Kieferorthopädie unter der Corona-Pandemie

Bei zahnärztlichen Behandlungen kommen sich die Atemwege von Patienten und medizinischem Personal unvermeidlich sehr nahe. Aus diesem Grund wurde zunächst befürchtet, dass zahnärztliche und kieferorthopädische Behandlungen ein gefährlicher Übertragungsweg für das Corona-Virus wären.

Diese Vermutung hat sich glücklicherweise nicht bewahrheitet. Das zeigt ein Blick in die chinesische Stadt Wuhan und die Provinz Hubei, in der das Corona-Virus im Dezember letzten Jahres ausgebrochen ist. In der Provinz Hubei wurden seit dem 27. Januar 2020 zahnärztliche Interventionen eingeschränkt. Dies wurde einfach deshalb durchgeführt, um zwischenmenschliche Kontakte zu minimieren. Zudem wurden strikte Ausgangssperren verhängt und die Menschen zu Hause mit Nahrung beliefert. Diese Maßnahmen sind sehr streng durchgesetzt worden. Bis zum 20. Januar 2020 wurde zahnärztlich mit normaler Ausrüstung gearbeitet; erst ab dem 20. Januar mit besonderem Schutz wie FFP2-Masken, Schutzschilden usw. In der Universitätszahnklinik von Wuhan infizierten sich von insgesamt 1.926 dort arbeitenden (1.098 Angestellte und 828 Studenten) insgesamt nur neun Personen = 0,47 Prozent. Es wird davon ausgegangen, dass die in der Zahnmedizin schon immer üblichen Hygienestandards die Weiterinfektionen weitgehend unterbanden.

Quelle: https://journals.sagepub.com/doi/full/10.1177/0022034520914246

Zu Beginn der Corona-Pandemie haben wir geglaubt, von jetzt an nur noch mit dem dicht schließenden, aber lästigen FFP2-Mundschutz arbeiten zu können. Dies hat sich glücklicherweise nicht so bestätigt. Wir als Kieferorthopäden tragen in unseren Praxen in Mannheim und Ludwigshafen immer – auch im Gespräch – eine übliche Mund-Nasen-Schutzmaske und verzichten auf jede körperliche Begrüßung. Bei Behandlungen, bei denen auch nur geringe Mengen von Aerosol (Spraynebel, Staub) entstehen können, tragen wir stattdessen einen dicht schließenden FFP2-Mundschutz, zusätzlich Schutzbrille oder ein Gesichtsschutzschild und arbeiten mit starker Absaugung. Gerade in der Kieferorthopädie ist dies nicht so häufig der Fall.

Bei allen üblichen Behandlungen ausreichend: übliche Mund-Nasen-Schutzmaske
Bei allen üblichen Behandlungen ausreichend: übliche Mund-Nasen-Schutzmaske

Weiterhin versuchen wir Abstand zu den Patienten zu wahren, soweit es möglich ist. Somit reduzieren wir das Infektionsrisiko, das von uns ausgeht. Desinfiziert wird über das gewohnte Maß hinaus alles bis zu den Türklinken mehrfach täglich. Dazu lassen wir weniger Patienten zugleich in die Praxis, lassen unsere Patienten die Hände desinfizieren und mit desinfizierender Lösung den Mund spülen. Zähneputzen geht dafür leider nur noch zu Hause. Das Risiko einer Corona-Infektion in der kieferorthopädischen Praxis sollte durch diese Maßnahmen deutlich geringer sein als bei Kontakten, die beispielsweise im Supermarkt stattfinden.

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Nur bei Behandlungen mit Sprühnebel nötig: FFP2-Mundschutz und Schutzschild

Kieferorthopädie ist weiterhin möglich!

Die deutsche Gesellschaft für Zahn- Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK), die übergeordnete wissenschaftliche Gesellschaft der deutschen Zahnmedizin, hat in einer aktuellen Stellungnahme ausdrücklich festgestellt, dass unter den Bedingungen der Corona-Pandemie kieferorthopädische Behandlung weiterhin möglich ist. Vermieden werden sollen zur Zeit Eingriffe mit starker Aerosolbildung, z.B. mit zahnärztlichen Turbinen und Pulverstrahlgeräten zur Zahnreinigung, ebenso rein kosmetische Behandlungen.

Quelle:  https://archive.newsletter2go.com/?n2g=blgustlz-ou6y7pkm-tkq

Auch die über Ostern verschärfte Corona Verordnung des Landes Baden-Württemberg wurde durch Auslegungshinweise ergänzt, die eine zahnärztliche Versorgung weitgehend zulassen. In den Auslegungshinweisen zu §6a der Corona-Verordnung erklärt das Gesundheitsministerium des Landes Baden-Württemberg unter Behandlung akuter Erkrankungen: „Medizinisch notwendige zahnärztliche Behandlungen, insbesondere solche zur Vermeidung einer Verschlechterung des Gesundheitszustands im Falle chronischer Zahnerkrankungen, können durchgeführt werden. Liegt eine zahnmedizinische Behandlungsbedürftigkeit vor, können unter Einhaltung der geltenden Hygienevorgaben grundsätzlich alle Maßnahmen zu Feststellung und Behandlung von Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten ausgeübt werden.“ Wie auch von der DGZMK wird von der Anwendung von Ultraschallgeräten, Turbinen und Pulverstrahlgeräten jedoch ausdrücklich abgeraten.

Quelle: https://news-portal.kzvbw.de/2020/corona-verordnung-gemeinsam-abgestimmte-presseerklaerung-zwischen-sozialministerium-kzv-bw-und-lzk-bw/?utm_source=Newsletter&utm_medium=gesundheitstelegramm&utm_campaign=2020-12&ref=gesundheitstelegramm-2020-12

Zum 04.Mai 2020 hat die Landesregierung Baden-Württemberg den auf Zahnmedizin bezogenen §6a der Corona-verordnung sogar aufgehoben. In der Zahnmedizin, und damit auch in der Kieferorthopädie herrschen damit wieder weitgehend normale Verhältnisse. Besondere Regeln sind jedoch bei mit Covid19 infizierten Patienten zu beachten.

Unsere Kieferorthopäden und alle weiteren Mitarbeiterinnen in unseren kieferorthopädischen Praxen in Mannheim und Ludwigshafen beachten alle diese Vorschriften sorgfältig.  Selbstverständlich halten wir uns darüber hinaus an die aktuellen Hygieneregeln des Robert-Koch-Instituts. Damit stellen wir auch unter Corona-Bedingungen Ihre kieferorthopädische Behandlung sicher!

 

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