommt dem uralten Menschheitstraum eines arbeitsfreien Einkommens so nahe, dass es schon fast unverständlich wäre, würden die deutschen Kieferorthopäden diese Einladung zum Geldscheffeln nicht dankbar annehmen. Frau Dlocziks Insinuation, herausnehmbare Zahnspangen würden aus Menschenliebe, festsitzende dagegen aus Geldgier eingesetzt, ist also erneut absolut daneben. Richtig ist auch hier, wie in mehreren Punkten vorher, das Gegenteil. Festsitzende Zahnspangen sind tendenziell unterhonoriert, und eine Praxis, die überwiegend festsitzend arbeitet, steht wirtschaftlich schlechter da als eine solche, die stark auf herausnehmbare Zahnspangen setzt. Auch das kann Frau Dloczik nicht einmal erahnen, weilsie noch nie in der Verlegenheit war, eine kieferorthopädische Praxis zu betreiben. Ohne die harte Erfahrung der wirtschaftlichen Realität lässt es sich natürlich unbeschwert fabulieren – für den ratsuchenden Patienten sind Dlocziks Aussagen zur Wirtschaftlichkeit schlicht irreführend.

Schuster, bleib bei deinen Leisten

Trotz allem Schaum vor dem Mund ist Frau Dloczik sicher nicht bösartig und ganz bestimmt nicht fremdbestimmt oder gar korrupt. Ohne Zweifel ist sie als Naturwissenschaftlerin von hoher Intelligenz, und ihr Engagement erscheint als subjektiv ehrlich und uneigennützig. Wie kommt aber eine studierte Chemikerin auf die Schnapsidee, über eine zahnmedizinische Randdisziplin wie die Kieferorthopädie eine derartige groteske, allumfassende Verschwörungstheorie zu entwickeln? Dies auch noch vor dem Hintergrund, über keine eigenen Erfahrungen mit der Durchführung von Patientenbehandlungen zu verfügen und auf Hörensagen und zufällig angeeignete Kenntnisse angewiesen zu sein? Und, strafverschärfend, dafür die eigene qualifizierte Berufsausübung einzustellen und ihre ganze Tatkraft der Verbreitung dieser Verschwörungstheorie zu widmen?

Frau Dloczik führt dies sogar so weit, dass sie Patienten über ihre diversen Webpräsenzen in kieferorthopädischen Fragen berät und im Sinn ihrer Verschwörungstheorie beeinflusst. Wer würde Dloczik auch nur seine Schuhe zur Reparatur bringen? Wahrscheinlich würden die meisten Menschen dafür eher an einen Schuster denken, und am Besten sollte es in der Kieferorthopädie genau so gehalten werden. Letzten Endes ist Frau Dlocziks Wirken gleichzeitig anmaßend und selbstüberschätzend, und ihre Webpräsenzen sind ein tragisches Beispiel, zu welchen Auswüchsen fehlgeleitete Intelligenz fähig sein kann. Der wissensdurstige Leser sei jedoch gewarnt: hier kommt nicht das Licht der Aufklärung, sondern stark vernebeltes, braunes Sumpfgebiet. Ich würde ihr wünschen, dass Frau Dloczik wieder eine ihrer Qualifikation entsprechende Arbeit findet und noch viele ihrer geliebten Hochgebirgstouren machen kann – aber dafür ihre verschwurbelten Webpräsenzen aus dem Netz entfernt.

Eltern aufgepasst: Herausnehmbare Zahnspangen sind veraltet, ineffizient und unwirtschaftlich

In aller Welt ist die kieferorthopädische Behandlung mit festsitzenden Apparaten der Goldstandard. Nur in Deutschland werden bis heute etwa 50% der Behandlungszeit bei heranwachsenden Patienten mit herausnehmbaren Apparaten bestritten. Herausnehmbare Apparate sind jedoch keineswegs eine vollwertige Alternative zu festsitzenden: viele Zahnbewegungen wie Drehungen von Seitenzähnen oder Verlängerungen und Verkürzungen von Zähnen sind mit herausnehmbaren Apparaten unmöglich. Grundsätzlich können Zähne mit diesen primitiven Apparaten nur gekippt werden; da jedoch oft körperliche Bewegungen mit Kontrolle der Zahnachse notwendig sind, taugen herausnehmbare Apparate nur für sehr einfache, begrenzte Behandlungen. Dazu kommt, dass die meisten herausnehmbaren Zahnspangen stark beim Sprechen behindern. Aus diesem Grund ergaben Studien zur Tragezeit, dass herausnehmbare Apparate durchschnittlich nicht mehr als 10 Stunden pro Tag getragen werden, während die notwendige Tragezeit eher bei 12-16 Stunden liegt – unter diesen Umständen können Behandlungen mit herausnehmbaren Zahnspangen in der Regel  also nicht gelingen.

