Alle Maßnahmen zur Stabilisierung der Zahnstellung nach dem Ende der aktiven kieferorthopädischen Behandlung werden in der Kieferorthopädie als Retention bezeichnet. Die Retention ist ein notwendiger Bestandteil einer kieferorthopädischen Behandlung, weil die Zähne dazu neigen, nach dem Ende der Behandlung wieder in Richtung des Anfangszustands zurückzugehen. Dies gilt ganz besonders für die Frontzähne, deren dauerhafte Begradigung die Patienten natürlich am meisten interessiert, weil sie beim Sprechen und Lachen sichtbar sind. Da die Rückfallneigung der Frontzähne zeitlich unbegrenzt bestehen bleibt, erfolgt die Retention vernünftigerweise über das ganze Leben.
Herausnehmbare und feste Apparaturen für die Retention
Für die Retention werden verschiedene herausnehmbare und festsitzende Zahnspangen verwendet, die man alle als Retentionsgeräte oder als Retainer bezeichnen kann. Als herausnehmbare Retentionsgeräte eignen sich so genannte Plattenapparaturen – übliche Kinderspangen mit einem Plastikkörper und Halteklammern aus Draht – oder transparente Folien nach der Art der Aligner. Nachteil der herausnehmbaren Retainer ist ihre Abhängigkeit von der Mitarbeit, und die Notwendigkeit, sie periodisch zu ersetzen, weil sie irgendwann verschlissen und unhygienisch werden. Bei anfänglich stark rotierten Frontzähnen reicht nächtliches Tragen der herausnehmbaren Retainer oft nicht aus, so dass sie auch stundenweise tags getragen werden müssten. Das scheitert aber häufig, so dass in solchen Fällen feste Retainer immer die bessere Wahl sind!
Festsitzende Retainer sind dünne Drähte, die hinter die 6 Frontzähne geklebt werden. Leider gelingt es nicht allen Kieferorthopäden, diese komfortabel und hygienefähig zu gestalten. Gelegentlich können sich einzelne Klebestellen lösen oder es kann zum Bruch eines Retainerdrahts kommen – das sollten die Patienten möglichst rechtzeitg bemerken und in der kieferorthopädischen Praxis reparieren lassen. Der Hygieneaufwand steigt mit festen Retainern geringfügig an. Grundsätzlich sind feste Retainer aber der Goldstandard in der Kieferorthopädie, da sie zuverlässig und komfortabel sind.
Kosten
In der gesetzlichen Krankenversicherung werden leider nur herausnehmbare Retainer gezahlt. Feste Retainer werden nur unter bestimmten Umständen, nur im Unterkiefer und auch nicht in voller Höhe erstattet, so dass gesetzlich Versicherte feste Retainer in der Regel selbst zahlen müssen. Die Kosten liegen meistens zwischen 300 und 500€ pro Kiefer.
Auch in der private Krankenversicherung ist es fast unmöglich, vollständige Erstattung für festsitzende Retainer zu bekommen. Das hängt mit der völlig veralteten privaten Gebührenordnung GOZ zusammen, die den aktuellen fachlichen Stand der Kieferorthopädie nur notdürftig wiedergibt.
Frontzähne lebenslang stabilisieren
Da die menschlichen Frontzähne lebenslang zu mehr oder weniger merklichen Wanderungen und Verschiebungen neigen, ergibt sich automatisch, dass eine ernsthafte Retention immer zeitlich unbegrenzt erfolgen muss. Leider wird das zu Beginn der kieferorthopädischen Behandlungen oft nicht so klar mitgeteilt. Viele Patienten und ihre Eltern haben in diesem Punkt große Illusionen und sind bitter enttäuscht, wenn die vorderen Zähne bald nach der Behandlung erneut schief stehen. Dabei sollten es eigentlich alle Patienten von vornherein wissen: Die Stabilisierung der Frontzähne ist eine Aufgabe für das ganze Leben!