In Deutschland hat sich über Jahrzehnte eine Tradition mit herausnehmbaren Apparaturen entwickelt, die aus einem bunten Plastikkörper, verschiedenen Drahtelementen und manchmal auch Schrauben bestehen. Es gibt lockere Einzelspangen und lose Doppelspangen für beide Kiefer. Leider stören lose Spangen so stark beim beim Sprechen , dass sie nur nachts getragen werden. Nötig wäre in den meisten Fällen aber eine Tragezeit von 16 Stunden am Tag. Es ist bekannt, dass unsere jungen Patienten das nicht schaffen können. Essen ist mit lockeren Zahnspangen im Mund sowieso nicht möglich. Die Motivation, lockere Spangen regelmäßig zu tragen, ist daher so gering, dass oft schlechte Ergebnissen und Abbrüche der Behandlung die Folge sind.
Aber selbst wenn unsere jungen Patienten die losen Spangen so tragen könnten wie gefordert, wären sie wegen ihrer mechanischen Einschränkungen immer noch nicht für vollständige kieferorthopädische Behandlungen zu gebrauchen. Lose Zahnspangen sind zur gezielten Zahnbewegung nur sehr eingeschränkt geeignet.
- Sie können Zähne nicht körperlich bewegen, sondern nur kippen
- Vertikale Zahnbewegungen sind kaum möglich.
- Nur Rotationen der Schneidezähne sind begrenzt machbar, alle anderen Zähne können kaum rotiert werden
Wegen dieser Einschränkungen können vollständige Behandlungen mit losen Zahnspangen kaum gemacht werden, sondern nur einzelne Teilschritte. Fast immer erfolgt nach einer „Vorbehandlung“ mit herausnehmbaren Zahnspangen die „richtige“ Behandlung mit einer festen Zahnspange. Da wäre es wirklich patientenfreundlicher, die lästige „Vorbehandlung“ einfach wegzulassen und gleich mit der „richtigen“ Behandlung zu beginnen.
Warum die feste Zahnspange überlegen ist
Die feste Zahnspange mit Brackets auf allen Zähnen ist ein Universalgerät, mit dem alle Behandlungen effizient und mit perfektem Ergebnis durchgeführt werden können. Die feste Spange behindert nicht beim Sprechen und auch nicht beim Essen. Da mit festen Spangen alle Zahnbewegungen durchgeführt werden können und sie 24 Stunden im Mund sind, sind die Behandlungen viel kürzer als mit losen Spangen und die Ergebnisse sind wesentlich besser.
Die festsitzende Zahnspange ist der Goldstandard in der modernen Kieferorthopädie. Sie ist zudem international anerkannt und wissenschaftlich belegt. Durch sie ist eine präzise, kontrollierte Zahnbewegung in alle Richtungen möglich, was zu stabilen, ästhetischen Ergebnissen in kürzerer Behandlungszeit führt.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für die kieferorthopädische Behandlung?
Wir empfehlen, mit einer kieferorthopädischen Behandlung im Jugendalter (etwa mit 10 bis 11 Jahren) zu beginnen. Zu diesem Zeitpunkt ist der Zahnwechsel abgeschlossen und das bleibende Gebiss vollständig ausgebildet. Eine feste Zahnspange führt dann elegant und effizient zum gewünschten Ergebnis – das ist international der Goldstandard.
Frühe Behandlungen – oft ohne echten Nutzen
In Deutschland ist es dagegen verbreitet, Kinder bereits im Grundschul- oder gar im Kindergartenalter kieferorthopädisch zu behandeln. Nach dem Stand der Wissenschaft führt dies zu unnötig langen Behandlungen, die sich über viele Jahre der Kindheit und Jugend erstrecken. Wir raten daher in der Regel ausdrücklich davon ab, so früh zu beginnen.
Wann eine lose Zahnspange sinnvoll ist
Nur in wenigen Ausnahmefällen ist der Einsatz einer losen oder lockeren Zahnspange gerechtfertigt:
- Bei der frühen Behandlung einer Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte: Hier handelt es sich um sehr komplexe KFO-Therapien in Zusammenarbeit mit anderen Fachdisziplinen.
- Bei einem stark ausgeprägten Überbiss im Oberkiefer und einem Rückbiss des Unterkiefers. In diesem Fall kann gelegentlich eine lose Doppelspange für etwa ein Jahr sinnvoll sein, um die Bisslage zu verbessern.
- Herausnehmbare, transparente Aligner sind dagegen für einfache und mittelschwere Behandlungen gut geeignet, weil sie nicht beim Sprechen behindern und mechanisch mehr Möglichkeiten haben als die althergebrachten lockeren Zahnspangen.
Die deutsche Behandlungstradition
Viele der in Deutschland verwendeten lockeren Zahnspangen stammen aus älteren Entwicklungen und werden in der Ausbildung von Kieferorthopäden noch immer vermittelt – obwohl sie veraltet und ineffizient sind.
Die deutsche Gebührenordnung begünstigt zudem langdauernde, wenig effiziente Behandlungen, was den Einsatz von losen Zahnspangen wirtschaftlich attraktiv macht. Kurze, effiziente Behandlungen mit festen Spangen sind für die Ärzte dagegen wirtschaftlich problematisch.
Unsere Empfehlung: Feste Zahnspange nach Abschluss des Zahnwechsels
Wir empfehlen eine kompakte, effiziente Behandlung mit einer festen Zahnspange nach Abschluss des Zahnwechsels. Dieser Zeitpunkt ist meistens ab dem 10. oder 11. Lebensjahr erreicht. So lässt sich die Zahnstellung gezielt korrigieren – ohne jahrelange Belastung durch lose Apparaturen, ohne überflüssige Kosten und mit besten ästhetischen Ergebnissen.
Unser Fazit
Lockere Zahnspange haben ihren Platz nur in wenigen Spezialfällen. Für die meisten Patienten ist die feste Zahnspange im frühen Jugendalter die effektivste, sicherste und kostengünstigste Lösung.