Vor diesem Hintergrund ist es kein Wunder, dass die Verbesserungen der Zahnstellung mit festsitzenden Apparaten wesentlich größer sind, als dies mit herausnehmbaren Apparaten der Fall ist. Vergleichende Studien haben für festsitzende Apparate eine wesentlich bessere Effizienz ergeben. Bei Verwendung von herausnehmbaren Zahnspangen erhöht sich zudem die Wahrscheinlichkeit, die Zahnstellung sogar zu verschlechtern, wie britische Forscher herausfanden. Weiterhin werden die kieferorthopädische Behandlungen mit herausnehmbaren Zahnspangen zwischen 30-60% erfolglos abgebrochen, weil die jungen Patienten die Beeinträchtigungen durch die Plastikklötze in ihren Mündern nicht hinnehmen und sich auf ihre Weise wehren, nämlich durch Nichttragen der Störenfriede. Schlussendlich haben weitere Studien ergeben, dass die Behandlung mit herausnehmbaren Zahnspangen nicht nur weniger Erfolg versprechend, sondern auch noch teurer ist. Herausnehmbare Zahnspangen sind normalerweise schlicht unwirtschaftlich, wie es klar nachgewiesen werden konnte, während festsitzende Zahnspangen einen reellen Gegenwert für das investierte Geld bieten.

Das Rätsel, warum herausnehmbare Zahnspangen trotz all ihrer Nachteile bei deutschen Kieferorthopäden so beliebt sind, ist leicht zu lösen. Tatsächlich gibt es keine zahnärztliche Prozedur bis hin zu Zahnimplantaten, die bei geringstem Einsatz so profitabel ist wie das Arbeiten mit herausnehmbaren Zahnspangen: Diese werden von Zahntechnikern hergestellt und können mit minimalem Wissen, Können und Aufwand an Patienten verteilt werden. Mit 6-8 kurzen Kontrollterminen im Jahr kann ein beachtlicher Umsatz generiert werden, ohne dass der Behandler über besonderes Know-how verfügen oder auch nur seinen Rücken einmal krümmen müsste. Die Behandlung mit herausnehmbaren Zahnspangen ist im deutschen Gebührensystem zu nahe am uralten Menschheitstraum eines arbeitsfreien Einkommens, um nicht von einer ganzen Gruppe von Heilberuflern favorisiert zu werden. Dazu passt, dass in Deutschland selbst ein junger Neugründer einer kieferorthopädischen Praxis sofort ein eigenes Zahnarztlabor einrichtet und einen eigenen Zahntechniker einstellt, der herausnehmbare Zahnspangen herstellt. Während das in Deutschland als normal empfunden wird, reiben sich Kieferorthopäden aus anderen Ländern  verwundert die Augen: Niemand braucht dort herausnehmbare Zahnspangen in nennenswerter Menge, und ein eigenes Zahnarztlabor zu deren Herstellung ist in anderen Ländern fast unbekannt.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass herausnehmbare Apparate in Deutschland wider besseres Wissen, trotz ihrer erwiesenen Untauglichkeit, ihrer hohen Misserfolgsrate und ihrer Unwirtschaftlichkeit gezielt weiter genutzt werden, weil sich damit eine kleine Berufsgruppe auf Kosten der Patienten wirtschaftlichen Gewinn verschafft. Eltern kann nur geraten werden, eine kieferorthopädische Behandlung mit herausnehmbaren Zahnspangen grundsätzlich zurückzuweisen und die Behandlung mit festsitzenden Apparaten zu verlangen. Einzige begründete Ausnahme ist die kieferorthopädische Behandlung des Rückbisses des Unterkiefers mit einer einzigen Doppelspange – schon eine Abfolge von mehreren herausnehmbaren Apparaten dieser Art muss dagegen als widersinnig zurückgewiesen werden!

Der richtige Zeitpunkt für die kieferorthopädische Behandlung

Von Kieferorthopäden erhalten junge Patienten und Eltern oft verwirrende Auskünfte über den richtigen Zeitpunkt zum Beginn einer kieferorthopädischen Behandlung. So empfehlen manche Kollegen bereits einen Behandlungsbeginn im Vorschulalter, viele andere im Grundschulalter, also zu einer Zeit, wenn noch viele Milchzähne im Mund vorhanden sind.

Dabei ist es im Grunde ganz einfach: Begradigt werden sollen natürlich die bleibenden Zähne, während die Milchzähne ohnehin ausfallen und ihre kieferorthopädische Bearbeitung daher grundsätzlich fragwürdig ist. Schon aus diesem Grund ist es weltweit üblich, die kieferorthopädische Behandlung erst dann zu beginnen, wenn alle bleibenden Zähne im Mund vorhanden sind. Das ist meistens im Alter von 11-12 Jahren der Fall, und Kieferorthopäden, die eine ehrliche, bescheidene Leistung abliefern wollen, fangen daher grundsätzlich erst in diesem Alter mit der Behandlung an.

Abgesehen von dem logischen Gedanken, keinen sinnlosen Aufwand an ausfallenden Milchzähnen auszulösen, kommt noch ein zweiter Grund dazu, der für einen Behandlungsbeginn im frühen bleibenden Gebiss spricht. Sämtliche Zahnbewegungen gehen während des pubertären Wachstumsschubs am schnellsten und elegantesten, so dass auch von daher alles dafür spricht, Grundschulkinder vor einem Alter von 10 Jahren mit kieferorthopädischen Maßnahmen zu verschonen und geduldig bis zum idealen Behandlungszeitpunkt mit 11-12 Jahren abzuwarten. Der Gewinn für dieses Abwarten ist groß: Die jungen Patienten samt ihren Eltern werden mit kurzen und unkomplizierten Behandlungen, und letzten Endes auch mit geringeren Behandlungskosten belohnt.

