Digitales Volumentomogramm (DVT) in der Kieferorthopädie nur ausnahmsweise sinnvoll

Röntgendiagnostik haben Kieferorthopäden traditionell mit einer Panoramaschichtaufnahme, auch Orthopantomogramm (OPG) genannt, und einem seitlichen Schädelröntgenbild, dem Ceph oder FRS, gemacht. Seit einigen Jahren dringt eine 3D-Röntgentechnik in der Kieferorthopädie vor, das digitale Volumentomogramm (DVT). Einige Kieferorthopäden propagieren das DVT als neue Standarddiagnostik, die das OPG und das Ceph ablösen soll. Leider hat jedoch bis heute ein DVT in guter Auflösung eine wesentlich höhere Strahlenbelastung als ein das traditionelle Paar von OPG und Ceph, so dass sich die ernste Frage stellt, ob die erhöhte Strahlenbelastung wirklich einen Mehrnutzen für die Patienten bringt.

Die Autoren dieser systematischen Übersichtsarbeit haben alle wissenschaftlichen Artikel bis Juli 2018 zum Thema DVT in der Kieferorthopädie ausgewertet. Sie fanden folgende Rechtfertigungen für den Einsatz eines DVT: Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, erbliche Entwicklungsstörungen des Gesichts oder der Zähne, im Kiefer verlagerte Zähne, Zahnwurzelfrakturen und Kiefergelenkserkrankungen mit knöcherner Beteiligung. Dabei wird deutlich, dass diese Fälle nur einen kleinen Teil der Patienten in der kieferorthopädischen Praxis betreffen. In jedem einzelnen Fall fordern die Autoren das DVT nur einzusetzen, wenn das übliche 2D-Röntgen nicht genügend Informationen für therapeutische Entscheidungen liefert.

Aus solchen Erwägungen haben wir uns in unserer kieferorthopädischen Praxis in Mannheim gegen die Anschaffung eines DVT entschieden, dessen hohe Kosten sich nur mit einer hohen Zahl von Aufnahmen lohnen. Für die wenigen Fälle mit 3D-Röntgen-Bedarf überweisen wir unsere Patienten einfach. Als Kieferorthopäde sollte man aber immer im Auge behalten, dass technischer Aufwand, Kosten und auch Strahlenbelastung nur zu rechtfertigen sind, wenn die Patienten davon profitieren.

De Grauwe A, Ayaz I, Shujaat S et al. CBCT in Orthodontics: a systematic review on justification of CBCT in a paediatric population prior to orthodontic treatment. Eur J Orthod 41;2019: S. 381-389

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