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Lexikon

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Carrière-Distalizer – eine überflüssige Zahnspange

Der Carrière-Distalizer ist eine festsitzende Apparatur, die an den oberen Molaren und Eckzähnen aufgeklebt wird. Der Carrière-Distalizer besteht aus je einer Klebebasis für die genannten Zähne und einem steifen Bügel, der mit dem Eckzahn fest, mit dem 1. Molaren dagegen über ein Gelenk verbunden ist. Durch die Kraftübertragung über das Gelenk werden die oberen 1. Molaren nicht nur distalisiert, sondern auch derotiert. Der Carrière-Distalizer dient zur Aufnahme von intermaxillären Elastiks zur Korrektur des Rückbisses, und diese so genannten Klasse-II-Elastiks sind das eigentliche Wirkprinzip dieser Apparatur. Das Wirkprinzip der intermaxilläre Elastiks ist seit über 100 Jahren bewährt und damit ein alter Hut. Mit intermaxillären Elastiks können die Zahnreihen zueinander verschoben, nicht aber das Kieferwachstum beeinflusst werden. Vor diesem Hintergrund ist es schwer verständlich ist, warum Kollege Carrière um diese bescheidene Verankerungsapparatur so viel Aufhebens macht.

Dazu entstehen beim Einsatz des Carrière-Distalizers unvermeidliche Nebenwirkungen auf die oberen Eckzähne im Sinn einer Verlängerung und einer Auswanderung nach außen. Ebenso kann es zur Lückenbildung zwischen Eckzahn und seitlichem Schneidezahn kommen. Diese nebenwirkungen sind ebenso unvermeidlich wie unwillkommen. Klasse-II-Elastiks werden traditionell in eine vollständige Multibracket-Apparatur eingehängt, bei der solche Nebenwirkungen gar nicht erst entstehen. Vor diesem Hintergrund wirkt der Carrière-Distalizer reichlich sinnlos; gleichwohl dichtet Carrière dem Gerät allerlei Wunderdinge an von Wachstumsförderung bis zur Verbesserung der Atmung an, was beides absolut unseriös ist. Insgesamt ist der Carrière-Distalizer ein überflüssiges Gerät und keine echte Innovation.