In Deutschland herrscht die „Frühbehandlung“

Es ist interessant festzustellen, dass ausgerechnet in einem wohlhabenden Industrieland wie Deutschland mit größter Selbstverständlichkeit gegen diese einfachen Regeln zum idealen Behandlungsbeginn verstoßen wird. Deutsche Kieferorthopäden hängen ganz überwiegend dem alten Modell der sogenannten „Frühbehandlung“ an. Die meisten Kollegen versuchen, junge Patienten möglichst früh, am besten bereits beim ersten Betreten der Praxis, als Patienten zu rekrutieren. Gerechtfertigt wird dieser Unfug mit zwei Vorwänden: Einerseits würde durch den frühen Beginn die gesamte Behandlung weniger aufwändig, und andererseits würden die Zahn- und Kieferstellungen sich ohne frühen Eingriff im Grundschulalter stetig verschlimmern, was nur mit einem frühen Behandlungsbeginn verhindert werden könne. Die Propaganda für die sogenannte Frühbehandlung wird in der griffigen Parole „je früher, desto besser“ zusammengefasst. Ja, warum dann nicht gleich kieferorthopädische Behandlung in utero, also im Mutterleib? Dann müsste der Aufwand doch NOCH geringer werden, oder? Die wissenschaftlichen Fakten zeigen dagegen eindeutig, dass die Behandlungsdauer wie auch die Behandlungskosten umso höher werden, je früher mit der kieferorthopädischen Behandlung begonnen wird. Ebenso ist nachgewiesen, dass die Zahn- und Kieferfehlstellungen sich im Alter von 6 bis 12 Jahren keineswegs wesentlich verstärken. Erschwerend kommt hinzu, dass die Wahrscheinlichkeit einer komplett neuen Diagnostik und Therapieplanung während der Behandlung mit allen nachfolgenden Kosten und Belastungen umso höher ist, je früher mit der kieferorthopädischen Behandlung begonnen wurde – es sprechen also alle Fakten gegen frühen Behandlungsbeginn.

Im Regelfall bleibt daher der Behandlungsbeginn im frühen bleibenden Gebiss mit 11-12 Jahren der  wissenschaftlich begründete Goldstandard. Das wahre Geheimnis, warum ausgerechnet Deutschland eine Hochburg der Frühbehandlung ist, ist dagegen leicht zu finden. In Deutschland werden keine Pauschalpreise für kieferorthopädische Behandlungen gezahlt, sondern einzelne Leistungen vergütet. Das bedeutet, dass der Arzt kaufmännisch am klügsten handelt, der die längsten und aufwändigsten Behandlungen macht. Da überrascht es nicht, dass kieferorthopädische Behandlungen international durchschnittlich 1-2 Jahre dauern, in Deutschland dagegen 3-4 Jahre. Erschwerend kommt hinzu, dass ein Großteil der sogenannten Frühbehandlungen auch noch mit den fast durchweg veralteten herausnehmbaren Apparaturen durchgeführt wird – diese werden international kaum noch genutzt und wissenschaftlich weder erforscht noch weiter entwickelt, weil festsitzende Apparaturen fast durchweg effizienter, wirtschaftlicher und patientenfreundlicher sind. Herausnehmbare Apparate sind trotz ihrer Minderwertigkeit jedoch der Goldesel der deutschen Kieferorthopäden, denn mit keiner anderen zahnärztlichen Technik lassen sich derartig hohe Gewinne generieren wie mit diesen simplen, leicht zu beherrschenden Zahnspangen. Wenn deutsche Kieferorthopäden also ihren geliebten Glaubenssatz „je früher, desto besser“ abspulen, denken sie an ihren wirtschaftlichen Gewinn, aber sicher nicht an das Wohl ihrer Patienten.

Rat für Eltern: später Behandlungsbeginn ist besser für’s Kind

Eltern kann nur geraten werden, den Einflüsterungen für einen frühen Behandlungsbeginn im Grundschulalter zu widerstehen, so scheinbar plausibel sie auch daherkommen mögen. Weit über 90% der Kinder mit kieferorthopädischem Behandlungsbedarf sind mit einem Behandlungsbeginn im frühen bleibenden Gebiss im Alter von 11-12 Jahren am besten bedient. Ausnahmen sind Kreuzbisse von Frontzähnen, vollständige seitliche Kreuzbisse mit Seitabweichung des Unterkiefers und einige weitere, sehr seltene Befunde. Alle anderen Fälle profitieren von einem frühen Behandlungsbeginn in keiner Weise, sondern büßen diesen vielfältig. Einfache Regel ist, normalerweise bis zum Durchbruch aller bleibenden Zähne abzuwarten, bevor kieferorthopädische Maßnahmen begonnen werden.