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Wie lange dauern die Behandlungen?

Wie lange dauern die Behandlungen?

Kieferorthopädische Behandlungen dauern zwischen 6 und 24 Monaten, wenn sie nach dem heutigen Wissensstand mit modernen Behandlungsmitteln durchgeführt werden. Leider ist die Behandlungsdauer in Deutschland in der Regel wesentlich länger. So beträgt die durchschnittliche Behandlungsdauer bei Kindern und Jugendlichen in unserem Land wahrscheinlich etwa 4 Jahre – also mindestens doppelt so lang, wie es nötig wäre.

Für die in Deutschland geradezu lächerlich langen Behandlungszeiten gibt es zwei Gründe: die Schwächen des deutschen Honorarsystem und die schlechte Ausbildung der deutschen Kieferorthopäden.

Wie wird Kieferorthopädie in Deutschland honoriert?

Kieferorthopädische Behandlungen werden in Deutschland so honoriert, dass jede einzelne Handreichung und jeder Arbeitsschritt einzeln bezahlt werden. Wirtschaftlich ist es also für die Kieferorthopäden erstrebenswert, bei jedem Patienten möglichst viele Leistungen zu erbringen. Um den einzelnen Patientenfall wirtschaftlich möglichst gut auszunutzen, müssen die Behandlungszeiten natürlich in die Länge gezogen werden: jedes weitere Behandlungsjahr bringt die Möglichkeit, weitere Leistungen zu erbringen und abzurechnen. Vor diesem Hintergrund sind die Kieferorthopäden, die am ineffizientesten arbeiten, wirtschaftlich am Besten dran. Ohne einzelnen Kieferorthopäden unterstellen zu wollen, dass sie dieses System gezielt zu ihrem Vorteil – und zum Nachteil der Patienten – ausnutzten, ist doch nicht von der Hand zu weisen, dass unser unsinniges Honorarsystem die kieferorthopädische Behandlung viel stärker prägt, als Ausbildung oder wissenschaftliche Lehrmeinungen es je könnten.

Warum werden Kieferorthopäden in Deutschland nicht auf internationalem Stand ausgebildet?

Die Tendenz unseres Honorarsystems, unsinnig lange Behandlungszeiten zu bevorzugen, wird noch durch das deutsche Ausbildungssystem gefördert. Deutschland ist seit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts das gelobte Land der herausnehmbaren Zahnspangen. In Deutschland wurde damals die so genannte Funktionskieferorthopädie entwickelt, und ebenso die Vorstellung, die gesamte Kindheit und Jugend mit unförmigen Plastikspangen im Mund begleiten zu müssen. Für viele Jahrzehnte wurde an deutschen Universitäten das Arbeiten mit den in jeder Beziehung überlegenen festsitzenden Zahnspangen nicht mehr gelehrt. Auch wenn sich dies seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts geändert hat, ist ein großer Teil der älteren Professorengeneration immer noch dem alten Denken verhaftet. Entsprechend antiquiert muss man sich die Ausbildung junger Kieferorthopäden an vielen deutschen Universitäten dann auch vorstellen. Die aus den angelsächsischen Ländern vordringende evidenzbasierte Medizin, also die Idee, vor allem wissenschaftlich als besonders effektiv belegte Verfahren am Patienten anzuwenden, hat in Deutschland einen schweren Stand.

In anderen Ländern geht es schneller

Das Resultat ist, dass insbesondere Kinder und Jugendliche unnötig lange, ineffiziente und ineffektive kieferorthopädische Behandlungen über sich ergehen lassen müssen. Wie stark Honorarsystem und Ausbildung die Behandlung prägen, sieht man sehr deutlich beim Vergleich mit der Kieferorthopädie in Großbritannien: dort werden relativ niedrige Pauschalen für die kieferorthopädische Behandlung gezahlt, und die Behandlungen dauern im Schnitt wenig über ein Jahr. Die Ergebisqualität braucht dabei vermutlich den Vergleich mit den deutschen Dauerbehandlungen nicht zu scheuen. Erzählt man englischen Kieferorthopäden, dass Kinderbehandlungen bei uns vier Jahre dauern, erntet man ungläubiges Staunen und die Frage, mit was diese lange Zeit überhaupt gefüllt wird.

In unseren Praxen in Mannheim und Ludwigshafen dauert die aktive Behandlung ziemlich genau 18 Monate, was etwa die Hälfte des in Deutschland üblichen ist.

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