Die Multibracket-Apparatur, kurz MB-Apparatur ist eine festsitzende Zahnspange. Sie besteht aus aufgeklebten Brackets und gelegentlich auch zementierten Ringen um die Zähne, den so genannten „Bändern“. Wegen dieser heute nur noch wenig verwendeten Bänder wird die MB-Apparatur oft auch als „Multiband-Apparatur“ bezeichnet, was aber veraltet ist. Die MB-Apparatur ist das kieferorthopädische Gerät per se, mit dem sich die meisten kieferorthopädischen Behandlungen in minimaler Zeit, mit minimaler Belastung der Patienten und mit den besten Ergebnissen lösen lassen. Vorurteile gegen die MB-Apparatur bestehen vor allem in Deutschland aus der dunklen Zeit der so genannten Funktionskieferorthopädie, als man glaubte, dass herausnehmbare Geräte „irgendwie“ gesünder, ganzheitlicher oder wirksamer wären.
Die MB-Apparatur oder festsitzende Zahnspange gibt es etwa seit 1900. Bis 1970 war sie für die meisten Menschen unerschwinglich teuer – und damals auch keine Kassenleistung. Seitdem ist sie allerdings stetig weiterentwickelt worden. Moderne MB-Apparaturen sind komfortabler, hygienischer und in ihrer Wirkungsweise sanfter als die frühen Apparaturen. Da heute kaum noch die kompliziert aufzubringenden Zahnringe (Bänder), sondern überwiegend Klebebrackets verwendet werden, und die Technik sich stark vereinfacht hat, ist die MB-Apparatur auch zur wirtschaftlichsten Behandlungsform geworden.
Trotzdem können bei schlechter Zahnpflege Entkalkungen des Zahnschmelzes und gelegentlich auch Wurzelresorptionen durch die Behandlung entstehen. Ohne gute Zahnpflege ist der Einsatz der MB-Apparatur daher nicht sinnvoll. Neben der Zahnpflege ist die Behandlungsdauer ein wichtiger Faktor für das Risiko von Behandlungsschäden. Leider sieht man gerade in Deutschland oft, dass die MB-Apparatur über viele Jahre im Mund ist. Das ist meistens ein Hinweis auf eine schlecht geplante und nachlässig durchgeführte Behandlung. Eine ordentliche Behandlung dauert 1-2 Jahre. In unserer Praxis ist die MB-Apparatur bei umfassenden behandlungen mit Bisskorrektur und Einstellung aller Zähne im Durchschnitt nur 16 Monate im Mund.
Die letzten Entwicklungen sind die Einführung des vollprogrammierten Brackets, das dem Behandler viel Handarbeit und dem Patienten viel Behandlungszeit erspart, und die Entwicklung der sogenannten selbstligierenden Brackets (Speed, SmartClip, Damon, In-Ovation etc.)
Sicher ist, dass die selbstligierenden Brackets die Zeit erheblich verkürzen, die der Patient auf dem Zahnarztstuhl verbringen muss. Darüber hinaus gehende Effekte wie Beschleunigung der Behandlungen und weniger Schmerzen konnten bisher in Studien nicht bestätigt werden, sind aber stets beliebte Verkaufsargumente für selbstligierende Brackets. Auch dies ein Beispiel dafür, dass der Stand der Wissenschaft in der Praxis standhaft ignoriert wird. Den Nachteil haben die Patienten, denen selbstligierende Brackets oft mit hohen Zusatzkosten verkauft werden. Bestimmte Brackets mit angeblichen Vorteilen wie weniger Schmerzen, kürzere Behandlungsdauer etc. zu verkaufen, ist absolut unseriös.