Fastbraces – die nächste Luftnummer in der Kieferorthopädie

In der Kieferorthopädie ist es fast schon Gewohnheit, dass immer wieder Hersteller einzelner Brackets ihre Produkte mit übergroßen Versprechungen bewerben. Besonders beliebt ist die Behauptung, mit Bracket X sei die Behandlungsdauer erheblich kürzer als mit „üblichen“ Brackets, gefolgt von weniger Behandlungsterminen, mehr Komfort, weniger Wurzelresorptionen und weniger Drähten.

Fastbraces ist ein von dem US Kieferorthopäden Anthony Viazis um 1995 entworfenes Bracket, das in hohem Maße solche Wundereigenschaften aufweisen soll. Diese werden auf der Website https://fastbraces.com/ ausführlich dargelegt: Während kieferorthopädische Behandlungen mit „üblichen Brackets“ angeblich Jahre dauern, reichen bei Fastbraces oft nur 6 Monate. Bei üblichen Brackets müssen öfters die Drähte ausgetauscht werden, bei Fastbraces reicht ein einziger Draht. Und selbstverständlich erleiden die Patienten weniger Schmerz, Diskomfort und Wurzelschäden, als mit „üblichen“ Brackets. Besonders lustig ist, wie Viazis auf seiner Website ausführt, Fastbraces würden von Anfang der Behandlung an Wurzelbewegungen ausführen, „übliche“ Brackets dagegen zunächst nur die Zahnkronen bewegen. Und eine Wundereigenschaft darf bei bei großartigen Bracketentwicklungen natürlich nie fehlen: selbstverständlich müssen, wenn Fastbraces verwendet werden, auch so gut wie nie bleibende Zähne gezogen werden.

Es braucht kaum erwähnt werden, dass diese unglaublichen Vorteile von Fastbraces natürlich nicht durch irgendwelche Studien an Patienten belegt, sondern einfach als flotte Behauptungen in die Welt gesetzt werden. Wer als Kieferorthopäde einige Jahre Behandlungserfahrung mit verschiedenen Brackets hat und kritisch darüber nachdenkt, weiß jedoch, dass die Unterschiede zwischen verschiedenen Brackets nicht nennenswert sind und sich in der Regel auf bessere Handhabbarkeit durch den Arzt beschränken. Auch die originelle Dreiecksform der Fastbraces wäre keine hinreichende Erklärung für eine überlegene Wirksamkeit dieses Produkts. Wissenschaftlich tätige Kieferorthopäden werden vor diesem Hintergrund kaum dazu zu bewegen sein, eine vergleichende Studie zwischen Fastbraces und „üblichen“ Brackets zu starten – solche Studien hat es mit zahllosen Brackettypen gegeben, ohne dass jemals bedeutende klinische Unterschiede dabei herausgekommen wären. Der Erfinder Viazis selbst hat es in den über 20 Jahren, die Fastbraces auf dem Markt sind, nie für nötig gehalten, stichhaltige Beweise in Form einer hochwertigen Studie vorzulegen. Soweit kann man zusammenfassen: Fastbraces haben keine wesentlich anderen klinischen Eigenschaften als „übliche“ Brackets und werden auf eine unehrliche, wenig faire Art vermarktet.

Dies fand auch die britische Werbeaufsicht ASA, die mit Entscheidung vom 23.04.2016 die Werbeaussagen einer englischen Praxis über Fastbraces unterband. Die ASA beanstandete zahlreiche Regelverletzungen der Fastbraces-Werbung, darunter Irreführung, Übertreibung, falscher Vergleich mit Konkurrenzprodukten etc. Die werbende Praxis wurde angewiesen, nicht mehr zu behaupten, Behandlungen mit Fastbraces gingen schneller, verursachten weniger Schmerzen und Wurzelresorptionen als andere Brackets, so lange dafür keine Beweise vorliegen. Die ausführliche Entscheidung der ASA findet sich unter https://www.asa.org.uk/rulings/igdp-ltd-a16-348854.html